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US-Präsidentschaftskandidatur
Republikaner wollen Trump stoppen - aber wie?

Fotos: Das sind die Präsidentschaftskandidaten
Fotos: Das sind die Präsidentschaftskandidaten FOTO: dpa, lws hm ase
Washington . Viele auch unter den Republikanern hielten den rasanten Aufstieg des bombastischen Milliardärs Donald Trump im US-Vorwahlkampf für ein Kurzzeit-Ereignis. Aber nachdem der Immobilienmogul nun schon seit Wochen die Schlagzeilen beherrscht, wächst der Druck auf seine innerparteilichen Rivalen, ihn zu stoppen.

So haben sie denn in den vergangenen Tagen damit begonnen, ihre Attacken gegen den Immobilienmogul und TV-Reality-Star zu verschärfen - eine Art Probelauf für eine wichtige CNN-Fernsehdebatte am Mittwochabend.

Die Diskussion in der kalifornischen Ronald-Reagan-Präsidentenbibliothek ist für mehrere Wochen die letzte Möglichkeit, einen Platz im nationalen Rampenlicht zu ergattern. Denn noch im September kommt Papst Franziskus auf Besuch in die USA, und das dürfte einige Tage lang die nationale Politik in den Hintergrund drängen. Und dann stehen im US-Kongress bald wichtige Entscheidungen über die weitere Finanzierung der Regierung an - ebenfalls ein Topthema.

Es ist zwar eine Weile hin bis zum Beginn der US-Vorwahlen, der Reigen beginnt Anfang Februar 2016 mit Parteiversammlungen im Bundesstaat Iowa. Aber dass Trump bisher einen so fulminanten Anklang findet, trotz seiner teilweise heftig umstrittenen Äußerungen, sorgt bei der republikanischen Führung und anderen Vertretern des Establishments zunehmend für Besorgnis. Sie fürchten, dass abfällige Bemerkungen über Frauen und Mexikaner den Republikanern insgesamt schaden und ihre Chancen untergraben könnten, den nächsten Präsidenten zu stellen.

Tatsächlich ist Trumps bisheriger Höhenflug verblüffend. Umfragen deuten darauf hin, dass er unter den Republikanern derzeit mehr Zuspruch hat als die drei Männer zusammen, die einst als Favoriten galten: Floridas Ex-Gouverneur Jeb Bush, Wisconsins Gouverneur Scott Walker und Senator Marco Rubio.

"Jemand muss ihn zu Fall bringen", sagte der republikanische Mitbewerber und Senator Rand Paul aus Kentucky vergangene Woche der Nachrichtenagentur AP. "Ich werde nicht schweigend zusehen und zulassen, dass die Katastrophe namens Donald Trump Spitzenkandidat wird."

Trump hat den Wahlkampf wiederholt mit ätzenden Bemerkungen angeheizt: über Kriminelle etwa, die illegal aus Mexiko in die USA strömten und Frauen, die kämen, um auf US-Boden Babys zur Welt zu bringen, denen dann die amerikanische Staatsbürgerschaft zusteht. Trump hat angekündigt, dass er als Präsident eine Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen lassen und alle schätzungsweise elf Millionen "Illegalen" ausweisen würde, um dann nur "die Guten" zurückkehren zu lassen.

Menschen mexikanischer Abstammung machen fast Dreiviertel der geschätzten 54 Millionen Latinos in den USA aus. Es ist eine rapide wachsende Bevölkerungsgruppe, die bei den vergangenen zwei Wahlen mit überwältigender Mehrheit für den Demokraten Barack Obama gestimmt hat. Die Republikaner müssen darauf bedacht sein, bei der Wahl 2016 möglichst viele von ihnen auf ihre Seite zu ziehen.

Am vergangenen Wochenende verschossen Trumps Rivalen im Vorfeld der TV-Debatte Pfeile aus einem Testköcher. "Herr Trump sagt, dass ich kein Spanisch kann", sagte etwa Bush in Miami - auf Spanisch. "Pobrecito (armer Kerl)." Carly Fiorina, über deren Gesicht sich der Immobilienmogul in einem "Rolling Stone"-Interview abfällig geäußert hatte, nannte den Großunternehmer und TV-Reality-Star einen "Entertainer". Führungskraft werde nicht dadurch bestimmt, "wie groß dein Büro, dein Flugzeug, dein Hubschrauber oder dein Ego ist".

Fiorina gehört zu den laut jüngeren Umfragen bestplatzierten elf republikanischen Bewerbern, die CNN zur Debatte am Mittwochabend eingeladen hat. Kandidaten auf den niedrigeren Rängen diskutieren gesondert in einer Art Vorprogramm zum Hauptereignis. Bei einer ersten Fox-News-Debatte im August hatte sich Fiorina nicht für den Showdown der "Großen" qualifiziert. Am Freitag war als erster der texanische Ex-Gouverneur Rick Perry, der bisher lautstärkste Trump-Kritiker im republikanischen Bewerberfeld, aus dem Rennen ausgestiegen.

Trump ist sich anscheinend sehr wohl darüber im Klaren, dass er jetzt zunehmend zur Zielscheibe wird. Hat man ihm vorgeworfen, dass er große Worte schwingt, aber kaum Details bietet, plant er am Vorabend der Debatte eine Rede zur nationalen Sicherheit und zu Veteranen-Angelegenheiten. In ein paar Wochen will er ein Programm für Steuererleichterungen vorlegen.

Aber aktuell fokussiert er sich aufs Zurückzufeuern. "Leichtgewicht Senator@RandPaul sollte sich darauf konzentrieren, in Kentucky gewählt zu werden - einem großartigen Staat, der sich seiner schämt", twitterte Trump am Wochenende.

Derweil hielt sich Obama am Montag in Iowa auf, hauptsächlich, um ein neues Programm für Hilfen bei den Studiengebühren bekanntzugeben. Der Aufenthalt gab ihm die Gelegenheit, den Blick auf Prioritäten der Demokraten zu lenken - und den Kontrast zu den zahlreichen republikanischen Bewerbern aufzuzeigen, die sich derzeit in diesem wichtigen Vorwahl-Staat die Klinke in die Hand geben.

(ap)
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