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Asylbewerber abgelehnt
Bayrische Baufirma streikt für Flüchtling

Asylbewerber abgelehnt: Bayrische Baufirma streikt für Flüchtling
Arbeiter auf dem Bau (Symbolfoto): "Inzwischen ist Tavus Qurban voll im Unternehmen integriert." FOTO: dpa
Winhöring. Tavus Qurban kam 2010 nach Deutschland und fand 2012 bei einem bayrischen Bauunternehmen Arbeit. Nun soll er abgeschoben werden. Das will die bayrische Firma nicht einfach so hinnehmen und ist deshalb in den Streik getreten. Von Vivien Ewe

Am Freitag legten alle die Mitarbeiter des Unternehmens Strasser auf allen Baustellen von 10 bis 12 Uhr die Arbeit nieder. Sie wollen Solidarität gegenüber ihrem Kollegen Tavus Qurban zeigen, dessen Arbeitsgenehmigung nicht verlängert werden soll. Das teilte das Unternehmen in einem Facebook-Post mit, der inzwischen über 90.000 Mal geteilt wurde.

"Engagiert, stets arbeitswillig und mit großem Fleiß hat er Deutsch gelernt und sich gut eingearbeitet", sagt das Bauunternehmen, das zurzeit rund 220 Leute beschäftigt, über seinen Mitarbeiter. Dieser ist im Jahr 2010 aus Afghanistan nach Deutschland gekommen. Im April 2012 begann er seine Stelle bei dem Bauunternehmen. "Inzwischen ist Tavus Qurban voll im Unternehmen integriert", schreibt das Unternehmen aus dem oberbayerischen Winhöring bei Altötting in einer Pressemitteilung. Er bezahle seine Mietwohnung, führe Steuern und Krankenversicherung ab, so wie jeder andere berufstätige deutsche Mitbürger. Doch seit letzter Woche Freitag steht fest: ab dem 1.10.2016 soll Tavus Qurban keine Arbeitserlaubnis mehr erhalten.

"Tavus Qurban verfügt über keinen gültigen Pass. Er ist verpflichtet, an der Passbeschaffung mitzuwirken", sagt Markus Huber, Sprecher des Landratamts Altötting unserer Redaktion. "Wir haben ihn seit drei Jahren dazu aufgefordert und er hat nicht reagiert. Jetzt ist es laut dem Gesetz vorgeschrieben, die Arbeitserlaubnis zu beenden." Da er keinen deutschen Pass besitzte, sei er in Deutschland nur geduldet. Es handele sich hier also um einen abgelehnten Asylantrag.

Bei der Aktion geht es jedoch nicht nur um den Kollegen selber.  Es ist eine Botschaft, die dahinter steckt. "Wir sind als Unternehmen aufgefordert Flüchtlinge in die Arbeitswelt zu integrieren", teilt die Firma unserer Redaktion mit. "Das hat uns sowohl finanzielles aber auch persönliches Engagement abverlangt. Und dann, wenn die Menschen integriert sind, werden Sie uns wieder genommen. Dagegen wollen wir protestieren." 

Über den Grund, warum der Asylantrag abgelehnt wurde, äußert sich das Unternehmen auf Anfrage unserer Redaktion nicht. Ob die Aktion Erfolg haben wird, ist fraglich. "Wir haben da keinen Ermessensspielraum", sagt Huber. 

 
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