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Erdbeben in Nepal
Eine Million Kinder warten auf Hilfe

Nepal: Eine Million Kinder warten nach Erdbeben auf Hilfe
Unter den Opfern des Erbebens in Nepal finden sich viele Kinder. Die Hilfe läuft schleppend an. FOTO: ap
Neu-Delhi. Nach den verheerenden Erdbeben in Nepal warten Millionen Menschen verzweifelt auf Hilfe. Die Zahl der Toten steigt auf mehr als 3900, Tausende fliehen aus der Hauptstadt Kathmandu. Hubschrauber evakuieren erste Bergsteiger. Von Christine Möllhoff

Sie wolle nur noch weg, sagt Anne Dube. Die 31-jährige Kanadierin war gerade von einer Gipfel-Besteigung des Mount Everest zurückgekehrt, als das Erdbeben sie in Nepals Hauptstadt Kathmandu überraschte. Seither schlafe sie auf dem Bordstein und habe nichts mehr gegessen, erzählt sie Reportern. "Wir haben alle Angst. Es gibt nichts mehr zu essen. Wir haben keine Informationen, was passiert." Am Flughafen warten Hunderte Ausländer auf Flüge. Es gehe zu wie "in einem Irrenhaus", berichten Touristen.

Fotos: Erdbeben zerstört Weltkulturerbe FOTO: dpa, bjw

Drei Tage nach dem schlimmsten Erdbeben seit 81 Jahren in Nepal, das große Teile des Kathmandu-Tals verwüstete, wird das Ausmaß der Katastrophe immer gewaltiger. Millionen warten verzweifelt auf Hilfe, Zehntausende sind obdachlos, viele Dörfer sind abgeschnitten. Wasser und Essen werden knapp. Verzweifelt bat die Regierung gestern erneut um Hilfe: "Wir brauchen Zelte, Trockennahrung, Decken, Matratzen und 80 verschiedene Arzneien." Auch fehlten Hubschrauber, um zu den Eingeschlossenen zu gelangen.

Derweil rollt die Hilfswelle an. Flugzeuge mit Hilfsgütern landen, Helfer aus aller Welt strömen ins Land. Die Zeit drängt. Tausende Menschen fliehen nach über 100 Nachbeben aus Kathmandu. Andere zelten im Freien, viele haben nicht mehr als eine Decke, um sich gegen Kälte und Regen zu schützen. Laut Unicef sind mindestens eine Million Kinder von dem Beben betroffen. Experten warnen vor dem Ausbruch von Seuchen.

Fotos: Erdbeben in Asien: Mount-Everest-Basislager verschüttet FOTO: afp, ras/fk

Immer weiter steigen die Opferzahlen - bis gestern Nachmittag auf mehr als 3800 Tote und über 7000 Verletzte. Fast die Hälfte Kathmandus ist zerstört. Und noch weiß niemand, wie es in den Regionen rund um Lamjung aussieht, wo das Epizentrum lag. Viele Bergdörfer sind nur aus der Luft oder durch tagelange Gewaltmärsche zu erreichen. Experten befürchten noch viel mehr Tote. "Erste Informationen sprechen von totaler oder fast totaler Zerstörung", sagt Jeremy Konyndyk von der US-Behörde für internationale Entwicklung. Auch Tausende ausländische Touristen sind in Nepal gestrandet. Fieberhaft versuchen Botschaften, ihre Staatsbürger zu lokalisieren. Viele werden noch vermisst. Am Flughafen versuchen Hunderte, einen Flug zu ergattern. Die Lage am Airport sei chaotisch, berichtet der Amerikaner Alex Diaz, der auf einen Rückflug hofft. "Es ist schlimm. Die Flüge landen und starten nicht schnell genug."

Andere Touristen packen mit an. "Als ich hörte, dass die Krankenhäuser Freiwillige brauchen, habe ich mich sofort gemeldet", erzählt Heli Camarinha (28) aus Portugal. Retter graben weiter mit bloßen Händen in den Ruinen nach Überlebenden, viele sind am Ende ihrer Kräfte. Ebenso wie die Ärzte und Schwestern, die in den Hospitälern den nicht enden wollenden Strom der Verletzten versorgen. Patienten liegen auf Matratzen auf den Straßen. "Wir stehen alle kurz vor dem Zusammenbruch", sagte Laxmi Prasad Dhakal vom Innenministerium.

Zerstörte Tempel und Paläste in Nepal FOTO: ap, BA RSI

Am Mount Everest geht der Wettlauf gegen die Zeit weiter. Dort sitzen Hunderte Bergsteiger fest. Etwa 400 sollen ausländische Kletterer sein, die sich für 20 000 bis 50 000 Euro ihren Traum erfüllen wollten, den höchsten Berg der Welt zu bezwingen. Das Beben trat eine Lawine los, die Teile des Basiscamps verwüstete, in dem sich 1000 Menschen aufgehalten haben sollen. Mindestens 19 Menschen starben, viele werden vermisst. Auch in den höheren Camps 1 und 2 sind 100 Kletterer gefangen. Die Lawine hat die Rückroute über die Eisfälle zerstört. Gestern begannen Hubschrauber, die Festsitzenden aus den höheren Camps ins Basiscamp zu evakuieren. Für die Piloten ist das aufgrund der dünnen Luft ein gefährliches Unterfangen.

Experten fürchten, dass das jüngste Beben nur der Vorbote einer schlimmeren Katastrophe sein könnte, die das Land über kurz oder lang heimsuchen werde. Schreckensszenarien halten bis zu 350 000 Tote bei einem größeren Beben für möglich. Nepal gilt als Hochrisikogebiet. Seit Jahren fordern Experten, zumindest Schulen und Krankenhäuser erdbebensicher umzubauen. Unter den zerstörten Gebäuden sind auch drei von sieben Welterbestätten in Nepal. Sie sollen wieder aufgebaut werden, sagte der Unesco-Repräsentant in Kathmandu.

Quelle: RP
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