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Krefeld Pinguine
Die Gefahr der Selbstzerfleischung droht

Krefeld Pinguine: Die Gefahr der Selbstzerfleischung droht
Hier können Verteidiger Nick St. Pierre (Nr. 44) und Torwart Patrick Galbraith einen Treffer des Iserlohner Stürmers Luigi Caporusso verhindern. Nach der Niederlage geriet die Nummer 1 im Tor der Pinguine bei vielen Fans in die Schusslinie der Kritik. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Bei den Krefeld Pinguinen drücken die fünf Niederlagen in Folge bei der Mannschaft und den Fans kräftig auf das Stimmungsbarometer. Franz Fritzmeier ist als Psychologe gefordert, damit das Wir-Gefühl der Spieler nicht verloren geht. Der Trainer nimmt Torwart Galbraith in Schutz Von H.-G. Schoofs und Josef Hermanns

Hochkonjunktur für die Schwarzmaler im Krefelder Eishockey! Alle Vorschusslorbeeren, mit denen das Team der Krefeld Pinguine vor dem DEL-Start überschüttet wurden, sind verwelkt. Besonders nach der Heimniederlage gegen Iserlohn kochte die schwarze Volksseele. Im Mittelpunkt der Kritik stand Patrick Galbraith. Für viele Fans, die den König-Palast nach dem 2:4 verließen, ist der dänische Torwart keine Nummer eins. Trainer Franz Fritzmeier stellte sich hinter Galbraith: "Der Gegentorschnitt ist im Augenblick etwas zu hoch, das mache ich aber nicht an unserem Torhüter fest, da ist die ganze Mannschaft gefordert. Um ihn nach dem dritten Tor rauszunehmen, fehlen uns im Augenblick die Alternativen. Ich hoffe, dass sich Patrick Klein durch ein paar weitere Einsätze in Kassel stabilisiert und dann wieder zu einer Alternative wird. Patrick Galbraith ist auch angeschlagen ins Spiel gegangen und hat sich in den Dienst der Mannschaft gestellt. Er ist einer, der die absolute Siegermentalität hat. Dass er oben anfällig sei, kann ich nicht nachvollziehen, das belegt auch, dass nur der Schuss von Nürnbergs Steckel oben rein ging. Wir dürfen jetzt nicht in Aktionismus verfallen."Nur beim zweiten Gegentreffer schreibt der Trainer Galbraith eine Mitschuld zu.

Die Siegermentalität seines Torwarts vermisst Fritzmeier bei einem Teil der Mannschaft: "Ich spreche keinem Spieler ab, dass er nicht unbedingt gewinnen will, aber für einen Sieg musst du bereit sein, den letzten Preis zu zahlen." Er nimmt die Mannschaft in die Pflicht: "Ich weiß auch nicht, was sich einige im ersten Drittel gedacht haben. Wir wussten doch, dass Iserlohn ein angeschlagener Boxer ist und diese immer sehr gefährlich sind. Es geht nicht an, dass wir in einigen Phasen nur 80 Prozent spielen. Einige meiner Spieler glauben wohl, dass wir besser sind als wir es wirklich sind." Auch Rüdiger Noack nimmt das Team in die Pflicht: " Das Potenzial ist da, wir haben eigentlich die beste Mannschaft seit Jahren, aber das wohl nur auf dem Papier. So ist unser Ziel, einen Platz zwischen sieben und zehn, nicht zu erreichen. Ich erwarte, dass unsere Leader das Heft in die Hand nehmen und vorangehen. Von der Kritik ausnehmen möchte ich Herberts Vasiljevs, er ist trotz seiner 40 Jahre einer unserer besten Spieler."

Der Kapitän bezog unmittelbar nach dem Spiel Stellung: "Der Stand der Dinge ist im Augenblick sehr bitter. Wir haben am Wochenende wieder keine Punkte geholt. "Bei dem Potenzial, was wir in der Mannschaft haben, kann die derzeitige Platzierung nicht unser Anspruch sein. Es sind sehr viele Sachen, die wir abstellen müssen. Wir müssen von Null anfangen und mehr auf die Defensive achten. Wir geraten immer wieder in Rückstand, diese Rückstände haben uns in fast allen Spielen das Genick gebrochen. Es ist nicht einfach, aber wir müssen jetzt schnellstens punkten."

Daniel Pietta konnte sich nach dem Wochenende nicht über sein stolzes Jubiläum (600. DEL-Spiel) freuen: "Mit einem oder zwei Siegen wäre es ein schönes Jubiläum geworden. Wir haben durch individuelle Fehler wieder Gegentore bekommen, dadurch gibt es in dieser Woche wieder Gesprächsstoff, den wir uns lieber erspart hätten. Bei uns fehlte die letzte Konzentration, deshalb kommt es immer wieder zu individuellen Fehlern. Wir müssen daran arbeiten und die Fehler abstellen, ich bin davon überzeugt, dass wir das schaffen. Es ist natürlich auch Druck da, den müssen wir aber standhalten, wir sind schließlich alle Profis. Die Saison ist noch lang, und als Team werden wir es schaffen, aus dem Tief heraus zu kommen."

Doch die Chemie in der Kabine leidet zwangsläufig, wenn eine neuformierte Mannschaft zum ersten Mal mit so einer Situation umgehen muss. Hier und da war am Sonntag von Schuldzuweisungen unter den Spielern zu hören. Das ist natürlich Gift für den Teamgeist. Selbstzerfleischung ist kein Mittel, um wieder in die Erfolgsspur zu kommen. Das muss Trainer Fritzmeier verhindern. Dass seine Spieler besser sind, als es das Punktekonto ausdrückt, haben sie bewiesen.

Quelle: RP
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