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Persönlich
Sedat Ergin . . . verteidigt die Pressefreiheit

Im Zeitungskopf von "Hürriyet", einer der größten Tageszeitungen der Türkei und einem ihrer letzten unabhängigen Medien, befindet sich bis heute ein Foto des Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk, des Mannes also, der Sultanat und Kalifat des Osmanischen Reiches abschaffte und sein Land nach westlichem Vorbild modernisierte.

Diesem Erbe, das auch die Pressefreiheit garantiert, fühlt sich Recep Tayyip Erdogan nicht sonderlich eng verbunden. Seit seinem Amtsantritt als türkischer Staatspräsident im Sommer 2014 hat er fast 2000 Strafverfahren wegen angeblicher Präsidentenbeleidigung einleiten lassen - eines davon gegen "Hürriyet"-Chefredakteur Sedat Ergin. Der Journalist aus Istanbul ist jetzt in Bonn mit dem "Freedom of Speech Award" der Deutschen Welle ausgezeichnet worden. Dem 58-Jährigen drohen bis zu vier Jahre Haft. Zweimal wurde seine Redaktion im Herbst vergangenen Jahres von einem Mob aus Anhängern der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP angegriffen. Er selbst beschrieb die aktuelle Lage gestern so: Es könne nicht Normalität sein, dass der Chefredakteur einer großen Zeitung in einem Land, das in die EU möchte, einen Leibwächter und ein gepanzertes Auto benötige. Vor zehn Jahren, als die Verhandlungen um eine EU-Mitgliedschaft der Türkei begannen, habe er sich das nicht vorstellen können: "Was damals undenkbar war, ist nun die Realität der Gegenwart." Die Auszeichnung der Deutschen Welle nahm Ergin mit gemischten Gefühlen entgegen, mache die Verleihung doch allzu deutlich, wie beunruhigend es um die Freiheit der Presse bestellt sei. Einen mutigen Mann nannte "Bild"-Herausgeber Kai Diekmann denn auch den Preisträger in seiner Laudatio: Man dürfe nie vergessen, dass nur drei Flugstunden entfernt Journalisten alles aufs Spiel setzten - ihren Job, ihre Gesundheit, ihre Freiheit.

Martin Bewerunge

Quelle: RP
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