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Bergen-Belsen
Queen setzt Zeichen gegen das Vergessen

Bergen-Belsen. Das ehemalige Konzentrationslager Bergen-Belsen gilt in Großbritannien als das Symbol für den Holocaust.

Zum Abschluss ihrer Staatsvisite hat Queen Elizabeth II. den Blick auf das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte gerichtet - und das ehemalige Konzentrationslager Bergen-Belsen besucht. In der niedersächsischen Gedenkstätte legte die britische Königin gestern Mittag einen Kranz für die Opfer des Nationalsozialismus nieder. Außerdem sprach die 89-jährige Monarchin mit Holocaust-Überlebenden sowie mit britischen Veteranen, die an der Befreiung des Lagers vor 70 Jahren beteiligt waren. Nach Angaben der britischen Botschaft war es der persönliche Wunsch der Königin, den Ort zu besuchen.

Es war der erste Besuch der britischen Königin in einem ehemaligen Konzentrationslager überhaupt. Der letzte Programmpunkt stand im Gegensatz zu den Stationen in Berlin und Frankfurt ganz im Zeichen der Stille und des Gedenkens.

Gedenkstättenleiter Jens-Christian Wagner empfing die Queen und Prinz Philip am Jüdischen Mahnmal, anschließend führte er das Paar zum Gedenkstein für Anne Frank. Einen Augenblick verweilten sie im Haus der Stille, das Besuchern die Möglichkeit zur Einkehr und Besinnung gibt.

Den Kranz legte die Königin an der Inschriftenwand nieder, die an Opfer aller Nationen erinnert. Im Gespräch mit den Zeitzeugen nahm sich die Queen viel Zeit und wirkte bewegt. Außerdem ließ sie sich von Schülern eine App demonstrieren, die zeigt, wie das Konzentrationslager einst aussah.

Über 70 000 KZ-Häftlinge und Kriegsgefangene kamen zwischen 1940 und 1945 in dem Lager in der Lüneburger Heide ums Leben. Unter ihnen war die 15-jährige Anne Frank. Auf dem Gelände stehen keine Baracken oder Wachtürme mehr. Verschiedene Mahnmale erinnern an die Opfer des Nazi-Terrors. Außerdem wurde 2007 ein Dokumentationszentrum eröffnet, in dem Zeitzeugen in Filmen von den Qualen im Lager berichten.

Der Ort hat eine besondere Bedeutung in der Erinnerungskultur im Vereinigten Königreich. Gedenkstättenleiter Wagner hatte vor dem Besuch der Queen gesagt: "Bergen-Belsen gilt in Großbritannien als das Symbol für NS-Verbrechen und den Holocaust." Britische Kriegsreporter filmten die unvorstellbaren Zustände in dem Lager, in dem bei der Befreiung am 15. April 1945 Tausende Leichen lagen.

Die 89-Jährige war seit Dienstagabend zum fünften Mal auf Staatsbesuch in Deutschland. Ihr erster war 1965. Am frühen Nachmittag starteten Elizabeth II. und Philip vom Militärflugplatz Celle aus zurück nach Großbritannien.

Mit einem Spaziergang am Brandenburger Tor hatte sich die Queen am Morgen aus Berlin verabschiedet. Um 10 Uhr verließ sie das Hotel Adlon und ging über den Pariser Platz, nahm von Kindern Blumen entgegen und plauderte mit einigen Zaungästen. Elizabeth II. wurde von Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller begleitet. Passend zum sommerlichen Wetter trug die Queen Hut und Mantel in sonnigem Gelb. Anschließend fuhren die 89-Jährige und Prinz Philip im Bentley durch das Brandenburger Tor zum Flughafen Tegel, ein Dudelsackpfeifer spielte dazu.

Der Senat berichtete anschließend, die Königin habe Müller auf dem kurzen gemeinsamen Weg auf dem Pariser Platz gefragt, wie groß Berlin sei. Müller habe ihr etwas zu Berlin als wachsender Stadt erläutert. Außerdem habe die Queen bemerkt, ihr sei aufgefallen, dass auch viele junge Leute am Rand gestanden und sie begrüßt hätten.

(dpa)
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