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Atomabkommen mit Iran
Teheraner feiern Einigung mit Autokorsos

Atomabkommen: Teheraner feiern Einigung mit Autokorsos
FOTO: dpa, at lb
Teheran. Nach dem Ende des Fastenbrechens im Ramadan gehen die Menschen in Teheran am Dienstagabend massenweise auf die Straße. Sie feiern die Stunden zuvor in Wien erzielte Einigung auf ein Abkommen zum iranischen Atomprogramm. Davon erhoffen sie sich die schrittweise Aufhebung der vom Westen gegen den Iran verhängten Strafmaßnahmen und ein Ende der Isolation ihres Landes.

Auf der die Stadt von Nord nach Süd durchquerenden Vali-Asr-Avenue hupen hunderte Autofahrer um die Wette. "Schauen Sie sich heute Abend die Straßen an", ruft strahlend eine 42-jährige Frau namens Giti. "Wir sind glücklich", fügt sie hinzu. "Vielleicht wird die Wirtschaftslage jetzt besser, vor allem für die jungen Leute." Giti selbst hat in den USA und in Kanada gelebt. Eigentlich wollte sie dorthin zurückkehren. Aber jetzt will sie im Iran bleiben, "um zu sehen, was passiert".

"Das sind großartige Neuigkeiten, weil die Wirtschaft boomen wird", sagt Behnam Arian der Nachrichtenagentur AFP auf einem Platz im Zentrum der Hauptstadt. "Wenn die Sanktionen aufgehoben werden, wird die Flugzeugflotte renoviert", sagt der 36-jährige Buchhalter. Zudem werde die Einfuhr von Medikamenten erleichtert.

Die Verhandlungen seien lang gewesen, doch würden sie nun zu engeren Beziehungen mit anderen Ländern führen. Außenminister Mohammed Dschawad Sarif habe die Positionen des Landes bei den Gesprächen mit den fünf UN-Vetomächten und Deutschland besser vertreten als seine Vorgänger, sagt Arian.

Die Nachricht von der Einigung in Wien erreicht Teheran am Nachmittag, als die Straßen wegen der Sommerhitze und des islamischen Fastenmonats Ramadan weitgehend verlassen sind. Anders als nach Verkündung des Rahmenabkommens Anfang April gibt es zunächst keine Freudenfeiern auf den Straßen. Doch am Abend, als die Hitze nachlässt und das Fasten gebrochen wird, ist das anders.

"Wenn die Welt uns als friedfertiges Land anerkennt, werden die ausländischen Investoren hereinströmen, und das wird eine positive Auswirkung auf das Leben der Leute haben", sagt Hamid Bahri. Für den 34 Jahre alten Ingenieur ist das Abkommen zum Vorteil aller. "Es gibt kein schlechtes Abkommen, weil jede Partei Nutzen daraus ziehen wird, und die Weltmächte in den kommenden Jahren ihre Interessen im Iran sichern werden", sagt Bahri.

Zudem werde das Abkommen Frieden für die Region bringen und erlauben, "Terrorgruppen" schrittweise zu besiegen, glaubt der Ingenieur. Das Abkommen werde den Weg für eine Zusammenarbeit auch in anderen Bereichen ebnen werde. Der Atomstreit mit dem Iran war bewusst von den Konflikten im Irak oder Syrien getrennt worden. Doch es besteht die Erwartung, dass das Abkommen eine Einigung in diesen Fragen erleichtert.

Ali Alisadeh betont die gegenseitige Abhängigkeit des Iran und der anderen Verhandlungspartner. "Alles ist eine Kette und wir sind alle verbunden", sagte der 42-jährige Arbeitslose und verweist auf die positiven Auswirkungen einer Aufhebung der Beschränkungen für den Handel. "Wenn eine Fabrik oder ein Modegeschäft, wie ich es hatte, wieder öffnet, werden mindestens 20 Menschen eine Arbeit erhalten und 20 Familien werden profitieren", sagt Alisadeh.

Das nach wochenlangen Verhandlungen in Wien geschlossene Abkommen sieht vor, dass die Weltmächte im Gegenzug für deutliche Einschnitte beim Atomprogramm ihre Sanktionen schrittweise aufheben. Die über die Jahre von EU, USA und UNO verhängten Strafmaßnahmen haben im Iran zum Einbruch des Ölexports und des Handels geführt. Zudem ist die Inflation stark gestiegen und der Währungskurs abgestürzt. Trotz gewisser Verbesserungen seit dem Amtsantritt von Präsident Hassan Ruhani und der Wiederaufnahme der Atomgespräche im Herbst 2013 ist die Lage schwierig.

(AFP)
 
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