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Sturmgewehr HK 416
Französische Soldaten schießen jetzt mit deutschen Gewehren

Sturmgewehr HK 416: Französische Soldaten schießen jetzt mit deutschen Gewehren
Ein französischer Soldat mit dem deutschen HK 416. FOTO: afp
Canjuers . Die Grand Nation verlässt sich zukünftig auf Waffen, die in Deutschland hergestellt werden: "Made in Germany" steht auf den Sturmgewehren, mit denen die französischen Soldaten auf die Ziele feuern.

Im Stehen oder im Liegen geben die Männer einen Schuss nach dem anderen ab, jedes Mal hallt ein trockener Knall über den südfranzösischen Truppenübungsplatz Canjuers. Seit kurzer Zeit trainieren hier die Soldaten mit den neuen Sturmgewehren der deutschen Waffenschmiede Heckler & Koch, mit denen schrittweise die ganze französische Armee ausgerüstet werden soll. Ein Rüstungsgeschäft, das auch die engen Bande zwischen beiden Ländern symbolisiert.

Besonders symbolhaft: Am kommenden Freitag werden bei der Militärparade zum französischen Nationalfeiertag erstmals Soldaten mit der deutschen HK 416 über die Pariser Champs-Elysées marschieren. Und das einen Tag nach dem deutsch-französischen Ministerrat, bei dem die europäische Zusammenarbeit bei Rüstung und Verteidigung ganz oben auf der Agenda steht.

Skepsis bei Verfechtern von "Made in France"

In Frankreich hatte es im vergangenen Jahr für Stirnrunzeln und vereinzelt für Empörung gesorgt, dass die neuen Sturmgewehre beim deutschen Nachbarn gekauft werden. Denn über Jahrzehnte hatte die Grande Nation sich auf das im eigenen Land gebaute Famas-Sturmgewehr verlassen. Doch die Waffenmanufaktur von Saint-Etienne, die das Famas seit den 70er Jahren baute, machte 2001 dicht. Und Frankreich entschied sich schließlich, seine neuen Sturmgewehre im Ausland zu bestellen.

Das brachte die Verfechter des "Made in France" auf die Barrikaden. Sie forderten, die Waffen der französischen Armee müssten auch in Frankreich gebaut werden. Die Regierung hielt dagegen, in Frankreich könne kein Unternehmen den Rüstungsauftrag erfüllen. Die Rüstungsdirektion schob hinterher, die Bestellung werde "die soliden Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich im Verteidigungssektor und besonders in der Rüstungsindustrie weiter stärken".

Beide Länder verstärken nicht nur ihre militärische Kooperation - sie machen auch Druck für eine engere Zusammenarbeit auf europäischer Ebene. Seit dem Brexit-Votum ist die Verteidigungspolitik zu einer zentralen Achse einer Weiterentwicklung Europas geworden, verstärkt wurde das durch Donald Trumps Wahlsieg in den USA. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron drängen auf eine engere Zusammenarbeit bei Streitkräften und Rüstung in der EU - und eine Abkehr vom rein nationalstaatlichen Denken.

Soldaten zufrieden mit der HK 416

Die Soldaten auf dem Truppenübungsplatz Canjuers dürften sich für solche politischen Debatten eher weniger interessieren. "Im Idealfall wäre das neue Gewehr französisch gewesen", sagt ein Offizier. "Aber was der Nutzer vor allem will, ist eine verlässliche Waffe."

Beim Training loben die Soldaten die "Verlässlichkeit" und "Widerstandsfähigkeit" der deutschen Sturmgewehre, die zudem "leicht in der Wartung" seien. "Es ist eine modernere Waffe und sie ist Deutsch", sagt ein Feldwebel. "Allein schon, was die Verlässlichkeit beim Schießen angeht, ist es für uns ein großes Plus."

Denn das französische Famas gilt als anfällig für Sand und Staub. "Das Famas verschmutzt schneller und das behindert den Auswurf der Patronenhülsen", sagt ein Ausbilder. Bei Auslandseinsätzen in Afrika oder im Nahen Osten verbrachten französische Soldaten deswegen viel Zeit damit, ihre Gewehre auseinanderzunehmen und zu säubern.

Die Sturmgewehre von Heckler & Koch schnitten im Auswahlverfahren dagegen gut ab. Im Mai erhielt das französische Heer eine erste Lieferung. Ganz unerfahren ist die französische Armee im Umgang mit den deutschen Gewehren indes nicht: Ihre Spezialeinheiten greifen bereits seit einiger Zeit auf das HK 416 zurück. "Wir haben Erfahrungsberichte", sagt der Feldwebel in Canjuers. "Diese Waffe war schon im Krieg."

Bald könnte auch die Bundeswehr der französischen Armee folgen. Ein Vergabeverfahren für ein neues Sturmgewehr für die deutschen Soldaten ist seit Mai abgeschlossen, nun muss entschieden werden: Das alte G36 von Heckler & Koch wird ausgemustert - wegen Präzisionsmängeln.

(felt/AFP)
 
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