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Fastenmonat
Flüchtlingsunterkünfte in NRW stellen sich auf Ramadan ein

Flüchtlingsheime in NRW stellen sich auf Ramadan 2016 ein
In Erkelenz feierten 2015 Muslime, Politiker, Vereine und Flüchtlinge das Fastenbrechen. FOTO: Jörg Knappe
Düsseldorf. Im Ramadan fasten gläubige Muslime vom Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Viele Flüchtlingseinrichtungen haben sich darauf eingestellt – mit Lunchpaketen und Nachtmahlzeiten. 

Ramadan im Juni – das bedeutet, dass Abendessen und Frühstück keine sieben Stunden auseinander liegen. Denn um den Mitsommer geht die Sonne erst gegen 22 Uhr unter und schon um fünf Uhr auf. Die Fastenden dürfen erst nach Sonnenuntergang und vor Sonnenaufgang essen. Für gläubige Muslime ist der Fastenmonat im Sommer eine Herausforderung – und auch für die zentralen Flüchtlingsunterkünfte in NRW. 

Denn die Helfer passen die Essensausgabe an die Fastenregel an. Auch in NRW. Das bestätigt eine Sprecherin des Landesverbands Nordrhein des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). In den vier Flüchtlingsunterkünften des DRK-Landesverbandes Nordrhein in Bonn, Duisburg, Orsoy und Weeze biete das DRK den Fastenden ein warmes Abendessen nach Sonnenuntergang an. Dazu erhalten sie ein Lunchpaket für das Frühstück, das sie dann vor Sonnenaufgang einnehmen können, teilte die Sprecherin mit. "Für alle anderen bleiben die Essenszeiten wie gewohnt." Auch in den Zentralen Unterbringungseinrichtungen des Landes ist man für das Thema sensibilisiert, sagt eine Sprecherin des Landesinnenministeriums. Man habe mit den Bezirksregierungen, die für die Unterkünfte zuständig sind, gesprochen.

Viele muslimische Flüchtlinge sind dafür sehr dankbar

Im islamischen Fastenmonat Ramadan stehen den Küchenteams deutscher Flüchtlingsunterkünfte Spätschichten bevor. "Wir werden von 21.30 bis 22.30 Uhr unsere Kantine extra öffnen, das Mittagessen noch einmal kochen und Lebensmittelpakete mitgeben fürs Essen vor Sonnenaufgang", sagt der Koch Ole Heldberg (28). "Viele muslimische Flüchtlinge sind dafür sehr dankbar", berichtet der stellvertretende Küchenchef der zentralen Erstaufnahme Schleswig-Holsteins in Neumünster.

Zeitweise war die Einrichtung mit 5500 Menschen eine der größten in Deutschland. Kurz vor Beginn des Ramadans in Deutschland an diesem Montag (6. Juni) sind nur rund 450 Menschen in der ehemaligen Kaserne aus der Kaiserzeit untergebracht. Wer fasten will, kann sich in seinen Hausausweis einen entsprechenden Vermerk machen lassen und darf dann spätabends in der Kantine essen. An Türen und Wände geklebte Zettel weisen darauf hin.

"Praktisch alle unsere 490 Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland mit 140.000 Flüchtlingen stellen sich auf irgendeine Weise auf den Fastenmonat ein", sagt der Sprecher des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Dieter Schütz, in Berlin. "Personell und organisatorisch ist der Aufwand dann höher." Schleswig-Holstein habe für Einrichtungsbetreiber entsprechende Flexibilität zur Auflage gemacht, betont Magdalena Drywa vom Landesamt für Ausländerangelegenheiten.

Flüchtlinge gelten als Reisende und müssen nicht unbedingt fasten

"Eigentlich müssten Flüchtlinge nicht fasten, denn sie sind quasi Reisende, und für solche gilt die Fastenpflicht nicht", erklärt Orhan Kilic, selber Muslim und Leiter der DRK-Hausbetreuung in Neumünster.
Erfahrungsgemäß faste etwa ein Drittel der Flüchtlinge, sagt der Deutschtürke, der seit 15 Jahren für das DRK arbeitet.

Auf die Frage, ob es Probleme gibt, antwortet Kilic: "Eigentlich nicht unter den Menschen, aber wegen der Abläufe. Normalerweise nutzen die Fastenden im Ramadan tagsüber jede Minute, um zu schlafen und bis zum Abend durchzuhalten. Aber in der Erstaufnahme gibt es feste Behörden- oder Arzttermine, da müssen die Flüchtlinge dann hin. Immer wieder mal bekommen Fastende einen Kreislaufkollaps."

Konflikte oder Streit zwischen Fastenden und nicht Fastenden sind laut Kilic sehr selten. Nizar Almakkawi (39), vor einem Jahr als muslimischer Flüchtling aus Syrien nach Deutschland gekommen und inzwischen DRK-Ehrenamtler in Neumünster, sagt: "Jeder fastet für sich." Er habe große Toleranz und gegenseitigen religiösen Respekt erlebt. In seiner Heimatstadt Damaskus hätten Christen und Muslime als Nachbarn aus Solidarität die jeweilige Fastenzeit der anderen Religion sogar jeweils mitgemacht.

(heif/dpa)
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