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Lutz Trümper
Magdeburgs Oberbürgermeister erhält Morddrohungen

Sachsen-Anhalt: Oberbürgermeister Lutz Trümper erhält Morddrohungen
Lutz Trümper (SPD), Oberbürgermeister von Magdeburg, wird von Rechts angefeindet. FOTO: dpa, jew pzi fux
Magdeburg. Während sich die Aufregung um den zurückgetretenen Bürgermeister von Tröglitz noch nicht ganz gelegt hat, muss sich Magdeburgs Oberbürgermeister Trümper gegen Morddrohungen wehren - und das mitten im Wahlkampf.

Kalt lässt es ihn nicht. Innerhalb weniger Tage erhielt Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) gleich drei Morddrohungen. Hakenkreuze oder auch SS-Runen in den anonymen Briefen zeugen von der politischen Einstellung der Urheber. "Man ist nicht unbeeindruckt", sagt Trümper, der bereits seit 2001 Oberbürgermeister in der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts ist und gerade im Wahlkampf um seine Wiederwahl an diesem Sonntag steht.

Doch einschüchtern lassen will er sich der 59-Jährige nicht. Seit Jahren engagiert er sich gegen Neonazi-Aufmärsche in der Stadt. "Ich versuche, soweit es geht, das normale Leben weiterzuleben." Das heißt Wahlkampftermine, Diskussionsrunden, zuletzt ein Treffen mit anderen Oberbürgermeistern Ostdeutschlands. Doch etwas hat sich verändert: Inzwischen wird Trümper von Leibwächtern der Polizei begleitet. Wie lange? Das entscheide das Landeskriminalamt, sagt seine Sprecherin.

Rechter Hass gegen Politiker

Anonyme Morddrohungen gegen Trümper, der Rücktritt des ehrenamtlichen Ortsbürgermeisters Markus Nierth in Tröglitz im Süden Sachsen-Anhalts wegen einer angedrohten NPD-Demo vor seinem Wohnhaus oder Drohungen von Neonazis gegen den Bürgermeister von Schöneiche bei Berlin - Politikern schlägt immer wieder rechter Hass entgegen.

In Magdeburg mit seinen rund 230.000 Einwohnern hatte es Drohungen gegen Trümper schon in Zusammenhang mit den Demonstrationen nach dem Vorbild der Dresdner Pegida-Bewegung gegeben. "Ein Baum, ein Strick, Trümper", hatte es laut Medienberichten in einem Internet-Kommentar zu einer sogenannten Magida-Demonstration geheißen, nachdem eine Statue am Ort der Demonstrationen verhüllt worden war. Als Urheber wurde ein polizeibekannter Rechtsextremist ermittelt.

Demonstrationen vor den Privathäusern von Kommunalpolitikern - das findet Trümper unerträglich. Vor mehreren Jahren seien auch einmal 30 Nazis vor seinem Wohnhaus aufgetaucht, erinnert sich der SPD-Politiker. Die Polizei habe ihn danach als Zeugen befragt, welcher Demonstrant welche Parolen gegrölt habe - für ihn ein Ding der Unmöglichkeit.

Proteste vor Wohnhäusern von Bürgermeistern dürften nicht zugelassen werden, sagt Trümper. "Das muss man verbieten." Schließlich sei das Rathaus als Ort für Demonstrationen genug. Bund und Land seien gefordert, das zu regeln.

Den Wahlkampf haben die Drohungen gegen Trümper jedenfalls nicht groß beeinflussen können. Hier geht es um Themen wie die Neugestaltung einer Straße am Hauptbahnhof, um besseren Hochwasserschutz oder auch um eine neue Brücke über die Elbe. Herausgefordert wird Trümper unter anderem von der CDU-Kandidatin Edwina Koch-Kupfer, die einst für die Linkspartei in den Landtag eingezogen war und dann zur CDU wechselte. Die Linkspartei schickte den früheren NVA-Jagdflieger Frank Theile (56) ins Rennen. Am Sonntag sollen die Wähler entscheiden.

 

Unterdessen setzt sich der zurückgetretene Bürgermeister von Tröglitz in Sachsen-Anhalt für die Einsetzung von Integrationsbetreuern ausgesprochen, um die steigende Zahl der Flüchtlinge besser zu bewältigen. Markus Nierth (parteilos) sagte der "Mitteldeutschen Zeitung" vom Freitag, zwar sei in seinem Ort ein Sozialbetreuer für die Asylbewerber vorgesehen. Benötigt werde aber auch ein "Integrationsbetreuer" als Ansprechpartner für die Bevölkerung, weil eine Sozialstruktur fehle, "in der sich Ehrenamtliche automatisch einbringen".

Der ehrenamtlich tätige Bürgermeister war vergangene Woche zurückgetreten, weil Rechtsextreme vor seinem Wohnhaus gegen die Aufnahme von Flüchtlingen in der Gemeinde demonstrieren wollten. Nierth sah sich und seine Familie vom Landratsamt und anderen Behörden nicht ausreichend geschützt und zog die Konsequenzen. Der Bürgermeister hatte zuvor versucht, wegen der geplanten Aufnahme der Flüchtlinge auch unter den Bürgern zu vermitteln. Ab Mai sollen 40 Flüchtlinge in Tröglitz untergebracht werden.

Nierths Rücktritt hatte für Bestürzung gesorgt und ihm zahlreiche Solidaritätsbekundungen eingebracht. Er sagte der "Mitteldeutschen Zeitung", dass ihn und seine Familie nun vor allem die Reaktionen vor Ort beeindruckten. Es gebe "viele, herzliche, echt gemeinte spontane Besuche, auch von Leuten, die sich sonst nicht so aus der Deckung trauen", sagte er. Sachsen-Anhalt will als Konsequenz aus dem Fall Nierth Ehrenamtliche fortan besser schützen.

(dpa/AFP)
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