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Studie
Was den Osten so anfällig für Rechtsextreme macht

Studie - Was den Osten so anfällig für Rechtsextreme macht
Laut der Untersuchung gibt es in Sachsen eine "Überhöhung des Eigenen, Sächsischen, Ostdeutschen, Deutschen" im Bezug auf die Flüchtlingskrise. FOTO: dapd, Patrick Sinkel
Berlin/Göttingen. Einer aktuellen Studie zufolge ist Rechtsextremismus in Ostdeutschland ein größeres Problem als im Westen. Speziell in Sachsen gibt es besorgniserregende Tendenzen. Hintergrund ist laut der Untersuchung auch die DDR-Sozialisation.

Rechtsextremismus ist im Osten ein größeres Problem als im Westen - aber nicht nur dort: Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Göttinger Instituts für Demokratieforschung. Die Bundesbeauftragte für die neuen Bundesländer, Iris Gleichke (SPD), hatte die Untersuchung in Auftrag gegeben und stellt am heutigen Donnerstag die Ergebnisse vor. Mehrere Medien berichten vorab darüber.

Rechtsextremismus werde befördert durch "Faktoren, die in Ostdeutschland stärker ausgeprägt sind", zitiert die "Bild"-Zeitung die Forscher. In Sachsen gebe es eine "Überhöhung des Eigenen, Sächsischen, Ostdeutschen, Deutschen in Bezug auf die krisenhaft wahrgenommene Aufnahme von Flüchtlingen". Nach 1989 habe es indes einen "Rechtsextremismus-Import" von West- nach Ostdeutschland gegeben, so der Bericht.

DDR-Sozialisation spielt eine große Rolle

Auch aufgrund zweier aufeinander folgender Diktaturen und der Homogenität in der DDR-Gesellschaft seien die neuen Länder besonders anfällig für extreme Tendenzen, so die "Berliner Zeitung". Demnach erklären die Autoren der Studie: "Die Sozialisation in einer buchstäblich geschlossenen Gesellschaft wie der DDR kann als ein Faktor für die Erklärung nicht stark genug betont werden." Ethnozentrische Weltbilder, die von der modernen extremen Rechten vertreten würden, seien vor allem bei älteren Befragten verbreitet, weil die Migrationspolitik der DDR auf einem solchen Prinzip basiert habe: "Völkerfreundschaft ja, aber alle Migranten sind als Gäste zu betrachten."

Es wäre jedoch "verfehlt, Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und fremdenfeindliche Übergriffe als ein primär ostdeutsches oder gar vor allem sächsisches Problem zu verorten", zitiert die Zeitung weiter. Vielmehr zeige die Untersuchung, "dass es neben spezifisch ostdeutschen Ursachen auch bedeutsame regionale Spezifika zu beachten gilt, die erst in der Summe ein Klima schaffen, in dem Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit gedeihen können".

Dazu gehört laut "Tagesspiegel" häufig ein "Kleinreden" von rechtsextremen Taten durch Politiker. "Gar nicht selten seien die Kirchgemeinden mit ihren wenigen Gläubigen die einzigen Akteure, die sich dem Rechtsextremismus entgegenstellen würden", heißt es dort.

(th/KNA)
 
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