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Düsseldorf
Gülen-Bewegung erwägt eigene Moscheevereine

Düsseldorf. Die Auseinandersetzungen nach dem Putschversuch in der Türkei könnten auch Auswirkungen auf das muslimische Geistesleben in Deutschland haben: Die dem türkischen Prediger Fethullah Gülen nahestehende "Stiftung Dialog und Bildung" denkt darüber nach, eigene Moscheevereine zu gründen. Von Philipp Jacobs

"Wir diskutieren darüber", sagte Ercan Karakoyun, Vorsitzender der Stiftung, bei einer Veranstaltung in Düsseldorf. Moscheevereine könnten in größeren Städten aus einigen der bereits zur Stiftung gehörenden Kulturzentren hervorgehen, sagte Karakoyun auf Nachfrage. Diese Zentren bieten hauptsächlich Integrationskurse an, betreiben vereinzelt aber auch Koran-Schulen. Sollte man sich zu solch einem Schritt entscheiden, wolle man darauf achten, dass aus den Zentren keine klassischen Moscheen werden, sondern "religiöse Bildungseinrichtungen".

Als Grund nannte Karakoyun die heftigen Anfeindungen gegenüber Gülen-Anhängern: "Ich betrete keine Ditib-Moschee mehr." Der Islamverband Ditib betreibt in Deutschland die meisten Moscheevereine und untersteht organisatorisch der türkischen Regierung. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan macht die Gülen-Bewegung und ihr geistliches Oberhaupt Fethullah Gülen für den Putschversuch verantwortlich. Der 75-jährige Prediger lebt im Exil in den USA.

Die "Stiftung Dialog und Bildung" gilt als deutsches Sprachrohr der Bewegung. Sie hat sich nach eigenen Aussagen ausschließlich der Bildung verschrieben. In Deutschland finanziert die Bewegung rund 30 Privatschulen und 300 Wohngemeinschaften für muslimische Studenten. Kritiker werfen der Stiftung sektenähnliche Strukturen vor.

"Wir müssen der Öffentlichkeit stärker unser Islamverständnis vermitteln", sagte Karakoyun, der auch eine Teilnahme an der Deutschen Islamkonferenz nicht mehr ausschließt: Bisher sei es eine bewusste Entscheidung gewesen, dem Forum fernzubleiben. "Künftig müssen wir uns damit befassen, ob wir nicht doch mit am Tisch sitzen wollen."

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