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Bayern-Trainer kündigt Abschied an
Pesic rechnet mit der Basketball-Bundesliga ab

FC Bayern München: Svetislav Pesic rechnet mit der Bundesliga ab
Svetislav Pesic hat vor laufender Kamera seinen Rücktritt angekündigt. FOTO: dpa, kne kno
München. Minutenlang machte Svetislav Pesic vor laufender Kamera seinem Ärger Luft. Wieder einmal sah sich der Serbe in der Opferrolle, doch es war ernster als sonst. "Es reicht. Zu 99 Prozent mache ich nicht weiter", sagte der Trainer von Bayern München bei telekombasketball.de und kündigte wie aus dem Nichts seinen Abschied an.

Wie wichtig dem erfahrenen Coach das Anliegen an diesem Sonntagnachmittag war, zeigte allein seine erste Aussage. "Sind wir live?", fragte Pesic, dann begann eine denkwürdige Generalabrechnung mit der Bundesliga. "Ich bin seit langem unter Kontrolle, behauptete der 66-Jährige: "Ich brauche meine Ruhe, ich will Basketball genießen."

Zum Interview war Pesic nach seinem Hallenverweis im Spitzenspiel gegen die Frankfurt Skyliners – die Bayern hatten übrigens gewonnen (78:76) – dorthin zurückgekehrt, wo er sich 40 Minuten lang zumeist nicht aufhalten darf: auf das Feld. Pesic brach unübersehbar eine Regel, als er 5:56 Minuten vor dem Ende auf ballnaher Seite die Außenlinie weit übertrat und mit ausgestrecktem Arm Anweisungen gab. Er bekam sein zweites technisches Foul und musste gehen.

Strafe überrascht Pesic nicht

Pesic, unbestritten einer der renommiertesten Trainer in Europa, weiß, was er darf – und was er nicht darf. Er stört sich daran, dass bei ihm angeblich besonders genau hingeschaut wird. "Wenn die anderen Kollegen das nicht auch ab und zu gemacht haben, dann Gratulation", meinte Pesic ironisch. Die Strafe habe ihn "überhaupt nicht überrascht".

Es gehört zu seinem Naturell, ringsherum Feinde zu vermuten. Pesic hat oft seine Probleme mit den Referees, nach dem verlorenen Finale im vergangenen Sommer gegen Bamberg wurde er wegen unsportlichen Verhaltens für ein Spiel gesperrt. Zur Ehrenrettung des früheren Bundestrainers ist aber zu sagen, dass er bei weitem nicht der einzige ist, dessen Verhältnis zu den Schiedsrichtern gestört ist. Dauerdebatten gehören leider zur Basketball-Kultur.

Bleibt die Frage, wie ernst es Pesic meint. Sein Vertrag läuft bis 2017, Sportdirektor der Bayern ist Sohn Marko. Und der kennt den Senior genau. Da es nicht das erste Mal ist, dass sich Svetislav Pesic ungerecht behandelt fühlt und umherpoltert, dürften die Verantwortlichen einigermaßen entspannt sein.

Egal, was passiert, den Bayern will Pesic die Treue halten, vielleicht aber eben nicht mehr als Trainer. Der Klub und der deutsche Basketball liegen ihm am Herzen, anders als die Bundesliga. "Wenn der FC Bayern nicht die Entscheidung getroffen hätte, eine Profi-Mannschaft zu formen, wäre ich nie im Leben noch einmal in Deutschland tätig geworden."

Nach zehn Jahren war Pesic 2012 zurückgekehrt, seitdem haben ihn seiner Ansicht nach nicht nur die Unparteiischen auf dem Kieker. Die Disqualifikation gegen Frankfurt sei von höherer Stelle bestimmt worden: "Der Technische Kommissar hat gesagt: 'Das reicht, dieser große Trainer soll bestraft werden!'"

Von der Liga hat der Erfolgstrainer – Pesic wurde mehrfach Meister in Deutschland, Spanien und Jugoslawien, dazu zweimal Europameister – wegen seiner öffentlichen Kritik nichts zu befürchten. "Wir werden aktuell nicht tätig werden", sagte BBL-Sprecher Dirk Kaiser dem Sport-Informations-Dienst.

Und so wird Pesic auch am Samstag in Bayreuth wieder an der Seitenlinie lebhaft mitgehen: "Das gehört dazu. Wir sind keine Maschinen. Wir sind Menschen."

(sid)
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