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Jan Böhmermann
"Frage mich, ob Kanzlerin das ganze Stück gesehen hat"

Varoufake, Schweiger...: Böhmermanns größte Aufreger
Varoufake, Schweiger...: Böhmermanns größte Aufreger FOTO: Screenshot Youtube
Düsseldorf. In der Neuauflage seiner Radioshow mit Olli Schulz bei Spotify hat sich Jan Böhmermann noch einmal zur Erdogan-Affäre geäußert. Der Komiker zeigt sich enttäuscht von der Bundesregierung.

Böhmermann hatte einige Wochen Sendepause eingelegt, nachdem die Affäre um das Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan eskaliert war. In dieser Woche meldete sich Böhmermann gleich zweifach zurück - mit seiner TV-Sendung "Neo-Magazin Royale" und mit seinem neuen Podcast "Fest und Flauschig" bei Spotify. "Fest und Flauschig" ist das Nachfolgeformat der Radio-Eins-Sendung "Sanft und Sorgfältig", Böhmermann moderiert den Podcast gemeinsam mit Musiker Olli Schulz.

Von der Bundesregierung fühlt sich Böhmermann nach eigener Aussage unverstanden. Wie bereits bekannt geworden war, hatte sich der ZDF-Moderator bei Twitter an Kanzleramtsminister Peter Altmaier gewandt, als sich die Affäre um das Schmähgedicht immer weiter zuspitzte. "Ich sage denen mal lieber sicherheitshalber bei Twitter, wie die Sache gemeint war, damit er nicht denkt, ich wollte hier Volksverhetzung betreiben", erklärt er seine Motivation. Er habe sich gedacht, die Bundesregierung wisse ja nun "wie das gemeint war", und am nächsten Tag habe sich die Kanzlerin geäußert und das Gedicht als "bewusst verletzend" bezeichnet.

"Den Vorhang aufgemacht"

Er frage sich bis heute, ob die Merkel "wirklich das ganze Stück gesehen" habe oder nur einen gekürzten Zusammenschnitt. Dass sich die Kanzlerin kritisch zu dem Gedicht geäußert habe, habe sich angefühlt, als hätte sie "den Vorhang aufgemacht in die Türkei zu diesem Bösewicht Erdogan, der dann mal seinen Zeigefinger durch diesen offenen Vorhang gesteckt und mir auf dem Kopf rumgedrückt hat, nach dem Motto, autoritär kann ich auch in Deutschland sein."

Böhmermann spricht auch kurz an, wie sich der Wirbel um das Schmähgedicht auf sein Privatleben ausgewirkt hat: "Die Luft wird dann doch ein kleines bisschen dünn, wenn abends die Polizei bei dir an der Tür klingelt und sagt, wir müssen Sie mal kurz hier rausholen, weil wir um Ihre Sicherheit besorgt sind", berichtete er in dem Podcast.

Böhmermann hatte in seiner Sendung "Neo-Magazin Royale" im April ein Gedicht vorgelesen, in dem er den türkischen Präsidenten Erdogan unter anderem als "Ziegenficker" bezeichnet hatte, nach eigenen Angaben, um zu demonstrieren, was Schmähkritik sei.

Das türkische Außenministerium hatte zuvor wegen einer Erdogan-Satire in der ZDF-Sendung "Extra 3" den deutschen Botschafter einbestellen lassen. Böhmermann drohen nun rechtliche Konsequenzen, unter anderem, weil die Bundesregierung dem Wunsch der Türkei nach einem Verfahren wegen Beleidigung von Organen und Vertretern ausländischer Staaten nachgegeben hatte.

(jco)
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