| 16.40 Uhr

Formel 1
Rosberg nutzt Hamiltons Schwäche eiskalt aus

Rosberg verteilt nach Sieg in Baku Sektdusche an sein Team
Rosberg verteilt nach Sieg in Baku Sektdusche an sein Team FOTO: afp
Eiskalt, perfekt, überglücklich: Nico Rosberg hat bei der Premiere auf der "Männerstrecke" in Baku dank einer beherzten und hochkonzentrierten Leistung seinen nie gefährdeten fünften Saisonsieg gefeiert und seinem Mercedes-Stallrivalen Lewis Hamilton im WM-Titelkampf auf der schnellsten Stadtrundfahrt der Welt eine Lehrstunde in Sachen Professionalität erteilt.

Rosberg feierte seinen Start-Ziel-Erfolg beim Großen Preis von Europa vor Ferrari-Star Sebastian Vettel und dem Mexikaner Sergio Perez (Force India) mit einem beherzten Sprung in die freudestrahlende Schar seiner Mechaniker - Hamilton dagegen bezahlte den Preis für Startplatz zehn nach seinem Qualifying-Crash und Problemen beim Umgang mit Motor- und Elektronikproblemen mit Platz fünf. Rosberg ist dem Engländer im WM-Kampf damit wieder auf 24 Punkte enteilt.

"Perfektes Wochenende für mich"

"Es war unglaublich, ein perfektes Wochenende für mich", sagte Rosberg bei der Siegerehrung: "Alles ist super für mich gelaufen, vielen Dank an das gesamte Team. Ich konnte heute mit dem Auto machen, was ich wollte." Zur Situation in der WM wollte sich Rosberg nicht äußern: "Ich möchte einfach nur diesen Tag genießen."

Bilder: Rosberg feiert Baku-Sieg mit Luftsprung FOTO: afp

Hamilton haderte: "Ich hatte keine Ahnung, was es war. Es gibt 16 verschiedene Motoreinstellungen und ungefähr 200 Einstellungen am Lenkrad. Ich habe nichts gemacht, das Problem hat sich irgendwie von selbst gelöst." Wäre das früher passiert, hätte er "vielleicht an der Show teilnehmen können" sagte der Sieger der vorherigen beiden Rennen in Monaco und Kanada und schob enttäuscht nach: "Aber so konnte ich nicht wirklich Rennen fahren."

Damit gab nicht Hamilton, der ohne spezielle Vorbereitung auf den Kurs nach Baku gereist war, das Tempo an, sondern der vom Briten für seine Sicherheitsbedenken belächelte Rosberg. Nachdem er den Siegerpokal aus den Händen des autokratischen aserbaidschanischen Staatspräsidenten Ilham Alijew entgegengenommen hatte, erhielt er das volle Lob von Team-Boss Niki Lauda. "Perfektes Rennen von Nico, besser kann man es nicht machen" sagte der Ex-Weltmeister und stellte den Unterschied zwischen seinen Piloten an diesem Tag heraus: "Nico hat das früher verstellt, das war Kopf und Glück. Beim Lewis hat es einfach länger gedauert. Deswegen ist er vom Speed immer langsamer geworden. Lewis muss das Wochenende abhaken, Neustart in zwei Wochen in Spielberg."

Am ehesten folgen konnte Rosberg noch Vettel, der nach seinem zweiten Platz in Folge vollauf zufrieden war. "Ich weiß nicht, was Nico gemacht hat. Er ist einfach vorne weggezogen, ich hab ihn dann auch nicht mehr gesehen", sagte der Heppenheimer, der mit 96 Punkten seinen dritten Platz in der WM hinter Rosberg (141) und Hamilton (117) festigte: "Der zweite Platz ist mehr als das, was wir am Freitag erwarten konnten. Wir haben das Maximum rausgeholt."

Der Emmericher Nico Hülkenberg, der wegen des Rennens in Baku seinen Titel bei den gleichzeitig stattfindenden 24 Stunden von Le Mans nicht verteidigen konnte, kam im Force India auf Rang neun ins Ziel. Formel-1-Neuling Pascal Wehrlein (Worndorf) schied im Manor wegen eines Bremsdefekts nach 41 Runden aus.

Bilder: Großer Preis von Europa: das Rennen FOTO: afp

Nicht die erhoffte Dramatik

Insgesamt brachte die Jungfernfahrt auf dem 6,003 km langen Kurs am Kaspischen Meer nicht die Dramatik, die das Training und das Qualifying versprochen hatten. Am Samstag waren neben Hamilton auch Daniel Ricciardo (Australien/Red Bull) und Sergio Perez (Mexiko/Force India) spektakulär in der Mauer gelandet. Ein knappes Dutzend Fahrer verbremste sich zudem kapital.

Derartige Folgen von überhöhtem Risiko waren am Sonntag kaum zu beobachten. Dennoch verfestigte sich angesichts des anspruchsvollen Streckendesigns mit einigen Mutkurven, einem über zwei km langen Vollgasstück sowie einigen extrem engen Passagen entlang der Stadtmauer der Eindruck der letzten Tage.

"Das ist endlich mal wieder ein Kurs, der die Männer von den Buben trennt", sagte Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko bei Sky. Dies belegte nicht zuletzt auch der Formel-1-Geschwindigkeitsrekord von 378 km/h durch den Finnen Valtteri Bottas (Willams) im Qualifying.

Rosberg gewann den überraschend reibungslosen Start auf den engen Kurven in Baku. Vettel kam am Ende der fünften Runde auf der 2,2 km langen Vollgaspassage an seinem früheren Teamkollegen Ricciardo vorbei. Hamilton konnte sich beim Start nicht verbessern und musste mühsam einen Rivalen nach dem anderen überholen. Auf Position fünf war aber Schluss.

(sid)
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