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Terror in Barcelona und Cambrils
Mutmaßlicher Haupttäter auf der Flucht – Imam im Visier

Fotos: Ermittlungen nach Terror in Barcelona und Cambrils
Fotos: Ermittlungen nach Terror in Barcelona und Cambrils FOTO: afp
Madrid. Nach den Terrorattacken in Spanien konzentrieren sich die Ermittlungen Berichten zufolge auf einen Imam, bei dem es sich um den Kopf der Terrorzelle handeln könnte. Derweil ruft die Mutter des Hauptverdächtigen ihren Sohn zur Aufgabe auf.

Abdelbaki Es Satty predigte bis Juni in der Moschee der Ortschaft Ripoll und könnte für die Radikalisierung der Gruppe verantwortlich sein, wie eine Cousine des Hauptverdächtigen Younes Abouyaaqoub sagte. "Das glauben die meisten. Das waren normale Jungs. Erst als er kam, haben sie angefangen, sich mit Religion zu beschäftigen."

Ob der Geistliche überhaupt noch am Leben ist, ist aber unklar. Die Polizei entdeckte Medienberichten zufolge die sterblichen Überreste von drei Personen in den Trümmern des Hauses in Alcanar, wo sich am Mittwoch eine Explosion ereignet hatte. Die Beamten vermuten, dass die Gruppe dort Sprengstoff lagerte und ein noch größeres Attentat als das in Barcelona vorbereitete. Demnach könnte der Imam Es Satty entweder bei der Explosion ums Leben gekommen oder noch auf der Flucht sein.

Die Terrorzelle hatte nach Behördenangaben mindestens 120 Gasflaschen für "einen oder mehrere Anschläge" gehortet. Die Gasflaschen hätten sich in dm Haus in Alcanar befunden. 

Mutter appelliert an Hauptverdächtigen

Zudem verfolgen die Ermittler eine neue Spur. Sie seien sehr nah an einer Person dran, "die mit beiden Attentaten in Verbindung steht", erklärten die Ermittler am Sonntag. Welche Rolle die Person gespielt haben könnte, blieb zunächst offen. 

Die Mutter des Hauptverdächtigen des Terroranschlags von Barcelona forderter derweil ihren Sohn nach einem Medienbericht zur Aufgabe auf. Younes Abouyaaquoub solle sich der Polizei stellen, zitierte das Nachrichtenportal des katalanischen Rundfunksenders Televisió de Catalunya i Catalunya Ràdio über Twitter die Frau am Samstagabend. Der 22-Jährige Marokkaner soll sich auf der Flucht befinden und möglicherweise nach Frankreich abgesetzt haben.

Während einer Versammlung vor dem Rathaus der Kleinstadt Ripoll rund 100 Kilometer nördlich von Barcelona distanzierten sich die etwa 40 Familienangehörige sowie Bekannte der am Terroranschlag beteiligten mutmaßlichen Terroristen von den Taten. Sie trugen Plakate mit der Aufschrift "Nicht in unserem Namen". In Ripoll hatten einige der Verdächtige gewohnt.

Bekannt wurde inzwischen auch, dass mindestens einer der Tatverdächtigen Ende 2016 in Zürich gewesen sei, berichtete die Schweizer Bundespolizei am Sonntag. "Das bedeutet nicht, dass der Mann kriminell auffällig oder illegal hier war", sagte Sprecherin Catherine Maret. Bislang lasse sich keine Verbindung zu den Anschlägen in Barcelona ableiten. Die Erkenntnis, dass er im Land war, könne sich beispielsweise aus registrierten Flugpassagierdaten ergeben, sagte die Sprecherin. 

Zwölf Terroropfer noch in kritischem Zustand

Bei dem Anschlag auf der Flaniermeile Las Ramblas waren am Donnerstag mindestens 13 Menschen getötet worden. Wenige Stunden später starb zudem eine Frau in der südlich gelegenen Küstenstadt Cambrils, wo offenkundig ein weiterer Anschlag vereitelt wurde. Sie wurde von Verdächtigen auf der Flucht überfahren, die Polizei erschoss die Männer kurz darauf.

Die Ermittler gehen davon aus, dass die Attacken in Barcelona und Cambrils von einem Netzwerk von insgesamt rund einem Dutzend Verdächtigen verübt wurden. Fünf von ihnen wurden in Cambrils erschossen, vier festgenommen. Die Identität von drei weiteren ist geklärt, zu ihnen gehören Abouyaaqoub und Es Satty.

Inzwischen liegen noch 54 Terroropfer verletzt im Krankenhaus, wie die katalanischen Notfalldienste mitteilten. Zwölf Patienten seien in kritischem Zustand, 25 weitere schwer verletzt – darunter viele Ausländer. Nach Angaben des Auswärtigen Amts wurden 13 Deutsche verletzt, zwei davon lebensgefährlich. Eine der beiden Frauen sei in einem extrem kritischen Zustand.

Lesen Sie hier unseren Kommentar zu den jüngsten Terrorattacken.

(das/dpa/AFP)
 
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