| 13.51 Uhr

Sandra Maischberger
Gift und Galle, AfD

Sandra Maischberger Talk: Wie radikal ist die AfD wirklich?
FOTO: Screenshot ARD
Düsseldorf. Bei Maischberger ist der Krawall programmiert. Die Moderatorin will die AfD stellen. Frauke Petry umschifft klare Antworten. Ralf Stegner schimpft und zeigt einen Steckbrief. Der Talk im Schnellcheck. Von Philipp Stempel

Darum ging's: Sandra Maischberger will festmachen, wie radikal die Alternative für Deutschland wirklich ist. Titel der Sendung: "Tabupartei AfD – Deutschland auf dem Weg nach rechts?" Zusätzlichen Zündstoff bietet der Streit um den TV-Boykott vor der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz – und die Gästeliste.

Die Runde um Frauke Petry: 

Denn hier sitzen sich Personen gegenüber, die als streitlustig bekannt sind. Neben AfD-Chefin Frauke Petry sind das SPD-Vize Ralf Stegner, das ehemalige AfD-Mitglied Hans-Olaf Henkel, der Schweizer SVP-Politiker und Journalist Roger Köppel und der Journalist Jakob Augstein. Als Experte kommt auch der Meinungsforscher Reinhard Schlinkert von Infratest dimap zu Wort.

Ralf stegner zeigte bei Maischberger einen Steckbrief mit seinem Gesicht, angeblich in Umlauf gebracht von der AfD-Jugend. FOTO: Screenshot ARD

Frontverlauf:

Die tiefe Kluft ist vorgezeichnet. Stegner und Augstein sehen die AfD am rechten Rand, der SPD-Mann will die Partei vom Verfassungsschutz beobachten lassen. Henkel hatte die Partei schon nach seinem Austritt als "Monster" tituliert. Petry und Köppel hingegen werfen den anderen vor, unangenehme Wahrheiten zu tabuisieren.

Die Stimmung:

Ist vergiftet. Ein Angriff folgt auf den anderen, oftmals geht es durcheinander, bis man kein einziges Wort mehr versteht. Dazu kommt die Polemik. Henkel spricht wieder von der NPD im Schafspelz, Stegner zeigt einen Steckbrief mit seinem Konterfei, der von der AfD-Jugend stammen soll, Petry bezeichnet den SPD-Politiker als "armes Geschöpf". Augstein bringt immer wieder seine Verachtung zum Ausdruck, etwa indem er verächtlich an die Decke schaut.

Argumente:

Kaum. Grundlage für die Diskussion geben Sätze von beispielsweise Ralf Stegner: "Ihre Argumente sind so schlecht, dass es dazu wenig Intelligenz braucht, um sich mit ihnen auseinanderzusetzen." Was die einen als Hetze brandmarken, ist für Köppel eine notwendige Auseinandersetzung mit der Wahrheit. Beispiel: Eine Schlagzeile aus Köppels Zeitung "Weltwoche" mit der Überschrift "Kosovaren schlitzen Schweizer auf." Köppel: "Weil wir solche Missstände ansprechen, haben wir in der Schweiz keine rechte Randale auf der Straße."

Wortgefecht des Abends dreht sich um Björn Höcke: 

Kennzeichnend für den Abend ist der Versuch Maischbergers, AfD-Chefin Frauke Petry darauf festzunageln, ob sie radikale Äußerungen von Parteikollegen verurteilt. Beispiele dafür hat sie reichlich anzubieten. Ob Steckbriefe, die Forderung des NRW-Vorsitzenden Marcus Pretzell, Flüchtlinge notfalls an der Grenze zu erschießen oder die absurden Auslassungen des Thüringer Fraktionsvorsitzenden Björn Höcke zur Rassenlehre.

Im Fall Höcke verläuft das dann folgendermaßen:

Maischberger: "Ist er ein Rassist?"

Petry: "Sie wissen, er ist vom Bundesvorstand dafür hart kritisiert worden."

Maischberger: "Ist er ein Rassist?"

Petry: "Die Äußerungen waren nicht akzeptabel, sie sind wissenschaftlich völliger Unsinn."

Maischberger: "Ist er ein Rassist? Das ist schon wichtig jetzt."

Petry: "Nein, wissen Sie, Herr Höcke ist sicherlich kein Rassist, seine Aussagen sind wissenschaftlich sicherlich völlig daneben gewesen." Dann wirft sie den anderen vor, die AfD auf eine einzige Person zu reduzieren. In einer demokratischen Partei gebe es eben ein breites Spektrum an Meinungen.

Satz des Abends formuliert Jakob Augstein:

"Sie sind das freundlich lächelnde Gesicht der Horden, die da durch Dresden ziehen." (Augstein zu Frauke Petry)

Erkenntnis: 

Seitdem mehrere SPD-Größen erklärt haben, sich an Talkshows mit Beteiligung der AfD nicht mehr beteiligen zu wollen, ist das Argument zu hören, man müsse sich doch den Rechtspopulisten stellen und ihre Argumente entlarven. Maischberger aber zeigt, wie schwierig das ist, wenn die Stimmung derart aufgeheizt ist. Eine Diskussion über Inhalte ist an diesem Abend nicht zu erkennen. Kein gutes Zeichen für die Demokratie.

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