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Schuldneratlas veröffentlicht
Mehr als 6,9 Millionen Deutsche sind verschuldet

Schuldneratlas 2017: Mehr als 6,4 Millionen Deutsche haben Schulden
Etwa jeder zehnte Erwachsene in Deutschland kann seine Rechnung nicht bezahlen (Symbolbild). FOTO: dpa-tmn, dpa-tmn
Düsseldorf. Trotz sinkender Arbeitslosenzahlen und Konjunkturboom ist die Zahl überschuldeter Verbraucher dieses Jahr erneut gestiegen. Betroffen sind vor allem ältere Menschen. Dies geht aus dem Schuldneratlas der Wirtschaftsauskunftei Creditreform hervor.

Immer mehr Menschen in Deutschland können ihre Schulden nicht mehr bezahlen. Nach dem am Donnerstag veröffentlichten "Schuldneratlas Deutschland" der Wirtschaftsauskunftei Creditreform stieg die Zahl der überschuldeten Personen in der Bundesrepublik in diesem Jahr um rund 65.000 auf über 6,9 Millionen. Dies ist ein Anstieg um 0,9 Prozent. Insgesamt waren demnach 6,9 Millionen Menschen über 18 Jahren in Deutschland überschuldet.

Davon befänden sich rund 4,22 Millionen Menschen "in einer dauerhaften Schuldenspirale", teilte Creditreform mit. Ein Verbraucher gilt laut Creditreform als überschuldet, wenn seine zu leistenden Gesamtausgaben höher sind als seine Einnahmen und er über einen längeren Zeitraum seinen Zahlungsverpflichtungen "mit hoher Wahrscheinlichkeit" nicht nachkommen kann.

Dabei ist Überschuldung längst nicht mehr allein ein Problem der Bundesbürger mit geringem Einkommen. Im Gegenteil: In diesem Jahr stammten laut Creditreform praktisch alle neuen Überschuldungsfälle aus der Mittelschicht. Die Zahl der Fälle aus den "gehobeneren Schichten" und den "unteren Schichten" habe dagegen leicht abgenommen, berichteten die Forscher.

Arbeitslosigkeit der Hauptauslöser

Gerade für die Betroffenen aus der Mittelschicht ist es aber sehr schwer, mit den persönlichen und sozialen Auswirkungen der Überschuldung umzugehen, so das Ergebnis einer Studie der Universität Duisburg-Essen. Denn Überschuldung gelte in der Mittelschicht als Stigma. Die Folge sei häufig eine - oft aufgrund von Scham - selbst gewählte soziale Isolation der Betroffenen.

Die Gründe für den Sturz in die Überschuldung haben sich in den vergangenen Jahren aufgrund der guten Konjunktur spürbar verändert. Zwar ist nach wie vor Arbeitslosigkeit der Hauptauslöser für Überschuldungsprozesse, wie das Statistische Bundesamt herausfand. Doch ganz so dominierend wie noch vor einigen Jahren ist das Thema Arbeitsplatzverlust in Zeiten des Fachkräftemangels nicht mehr. Stattdessen gewannen in den letzen Jahren Erkrankungen, Suchtprobleme und Unfälle, aber auch unwirtschaftliche Haushaltsführung immer größere Bedeutung als Auslöser für Überschuldungsfälle.

Überdurchschnittlich stark zugenommen hat nach Angaben der Experten 2017 erneut die Altersüberschuldung. Vier von fünf neuen überschuldeten Personen seien in diesem Jahr älter als 50. Die Zahl überschuldeter Senioren im Alter ab 70 stieg sogar um rund 12 Prozent auf 194.000. Dagegen nehme die Zahl überschuldeter Personen unter 30 ab. Zwar sei Altersüberschuldung immer noch vergleichsweise selten, "aber da bewegt sich die Überschuldung hin", meinte Michael Bretz von Creditreform.

Eine immer größere Rolle bei der Überschuldungsproblematik spielen außerdem Frauen. Zwar stellen Männer insgesamt nach wie das Gros der überschuldeten Personen. Doch von den neuen Überschuldungsfällen entfielen 2017 rund 60 Prozent auf Frauen. Besonders häufig geraten alleinerziehende Mütter in die Schuldenfalle.

Große regionale Unterschiede

Das Gesamtvolumen der Schulden bezifferten die Experten auf rund 209 Milliarden Euro. Doch sind die regionalen Unterschiede nach wie vor groß. Die höchste Überschuldungsquote unter den Bundesländern verzeichnete mit knapp 14 Prozent auch 2017 Bremen, gefolgt von Sachsen-Anhalt und Berlin. Am geringsten war die Überschuldung erneut in Bayern (7,47 Prozent) und Baden-Baden-Württemberg (8,31 Prozent). 

Die Stadt mit der höchsten Überschuldungsquote war auch in diesem Jahr Bremerhaven. Ein "Hotspot" der Überschuldung sei auch das Ruhrgebiet, berichteten die Experten. Am niedrigsten lag die Verschuldung im bayerischen Landkreis Eichstätt.

Für die nahe Zukunft rechnen die Experten von Creditreform trotz weiterhin positiver konjunktureller Rahmenbedingungen nicht mit einer nachhaltigen Entspannung. Im Gegenteil: Es könne davon ausgegangen werden, "dass die Überschuldungszahlen, nicht nur in den nächsten Monaten, weiter ansteigen werden."

(ate/wer/dpa/afp)
 
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