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Badminton-Profi beendet Karriere
Zwiebler geht nach der WM ohne Reue

Badminton: Marc Zwiebler geht ohne Reue
Marc Zwiebler bei den Olympischen Spielen 2012 in London. FOTO: dapd, Saurabh Das
Nach der WM in Glasgow endet die Profikarriere des besten deutschen Badmintonspielers. Ganz zurückziehen von der großen Bühne kann sich Marc Zwiebler jedoch nicht.

Beim Übergang in sein neues Leben wird Marc Zwiebler bestens gekleidet sein. Als er für seine Abschieds-WM in Glasgow packte, landeten "fast so viele Hemden wie T-Shirts" in der Badminton-Tasche des deutschen Rekordmeisters. Zwiebler ist vorbereitet: auf seine letzten Auftritte als Profi und die Feierlichkeiten danach.

Das "ein oder andere Abendessen" werde er spendieren, wenn die Jagd nach Punkten und Medaillen nach 15 Jahren in Schottland ein Ende nimmt. "Alte Freunde" sind eingeladen, langjährige Gefährten seiner Tingelei durch die Badminton-Welt, erzählte Zwiebler vor seinem Erstrunden-Match am Dienstag gegen den Amerikaner Bjorn Seguin im Gespräch mit dem SID. Und zu guter Letzt ist er selbst Gast an einer königlichen Tafel.

Prinz Edward, der Earl of Wessex und jüngster Spross der Queen, speist am kommenden Sonntag nach den Finalspielen mit den Mitgliedern der Athletenkommission des Weltverbandes BWF. Zu denen gehört seit Mai auch Zwiebler - trotz des bevorstehenden Endes seiner Karriere. "Ich möchte dabei helfen, dass die Spieler näher zusammenstehen und eine starke Gemeinschaft bilden", sagt er.

Den Rückzug aus dem Hochleistungssport hat sich Zwiebler gut überlegt, auch wenn er selbst um die Lücke weiß, die er hinterlässt. Der Europameister von 2012 und Olympiateilnehmer von Peking, London und Rio war im vergangenen Jahrzehnt das einzige Gesicht des Deutschen Badminton-Verbandes (DBV). Sportlich war er stets Vorbild, auch wenn er zugibt, "Fehler gemacht und nicht alle Ziele" erreicht zu haben.

"Mehr gewonnen und erlebt, als ich zu träumen gewagt habe"

Zwiebler verabschiedet sich dennoch "ohne Reue, weil ich mehr gewonnen und erlebt habe, als ich zu träumen gewagt hatte". Mit 33 Jahren wollte er sich den nötigen Stützpunktwechsel von Saarbrücken nach Mülheim/Ruhr nicht mehr antun, zumal er das Job-Angebot der Bonner Unternehmensberatung Recruitcon nicht ausschlagen konnte. Nebenbei betreut Zwiebler auch sein eigenes Start-Up Stringster, eine App, die bei Badminton- und Tennisschlägern die Bespannungshärte misst, und arbeitet an seinem BWL-Master.

Aus dem vielbeschäftigten Profisportler wird nach seinem letzten Ballwechsel in Glasgow der umtriebige Unternehmer. Ganz verzichten kann Zwiebler auf seine große Leidenschaft jedoch nicht. Er ist nach Bonn zurückgezogen, in die Nähe seines geliebten Rheins, und wird in der kommenden Saison für seinen Heimatklub aus dem Stadtteil Beuel in der Bundesliga aufschlagen. Zwiebler will seine Erfahrungen weitergeben, nicht nur an den wissbegierigen Nachwuchs im eigenen Verein.

Der Linkshänder mit dem einmaligen Ballgefühl hilft der deutschen U19-Auswahl bei ihrer Vorbereitung auf die WM in Yogyakarta/Indonesien im Oktober. Er steht auch seinem Kronprinzen Fabian Roth, an den er im Februar seinen deutschen Meistertitel verlor, mit Rat und Tat zur Seite, und vielleicht packt er im kommenden Jahr ein weiteres Mal die Badminton-Shirts ein. Einen allerletzten Auftritt im Nationaltrikot bei der Team-WM, dann allerdings als ambitionierter Amateur, schließt Zwiebler nicht aus.

(sid)
 
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