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TV-Nachlese "Menschen bei Maischberger"
Käßmann: "Mit dem Begriff 'Pack' kommen wir nicht weiter"

Sandra Maischberger: Flüchtlinge darf man nicht als "Pack" bezeichnen
"Menschen bei Maischberger" wird moderiert von Sandra Maischberger. FOTO: dpa, hka bsc sab
Düsseldorf. Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte, die Ausschreitungen von Heidenau – Sandra Maischberger diskutierte mit ihren Gästen über das Thema Fremdenfeindlichkeit. Einig waren sich alle, dass man diese Menschen nicht als "Pack" bezeichnen dürfe – und in ihrer scharfen Kritik an AfD-Politiker Alexander Gauland. Von Dana Schülbe

SPD-Chef Sigmar Gabriel war es, der im Zusammenhang mit den Ausschreitungen von Heidenau über "Pack" gesprochen hatte. Als dann Kanzlerin Angela Merkel vor Ort war, schallten ihr Rufe "Wir sind das Pack" entgegen. Genau mit dieser Begrifflichkeit leitet auch Sandra Maischberger ihren Talk zum Thema "Rückt Deutschland nach rechts?" ein, zu dem sie die Theologin Margot Käßmann, die stellvertretende CDU-Vorsitzende Julia Klöckner, Grünen-Politiker Volker Beck, AfD-Politiker Alexander Gauland, Tänzer Detelf D! Soost und Rechtsextremismus-Experte Olaf Sundermeyer eingeladen hatte.

Schnell war sich die Runde einig, dass man eben nicht von "Pack" sprechen dürfe - wohl das einzige Mal in der Sendung, dass alle Alexander Gauland zustimmten. "Das ist nicht mein Sprachgebrauch", sagte etwa Klöckner. "Mit dem Begriff 'Pack' kommen wir nicht weiter", sagte Käßmann. Gauland ging in seiner Argumentation noch weiter, sagte, man müsse unterscheiden, wer wirklich kriminelle Taten verübe und dass es viele besorgte Menschen gebe, die sich in die Ecke gedrängt fühlten. "Sie fürchten sich vor einer Überfremdung." Und das könne er verstehen angesichts der Bilder von den vielen Flüchtlingen in Budapest.

Polizei umstellt Rechte in Heidenau FOTO: ap

Beck, Klöckner und Käßmann wiederum waren sich einig in ihrem Unverständnis, dass Menschen Neonazis hinterherliefen – wie eben in Heidenau. Und Käßmann sprach immer wieder davon, wie sehr sie sich schäme, was da gerade geschehe. Für Detlef D! Soost, dessen Vater aus Ghana stammt und der selbst in der DDR aufgewachsen ist, sind die Menschen, die sich an den Ausschreitungen beteiligte, "Angsthasen", denn sie stellten sich nicht der Diskussion, sondern riefen ihre Parolen aus der Ferne und griffen nachts an.

Und schließlich griff Volker Beck auch noch die nicht anwesende AfD-Chefin Frauke Petry an. Er warf ihr wegen eines Twitter-Eintrags, in dem sie die steigenden Krankenkassenbeiträge in Zusammenhang mit den Flüchtlingsbeiträgen brachte, Volksverhetzung vor. Direkt zu dem Tweet äußern wollte sich Gauland aber nicht. Aber er wehrte sich gegen Becks Angriffe. "Es ist doch lächerlich, wenn sie jetzt sagen, das ist Hetze. Das was sie jetzt machen, ist Hetze."

Fotos: Merkel besucht Flüchtlingsheim in Heidenau FOTO: dpa, pzi

Es habe überhaupt keinen Zweck, die AfD in die rechte Ecke zu drängen, "bloß weil wir ganz deutlich sagen, eine unkontrollierte Masseneinwanderung wollen wir nicht", so Gauland weiter. Überhaupt fiel der Begriff der "unkontrollierten Masseneinwanderung" von seiner Seite immer wieder, wogegen sich alle Beteiligten wehrten. Klöckner sprach von der Arbeit der Menschen, die die Flüchtlinge registrieren, Käßmann betonte, das seien keine Massen, die da kämen.

Und immer wieder war es Beck, der Gauland und seine Partei frontal angriff. Als es etwa um fremdenfeindliche Facebook-Einträge auf AfD-Seiten ging, sagte er, dass sei ja eine schöne Arbeitsteilung: Gauland gebe den Bürgerlichen im Fernsehen, während das Fußvolk die Schmutzarbeit leiste. Unterstützung bekam er noch von Sundermeyer, für den Pegida eine "zutiefst rassistische Bewegung" ist und der "auch Herrn Gauland eine Mitverantwortung" dafür gab, dass die Stimmung so aufgeheizt ist.

Wirklich erwehren konnte sich Gauland nicht ("Ich selbst bin nicht bei Facebook"), kritisierte nur immer wieder, dass die AfD angegriffen werde, weil sie eben die Diskussion führe, die viele Menschen interessiere. Und immer wieder: "Man muss die Menschen Ernst nehmen, die Angst vor einer unkontrollierten Zuwanderung haben." Für Beck blieb da nur ein Satz zu sagen: "Herr Gauland, erzählen Sie hier nicht, Sie verstünden das Volk."

In diesem Sinne war es auch Detlef D! Soost, der deutlich machte, dass ihm die Entwicklung, wie sie in Heidenau zu sehen war, zwar Angst mache, aber "wir dürfen die Angst nicht obsiegen lassen", denn die Masse der Menschen in Deutschland sei hilfsbereit und offen in Bezug auf Flüchtlinge.

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