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Nachlese von "Kunst des Krieges"
Flüchtlingsproblematik erreicht einmal mehr den "Tatort"

Tatort-Kritik "Kunst des Krieges": Wieder geht es um die Flüchtlingsproblematik
Adele Neuhauser als Bibi Fellner und Harald Krassnitzer als Moritz Eisner in einer Szene aus der Tatort-Folge "Die Kunst des Krieges". FOTO: dpa, skm sab
Düsseldorf. Der neueste "Tatort" thematisiert einmal mehr die Flüchtlingskrise. Diesmal im österreichischen Milieu. Die Nachlese von "Kunst des Krieges". Von Leslie Brook

Wer steckt hinter dem Fall?

Auch wenn Thomas Roth gleich im Anschluss an den "Tatort" die "Tagesthemen extra" moderierte, war er nicht der Autor des neuesten Falls. Sein Namensvetter, ein Österreicher, hat neben diversen Wiener "Tatort"-Episoden - zuletzt "Deckname Kidon" (2014) - auch viele Folgen für deutsche Reihen ("Der Kommissar und das Meer") geschrieben und inszenziert . Sein Renommee verdankt er vor allem der österreichischen Kultreihe "Trautmann". "Die Kunst des Krieges" war sein sechstes Skript für den ORF-"Tatort".

Wie wird Wien präsentiert?

Im Gedächtnis bleibt eine eher unschöne Seite Wiens: die riesigen Wohnparks am Rande der Stadt, aber auch, dass die Bordelle in teils sehr schmucken Villen im Grüngürtel der österreichischen Hauptstadt untergebracht sind.

Die Musik

DieTechno-Rhythmen von Lothar Scherpe passten hervorragend, so wirkte der Fall dynamisch.

Der traurigste Moment

Als der kleine Terrier "Percy" (was auf Österreichisch eher wie Börsi klingt) starb. Der kleine Hund wird im Lokal von Mittermeier vergiftet.

Die kenn ich doch

Unterstützung bekamen die "Tatort"-Ermittler von der ehemaligen "Soko Kitzbühel"-Kommissarin Kristina Sprenger. Als Daniela Vopelka war sie die strenge Ansprechpartnerin in Asyl- und Flüchtlingsfragen.

Der Titel

"Die Kunst des Krieges" bezieht sich auf das rund 2500 Jahre alte Buch des chinesischen Generals Sun Tzu. Bis heute gilt es als Standardwerk in Sachen Kriegsführung. Und Zuhälter Andy Mittermeier ist ein glühender Verehrer des Autors. Der Ganove hat chinesische Schriftzeichen auf seinen Fingern tätowiert und zitiert des Öfteren aus dem Buch. Sein Bodyguard ist passend dazu eine asiatische Kämpferin. Die wichtigsten Lehren: 1. "Siegen wird der, der weiß, wann er kämpfen muss und wann nicht." 2. "Man kann wissen, wie man siegt, ohne fähig zu sein, es zu tun." 3. "Säe Zwietracht zwischen deinen Feinden." 4. "Wer dir geschickt ins Gesicht schmeichelt, der ist genauso geschickt darin, dich hinter deinem Rücken schlecht zu machen." 5. "Wenn du dich und den Feind kennst, brauchst du den Ausgang von hundert Schlachten nicht zu fürchten. Wenn du dich selbst kennst, doch nicht den Feind, wirst du für jeden Sieg, den du erringst, eine Niederlage erleiden. Wenn du weder den Feind noch dich selbst kennst, wirst du in jeder Schlacht unterliegen." 6. "Greife an, wenn der Gegner unvorbereitet ist, mache einen Schachzug, wenn er es am wenigsten erwartet." 7. "Furcht ist der Gegner, der einzige Gegner."            

Entwicklung der Figuren

Bibi Fellner lebt ihr Helfersyndrom in diesem Fall aus. Sie kümmert sich zunächst um die junge Ukrainerin (Janina Rudenska), die sie sogar bei sich in der Wohnung aufnahm, und dann kurzzeitig um den kleinen Hund, der dem Toten gehört hatte. Eisner hingegen, der einsame Wolf, reagierte zunächst mürrisch auf das Verhalten seiner Kollegin, fand dann aber einen Freund in dem Terrier, in dem er Gemeinsamkeiten mit sich selbst entdeckte. Auch er läuft Bibi hinterher, witzelte der Kommissar. Dass er selbst älter wird und nicht mehr ganz so fit ist, merkte man bei der Verfolgungsjagd. Er verknackste sich bei einem Sprung den Fuß, ein guter Kniff im Drehbuch, der ihm das weitere Hinterherlaufen ersparte. 

Der beste Spruch

"Jetzt hast du schon das Auto eines Zuhälters, jetzt willst du auch noch den Hund eines Zuhälters", sagt Eisner zu seiner Kollegin Fellner, die bereits den Pontiac Firebird des inhaftierten "Inkasso-Heinzi" fährt. Er hatte einen Kurzauftritt in der Folge, als Fellner ihn im Knast besuchte und ausfragte.

Der wahre Kern

Die "Tatorte" wollen immer auch die Themen und Probleme der Gegenwart spiegeln. So beschäftigen sich in der letzten Zeit sehr viele Folgen der Reihe auf unterschiedliche Weise mit der Flüchtlingsproblematik. Hier standen die vielen illegal nach Österreich Geflüchteten und ihren skrupellosen Ausbeuter im Mittelpunkt. Frauen werden demzufolge in Lastwägen regelmäßig nach Wien gebracht, um dort als Sexarbeiterinnen oder billige Aushilfskräfte zu schuften. "Die reale Welt birgt so viele Dinge, die wir uns alltäglich nicht immer vorstellen können und vielleicht auch gar nicht vorstellen mögen, weil es oft wirklich heftig ist", sagte Krassnitzer über die Aktualität des Falles. Für Adele Neuhauser ist es eine "berührende Geschichte, die einen immer wieder auch wütend macht".

Worauf man sich freuen kann

Es war der 39. Fall für Harald Krassnitzer als Moritz Eisner, und der 14. für das Ermittlerteam Eisner/Fellner. Bald feiert der gebürtige Österreicher also mit seinem 40. Fall ein Jubiläum. "Wehrlos" ist bereits abgedreht und soll 2017 gezeigt werden.

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