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Ukraine-Krise
Tote und Verletzte bei neuen Gefechten in Ostukraine

Poroschenkos Antrittsbesuch bei Merkel und Gauck
Poroschenkos Antrittsbesuch bei Merkel und Gauck FOTO: ap
Kiew/Donezk. Die Lage in der Ostukraine spitzt sich wieder zu. Militär und prorussische Separatisten sprechen von Gewaltexzessen rund um die Uhr. Von Frieden redet kaum noch jemand. In der Region kämpfen mittlerweile über 100.000 Soldaten auf beiden Seiten.

Bei neuen Gefechten im Kriegsgebiet Ostukraine sind mindestens elf Soldaten verletzt worden. "Es gab keine Toten unter den Armeeangehörigen", sagte Militärsprecher Andrej Lyssenko am Sonntag in Kiew. Die ukrainischen Stellungen seien in der Region der Hafenstadt Mariupol am Asowschen Meer von Panzern der Aufständischen beschossen worden, sagte er.

Im Kampf gegen die Separatisten stockte die ukrainische Führung ihre Truppen im Konfliktgebiet weiter auf. Die Zahl der Soldaten sei auf bis zu 60.000 erhöht worden, sagte Präsident Petro Poroschenko in einem Fernsehinterview in Kiew. Damit habe sich das Kontingent in der Unruheregion seit Beginn einer angeordneten, aber nicht eingehaltenen Waffenruhe im Februar mehr als verdoppelt, berichteten Medien in der Ex-Sowjetrepublik am Samstag.

Fotos: Bilder von Soldaten und Zerstörung FOTO: afp, MR/RT

Die Separatisten sprachen sogar von bis zu 80.000 ukrainischen Soldaten im Donbass. Nach Angaben der Regierung in Kiew stehen der Armee etwa 40.000 von Russland unterstützte Aufständische gegenüber. Nach Darstellung von Lyssenko kam es in der Region in einzelnen Orten zu "Provokationen" auch mit Artillerie und Granatwerfern vonseiten der prorussischen Separatisten. Die Aufständischen gaben wiederum dem ukrainischen Militär die Schuld an der fortwährenden Gewalt.

Die Streitkräfte hätten schwere Waffen an die Frontlinie verlegt, sagte Separatistenführer Eduard Bassurin der Agentur Interfax zufolge. In der Stadt Horliwka sei bei nächtlichem Beschuss ein Einwohner getötet worden. Am Samstag gab es Berichte über eine getötete Frau im Donbass.

Fotos: Soldaten entkommen Debalzewe FOTO: afp, ss/tlr

Die Kampfhandlungen im Gebiet Donezk laufen nach Darstellung beider Konfliktparteien ununterbrochen weiter. Auch in der Region Luhansk kommt es demnach immer wieder zum Einsatz großkalibriger Waffen. Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hatten zuletzt von einer Verschärfung der Lage berichtet. Ein Mitte Februar in der weißrussischen Hauptstadt Minsk vereinbarter Friedensplan ist bis heute nicht umgesetzt.

Der kanadische Verteidigungsminister Jason Kenney kündigte bei einem Besuch in Kiew an, dass das Nato-Land etwa 200 Militärausbilder in die Ukraine entsenden wolle. Sein ukrainischer Amtskollege Stepan Poltorak begrüßte dies und sagte, es seien auch bereits US-Ausbilder im Einsatz, um die ukrainische Armee schlagkräftiger zu machen. Die Truppe gilt als schlecht ausgebildet und unterfinanziert. Neben den 300 US-Soldaten bilden auch Dutzende Militärangehörige anderer Nato-Staaten wie Großbritannien und Polen die ukrainische Armee aus.

Menschenrechte 2014: Die größten Konfliktherde FOTO: afp, KLC/RBZ/ljm

Der Konflikt mit der russisch geprägten Ostukraine brach im Frühjahr 2014 nach dem Sturz von Präsident Viktor Janukowitsch aus. Seit Beginn der ukrainischen "Anti-Terror-Operation" im April vorigen Jahres gegen die Aufständischen starben im Donbass mehr als 6000 Menschen.

(dpa)
 
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