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"Global Gladiators"
Schwindelattacken und Gefühlschaos in der Wüste

Auftakt der Promis in der Wüste
Auftakt der Promis in der Wüste FOTO: ProSieben/Richard Hübner
Düsseldorf. Big Brother trifft Dschungelcamp: Acht Promis verbringen 30 Tage in Afrika – auf engstem Raum und unter Dauerbeobachtung. Die sportlichen Herausforderungen sind dabei das kleinste Übel. Besonders Comedian Oliver Pocher teilt aus, schlägt aber auch nachdenkliche Töne an. Von Anna Lisa Lüft

Woran merkt man, dass es Sommer ist? Die Privatsender denken sich neue Reality-Formate aus und schicken C- bis Z-Promis in die Pampa, auf dass sie sich die Köpfe ein- und die Zähne ausschlagen. ProSieben hat damit in den letzten Jahren mit Formaten wie "Reality Queens" zwar nicht unbedingt große Erfolge feiern können, wagt es aber trotzdem immer wieder. Damit dieses Mal auch ja nichts schief geht, setzt man auf ein einfaches Konzept: einfach alle erfolgreichen Realityshows verbinden.

"Global Gladiators" kommt deshalb wie eine Kreuzung aus "Promi Big Brother" und "Ich bin ein Star" daher: Acht mehr oder minder bekannte Gesichter leben 30 Tage auf engstem Raum in einem 20 Quadratmeter großen und zum Wohnwagen umgebauten Frachtcontainer, der sie durch Namibia kutschiert. Dabei werden sie 24 Stunden am Tag von Kameras begleitet. Das ist der Teil, der für das Köpfe einschlagen sorgen soll.

Damit es auch wirklich zu den geplanten Streitigkeiten kommt, hat man sich sicherheitshalber Comedian Oliver Pocher und Topmodel Larissa Marolt eingeladen. Er ist als Lästermaul der Nation bekannt geworden, sie hat als Riesenzicke schon bei "Germany's Next Topmodel" und im Dschungelcamp für Querelen gesorgt. Für noch mehr Reibereien soll außerdem Lily Becker, Ehefrau von Boris und angebliche Fashion-Ikone (die aber T-Shirts mit Boris-Becker-Aufdruck trägt), sorgen.

Lily Becker ist auf Oli Pocher gar nicht gut zu sprechen, schließlich war der mal mit Boris-Ex Sandy Meyer-Wölden verheiratet und hat damals ordentlich gegen die Beckers geschossen. Diese Schiene scheint er auch weiterhin fahren zu wollen: "Die Leute werden angepisst sein, ich werde verklagt werden, aber am Ende des Tages werde ich gewinnen", gibt er gleich zu Anfang selbstbewusst zu Protokoll.

Die anderen Kandidaten sind zum Glück deutlich unauffälliger. Ex-Fußballnationalspielerin Nadine Angerer steht meistens cool in der Ecke und beäugt das Geschehen. Schauspieler Raúl Richter und Sänger Pietro Lombardi wollen gut Freund mit jedem sein und sprechen die ganze Zeit davon, ihre Grenzen auszutesten. Pietro will außerdem "einfach mal raus aus Deutschland, weg von allem", wie er sagt. Gemeint ist natürlich das Scheidungsdrama mit Sarah.

"Wir werden uns schön auf die Eier gehen"

Model Mario Galla, der wegen eines verkürzten Beines eine Prothese trägt, beweist Selbstironie, als er im Container in die Leere ruft: "Liebe Produktion, habt ihr meine andere Prothese gesehen? Das wäre ganz wichtig zu wissen." Als die anderen Promis über die Situation lachen, gibt er grinsend zurück: "Wisst ihr, wie das wirkt, wenn ihr im Fernsehen über einen Behinderten lacht? Pietros Fans gehen jetzt bestimmt auf die Barrikaden!" Und dann ist da noch Ulf Kirsten. Der von ProSieben als Legende betitelte Ex-Fußballer schwankt zwischen Flugangst, Reiseübelkeit und trockenen Feststellungen à la "Wir werden uns schön auf die Eier gehen, das sag ich euch."

Dass er damit Recht behalten soll, wird schon beim ersten Spiel deutlich. Drei Wettkämpfe, die es so auch bei "Schlag den Raab" oder dem "Duell um die Welt" zwischen Joko und Klaas geben könnte, müssen die in zwei Teams aufgeteilten Promis in dieser Woche bestreiten. Das erste trägt den schönen Namen "Heli-Darts". Die Dartsscheibe ist ein See, die Promis der Pfeil. Sie müssen aus einem 10 Meter über dem See fliegenden Heli ins Zielfeld springen und möglichst in einem Feld mit hoher Punktzahl eintauchen. Oli Pocher stachelt sein Team an, Larissa unbedingt schlagen zu müssen.

Diese ist zwar bemüht, nicht gleich wieder in die Außenseiter-Rolle zu geraten."Die größte Gefahr in Afrika bin wahrscheinlich ich", gibt sie zu. Und: "Ich bin nicht perfekt. Aber grundsätzlich bin ich ein sehr angenehmer Mensch", überlegt sie. Da tut es einem fast leid, dass sie gar nicht erst die Chance bekommt, einmal eine andere Rolle zu spielen als die des nervigen, dümmlichen Models. Aber sie lässt sich auch sofort wieder in alte Muster drängen und keift herum. Der Helikopter würde bei ihr bestimmt mehr als zehn Meter über dem See fliegen, schließlich würden sie immer alle bescheißen. "Immer Gemecker, immer Gemoser", ärgert sich Pocher. Manchmal gibt Larissa dabei derart dummes Zeug von sich, dass sogar Pietro die Augen verdreht.

