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Gedenken an Altkanzler
Junge Union trauert vor Kohls Wohnhaus

Gedenken an Altkanzler: Junge Union trauert vor Kohls Wohnhaus
Blumen, Fahnen und Kerzen liegen am Tag nach dem Tod von Helmut Kohl in Oggersheim vor seinem Haus. FOTO: dpa, tfr jhe
Ludwigshafen. Am Samstagabend haben sich im Gedenken an Helmut Kohl etwa 150 bis 200 Mitglieder der Jungen Union vor dem Wohnhaus des Altkanzlers in Ludwigshafen versammelt.

Die aus ganz Deutschland angereisten Vertreter der CDU-Nachwuchsorganisation legten Blumen, Kränze und Kerzen vor dem Bungalow im Stadtteil Oggersheim nieder. "Wir wollen unsere Trauer zeigen und Abschied nehmen", sagte der Bundesgeschäftsführer der Jungen Union, Conrad Clemens (34). Sie seien von der Todesnachricht sehr betroffen gewesen und hätten beschlossen, sich vor dem Wohnhaus Kohls zu treffen.

Die JU-Mitglieder zeigten auch Transparente. Auf ihnen stand "Danke für die deutsche Einheit", "Danke für Europa" und "Danke für Frieden und Freiheit. Ruhe in Frieden". Einige trugen Deutschland-Fahnen und Europa-Flaggen. Die meist andächtige Stille unter den Trauergästen wurde unterbrochen, als sie die deutsche Nationalhymne sangen.

Kurz nach der Trauerbekundung der Jungen Union kam Ludwigshafens Oberbürgermeisterin Eva Lohse (CDU), legte ebenfalls Blumen nieder und betrat anschließend das Wohnhaus. Auch der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann und der frühere "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann, ein langjähriger Vertrauter von Helmut Kohl, waren zuvor zu weiteren Kondolenzbesuchen gekommen.

Stiftung und Gedenkstätte geplant

Führende Berliner Christdemokraten fordern unterdessen eine Stiftung in Gedenken an Kohl. Dem "Tagesspiegel" sagte die Berliner Parteichefin Monika Grütters: "Helmut Kohl sollte durch eine Gedenkstiftung, wie es sie für andere herausragende Politiker gibt, geehrt werden". Der Bund unterhält sechs überparteiliche Politikergedenkstiftungen. Sie erinnern unter anderem an die früheren Bundeskanzler Konrad Adenauer, Willy Brandt und Helmut Schmidt. Der Bundesregierung zufolge leisten die Stiftungen "als Museen und Forschungseinrichtungen einen Beitrag zum besseren Verständnis der Geschichte Deutschlands"; sie haben ihren Sitz an Orten, "die eng mit dem Leben dieser Politiker verbunden sind".

Für Grütters, die auch Kulturstaatsministerin im Bund ist, kommt als Kohl-Gedenkort zuerst Berlin infrage. "Er war immer ein glühender Vertreter der Idee der Hauptstadt Berlin." Eine Gedenkstiftung schließt Grütters zufolge nicht aus, auch eine Straße oder einen Platz in der Hauptstadt nach dem Ex-Kanzler zu benennen: "Denn Helmut Kohls Wirken hat diese Stadt radikal verändert."

Auch SPD-Politiker wollen Straßen und Plätze nach Kohl benennen. Der frühere SPD-Vorsitzende Rudolf Scharping sagte der "Welt am Sonntag", mit seinen besonderen Verdiensten um Europa und um die Einheit der Deutschen habe Kohl es verdient, dass in Berlin und anderen Städten auch Straßen und Plätze nach ihm benannt werden.

Helmut Kohl war am Freitag im Alter von 87 Jahren gestorben. Er war von 1982 an 16 Jahre Kanzler der Bundesrepublik Deutschland.

(felt/dpa/KNA)
 
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