| 08.41 Uhr

Masar-I-Sharif
Taliban-Angriff auf deutsches Konsulat

Masar-I-Sharif. Tote und viele Verletzte nahe dem Bundeswehrlager in Nordafghanistan.

Nach einem schweren Angriff auf das deutsche Generalkonsulat in Mazar-i-Sharif sieht die Bundesregierung keinen Anlass, ihre Afghanistan-Strategie zu verändern. In der Nacht zum Freitag hatte eine unbekannte Zahl von Taliban versucht, das schwer gesicherte Gebäude in der nordafghanischen Metropole einzunehmen. Mit einer Lkw-Bombe hatten sie die fünf Meter hohe Außenmauer gesprengt und waren ins Konsulat eingedrungen. In einem langen Schusswechsel konnten sie zurückgeschlagen werden. Deutsche Diplomaten seien nicht verletzt worden, teilte das Auswärtige Amt mit.

Mindestens vier Afghanen wurden getötet, zwei davon durch Bundeswehrsoldaten, die herannahende Motorradfahrer für weitere Angreifer hielten. Diese hätten auf Warnschüsse nicht reagiert. Über 120 Menschen wurden verletzt.

Das Auswärtige Amt bildete noch in der Nacht einen Krisenstab, der unter der Leitung von Außenminister Frank-Walter Steinmeier mögliche Konsequenzen analysierte. Die rund 20 Konsulatsangehörigen wurden ins Feldlager Camp Marmal gebracht und psychologisch betreut. Das Konsulat wurde durch den Angriff so stark zerstört, dass gestern noch unklar war, ob es überhaupt wieder benutzbar gemacht werden kann. Die Taliban begründeten ihren Angriff mit einem deutschen Mitwirken an einem US-Luftangriff nahe Kundus. Die Bundesregierung verneinte eine Beteiligung.

Linke-Fraktionschef Dietmar Bartsch verlangte eine "grundsätzliche Kurskorrektur" beim deutschen Afghanistan-Einsatz. Dieser habe weder den Menschen Frieden gebracht noch den Terrorismus eingedämmt. Das Auswärtige Amt betonte, an der internationalen Hilfe für das Land werde festgehalten. Es werde aber geprüft, wie sich die Sicherheitslage der Mitarbeiter verbessern lasse.

(may-)
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