Pocher schlägt leise Töne an

Man muss ProSieben lassen, dass sie die Promis nicht nur im Kampfmodus zeigen, sondern sie auch mal miteinander lachen lassen. Zum Beispiel als Larissa und Lily an den Schutz-Elektrozaun um ihren Container patschen oder als Pietro und Raúl versehentlich mit Ameisen garnierte Snacks essen. Teilweise werden sogar ernsthafte Unterhaltungen geführt. Was soll man auch sonst machen, wenn der Frachter 563 Kilometer zum nächsten Spielort fährt und man sich acht Stunden lang angeschnallt gegenüber sitzen muss?

Das sind die Lombardis

Lily erzählt, dass sie als Waise aufgewachsen ist. Pocher berichtet von seiner Kindheit bei den Zeugen Jehovas: "Mit 18 hab ich dann damit aufgehört, weil Geschlechtsverkehr und solche Sachen für mich spannender waren, als von Haus zu Haus zu gehen", scherzt er. Aber man merkt: So richtig lustig war das für ihn damals tatsächlich nicht.

Als er erzählt, dass er vom einen auf den anderen Tag seinen damaligen besten Freund nicht mehr treffen durfte, weil dessen Eltern von den Zeugen ausgeschlossen wurden, hängen die anderen Promis regelrecht an seinen Lippen. "Da hat man den Oli auch mal privat erlebt", zeigt sich Pietro beeindruckt. Viel länger möchte der Comedian seine sensible Seite aber nicht zeigen und nimmt wieder seine Rolle als Lästermaul ein. Opfer diesmal: Seine Ex-Freundin Sabine Lisicki. An der Tennis-Spielerin lässt er kein gutes Haar: Mit einer Spitzensportlerin sei er nie zusammen gewesen, und ihr Spitzname "Bum-Bum-Bine" käme nun wirklich nicht von ihren Qualitäten im Schlafzimmer.

Da geht Lily hoch: "Ich habe viel Respekt vor ihr und sie ist meine Freundin, also rede nicht so über sie!" Oli keift, Lily keift, Larissa keift – entweder aus Solidarität mit Neu-Freundin Lily oder weil sie einfach nichts anders kann. Im Gegensatz zu anderen Reality-Formaten kriegt man sich hier aber überraschend schnell wieder ein und widmet sich dem nächsten Spiel. Quad-Polo bedeutet genau das, was man vermutet: Jedes Team hat zwei Quads, auf dem jeweils ein Fahrer und ein Spieler sitzen. Der Spieler muss versuchen, den Ball mit einem Schläger im gegnerischen Team zu versenken.

Spiele werden zur Mutprobe

Alle drei Frauen haben sich als Fahrer gemeldet und heizen über das Spielfeld, als gäbe es kein Morgen mehr. Besonders Lily provoziert einen Unfall nach dem anderen und Ulf Kirsten, der hinter ihr auf dem Quad sitzt, fliegt gleich zweimal vom Quad. Blau gewinnt 4:2 – weil Pietro unerwartete Kräfte entwickelt und einen Hattrick macht. Im dritten und letzten Spiel müssen die Promis beim Spidernet-Boule an einem Seil 60 Meter zu einem Netz zurücklegen. Das Seil hängt wiederum mehr als 50 Meter über dem Boden. Dort angekommen müssen sie jeweils eine Kugel in der Farbe ihres Teams finden, sich wie bei einem Bungee-Jump in die Tiefe stürzen und dabei besagte Kugel möglichst nah an das Ziel – einen Baum – heranwerfen.

Sogar die toughe Nadine Angerer hat Bammel. "Ich scheiße mir gerade in die Hose, es gibt echt angenehmere Dinge." Während die meisten Promis noch überlegen, ob sie irre genug für diese Prüfung im größten Canyon Afrikas sind, geraten Larissa und Lily aneinander: "Wir sind hier nicht zum Picknick", stellt die Becker fest und schmeißt sich mutig als zweite Kandidatin ins Netz. Am Ende trauen sich alle bis auf Raúl Richter und Team Blau um Oliver Pocher gewinnt seine zweite Challenge und damit auch die erste Woche. Ab Woche zwei muss aus dem Verlierer-Team dann einen Kandidat eliminiert werden, bis schließlich der einzig wahre "Global Gladiator" übrig bleibt.

Die erste Folge von ProSiebens neuestem Reality-Coup lässt hoffen: Natürlich fliegen die Fetzen, natürlich werden traurige Geschichten aus der Vergangenheit offenbart, natürlich gibt es spektakuläre Spiele. Man merkt den Kandidaten aber an, dass sie sich tatsächlich auf die Herausforderung und auf Afrika freuen.

Als der Container bei der Fahrt vom einen Spielort zum anderen zum Beispiel auf der vom Regen überfluteten Straße stecken bleibt, scheinen sie sich darüber fast zu freuen. "Das ist halt Afrika, das ist Abenteuer", konstatiert Torfrau Nadine Angerer. Und das akzeptiert diesmal sogar Heulsuse Larissa.  

 
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