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Turnen
Miniwackler kosten Weltmeisterin Schäfer den Balkensieg

Pauline Schäfer: Saarländerin, Turnerin, Ex-Stabhochspringerin
Pauline Schäfer: Saarländerin, Turnerin, Ex-Stabhochspringerin FOTO: ap, GAC, ryr/GAC
Cottbus. Pauline Schäfer kann beim Turn-Weltcup in Cottbus auch weiter nicht gewinnen. Die 20-jährige Weltmeisterin aus Chemnitz scheiterte im Finale am Schwebebalken beim Turnier der Meister an der Chinesin Wang Cenyu. 

Zwei kleine Wackler waren schon zu viel: Schwebebalken-Weltmeisterin Pauline ist beim Turnier der Meister in Cottbus knapp am ersten Weltcupsieg ihrer Karriere vorbeigeturnt. Trotz einer Weltklasseübung, die mit 14,000 Punkten bewertet wurde, musste sich die Chemnitzerin Wang Cenyu aus China (14,166) hauchdünn geschlagen geben.

Die 20-Jährige ging volles Risiko, einschließlich des nach ihr benannten Schäfer-Saltos, das Publikum fieberte in atemloser Spannung mit, doch die gebürtige Saarländerin kam nicht mehr an Wang vorbei. Am Boden fügte die Sportsoldatin einen dritten Platz hinzu.

Besser machte es zum Abschluss des Traditionstturnier ihr Freund Andreas Bretschneider. Zum vierten Mal binnen vier Jahren gewann der Chemnitzer den Endkampf am Reck und verwies dabei Marvin Kimble aus den USA und den Norweger Pietro Giachino auf die Plätze zwei und drei.

"Man merkt schon, dass die Erwartungshaltung sehr, sehr hoch ist, viel höher als vorher. Ich versuche aber, es wie vor dem WM-Titel anzugehen und mir nicht zuviel Druck zu machen", sagte Schäfer, die in den vergangenen Wochen wegen vieler Verpflichtungen abseits der Turnhallen wenig Zeit zum Training hatte: "Daran gemessen lief es sehr gut."

Rang fünf beim Sprung war ein bemerkenswerter Achtungserfolg für Felix Remuta aus Unterhaching. Die gleiche Platzierung gelang am Barren dem Chemnitzer Ivan Rittschik. An diesem Gerät holte sich Ex-Europameister Marcel Nguyen (Unterhaching) Rang drei.

Bereits am Samstag hatte Elisabeth Seitz die Zuneigung des fachkundigen Publikums in Cottbus genossen. Die Olympia-Vierte am Stufenbarren gewann an ihrem Schokoladengerät die Goldmedaille und schloss damit ein anstrengendes, aber such erfolgreiches Jahr ab. Begonnen hatte es für die Stuttgarterin mit EM-Bronze im April im rumänischen Cluj-Napoca.

"Dafür, dass ich eigentlich nie hundertprozentig fit war, kann ich mich über die Ergebnisse nicht beschweren", sagte die 24-Jährige. Nun ruft ab Montag die Bundeswehr zu einem dreiwöchigen Lehrgang, 2018 soll dann wieder der Sport komplett in den Mittelpunkt rücken. Im sonntäglichen Bodenfinale kam Seitz nicht über Rang sechs hinaus.

Nur noch staunen konnten die 1550 Zuschauer in der ausverkauften Lausitz-Arena über das Turn-Phänomen Oksana Chusovitina. Mit mittlerweile 42 Jahren setzte sich die Usbekin, die von 2006 bis 2012 auch für den Deutschen Turner-Bund (DTB) an die Geräte ging, im Finale am Sprung durch. Gegen Konkurrentinnen, die ihre Kinder sein könnten.

Geredet wurde in der Lausitz auch über den Skandal im US-Turnen. Der frühere Mannschaftsarzt Larry Nassar hat mittlerweile zugeben, zahlreiche Athletinnen über Jahre hinweg sexuell missbraucht zu haben, darunter die Olympiasiegerinnen McKayla Maroney, Gabby Douglas und Alexandra Raisman.

"Für mich ist es eigentlich unvorstellbar, dass so etwas bei uns passieren kann. Ich bin davon überzeugt, dass unsere Athletinnen so aufgeklärt sind, dass sie sich sofort zur Wehr setzen würden", sagte DTB-Cheftrainerin Ulla Koch.

(dpa)
 
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