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Formel 1
Hamilton rast drittem WM-Titel entgegen – Rosberg frustriert

Lewis Hamilton rast drittem WM-Titel entgegen – Nico Rosberg frustriert
FOTO: ap, RG TT
Suzuka. Lewis Hamilton hat mit seinem achten Saisonsieg in Japan einen großen Schritt in Richtung WM-Titelverteidigung gemacht. Seine deutschen Verfolger haben nur noch Mini-Chancen.

Hamilton genoss die Champagnerduschen nach seinem überlegenen achten Saisonsieg in vollen Zügen, derweil sah sein frustrierter Mercedes-Stallrivale Nico Rosberg auch die letzten WM-Chancen schwinden. "Es läuft definitiv in die falsche Richtung. Ich hätte gewinnen müssen, das hat nicht geklappt", sagte Rosberg nach seinem zweiten Platz hinter dem ungeliebten Teamkollegen in Japan.

Dabei hatte es eigentlich so gut ausgesehen für Rosberg, der sich im Qualifying am Samstag die Pole Position vor Hamilton gesichert hatte. Doch es kam alles ganz anders: Rosberg startete schlecht, und sein Versuch, den vorbeiziehenden Teamkollegen in der ersten Kurve doch noch abzufangen, scheiterte gründlich. Knallhart hielt Hamilton dagegen, keinesfalls gewillt, den Deutschen außen vorbeizulassen.

Hamilton und Vettel liefern sich wilde "Spritzschlacht" FOTO: ap, TT

Mercedes-Teamchef Toto Wolff wollte dem Weltmeister zumindest in einer ersten Reaktion keine Rücksichtslosigkeit unterstellen. "Wir müssen den Start analysieren, ich will erst die Ergebnisse abwarten, bevor ich mich da zu irgendeiner Äußerung hinreißen lasse", sagte der Österreicher bei Sky: "Grundsätzlich ist es ja so, dass es immer eine sehr stressige Situation ist, wenn zwei Teamkollegen nebeneinander in eine Kurve fahren."

Weltmeister Hamilton zog durch den 41. Triumph seiner Karriere mit dem legendären Ayrton Senna gleich und baute seine WM-Führung bei nur noch fünf ausstehenden Rennen auf komfortable 48 Punkte vor Rosberg (277:229) aus. Dritter bleibt der viermalige Champion Sebastian Vettel (218). Der Ferrari-Star besitzt nach Platz drei in Suzuka ebenfalls nur noch geringe Chancen auf den Titel.

GP von Japan 2015: das Rennen FOTO: ap, MDB

"Es ist nicht vorbei, bis es wirklich vorbei ist. Was für ein Rennfahrer wäre ich denn, wenn ich nicht mehr daran glauben würde?", sagte Vettel zwar. Realistisch gesehen, das bestätigte der viermalige Weltmeister aus Heppenheim kurz darauf, ist es allerdings "sehr, sehr schwierig", die dominierenden Silberpfeile noch abzufangen. Zumindest den zweiten Platz von Rosberg kann sich der Hesse aber bei ähnlichen Vorstellungen wie zuletzt schnappen.

Konnte Vettel Mercedes mit seinem Erfolg vor einer Woche in Singapur noch schocken, so lief in Suzuka alles wie so oft in den vergangenen eineinhalb Jahren. Nachdem Hamilton mit dem Manöver in der zweiten Kurve die Führung übernommen hatte, gab er sie im gesamten Rennverlauf nicht mehr her. "Da war schon alles vorbei", meinte Rosberg, der zwischenzeitlich sogar auf Platz vier zurückgefallen war: "Aber das geht mit unserem Auto natürlich gar nicht, der zweite Platz war dann ein bisschen wie Schadensbegrenzung." Sechster wurde Nico Hülkenberg (Emmerich) im Force-India-Mercedes.

Die wichtigsten Formel-1-Rekorde FOTO: AFP

Sowohl Rosberg als auch Vettel ("Ich habe alles versucht") mussten neidlos anerkennen, dass "der Lewis einfach ein bisschen zu schnell war". Allein Rosberg hatte im Ziel knapp 19 Sekunden Rückstand - in der Formel 1 eine Ewigkeit. Auf seiner überlegenen Siegfahrt fühlte sich Hamilton nach eigener Aussage zeitweise "wie beim Segeln. Weil es durch die Kurven richtig geflossen ist."

Hamilton fand nur schwer Worte dafür, dass er nach Grand-Prix-Siegen nun mit seinem Kindheitsidol Senna gleichgezogen hat. "Es fühlt sich total unwirklich an, ich habe ihn früher bewundert", sagte er nach dem achten Mercedes-Doppelsieg des Jahres. Vettel hatte den Brasilianer Senna in der Vorwoche mit Erfolg Nummer 42 bereits übertrumpft.

Gegen Glückwünsche zum dritten WM-Titel für Hamilton wehrte man sich kurz vor der Abreise aus Asien bei dessen Rennstall derweil noch. "Solange die WM mathematisch nicht entschieden ist, hat Nico Titelchancen", sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. Den acht Erfolgen Hamiltons stehen nach 14 Saisonläufen allerdings gerade mal drei von Rosberg und ebenso viele von Vettel gegenüber. Und in ähnlich dominanter Form wie in Japan dürfte es gegen Hamilton ohnehin kein Mittel geben.

Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene ahnt deshalb schon, was der Scuderia beim nächsten Rennen in Sotschi/Russland in zwei Wochen blüht. "Das ist eine Mercedes-Strecke. Wir müssen schon sehr, sehr viel Glück haben, damit wir sie im Kampf um den Titel noch ärgern können", sagte der Italiener, der sich zu Vettels drittem Platz nicht gratulieren ließ: "Gratulieren kann man uns, wenn wir gewinnen, Seb hat aber eine gute Leistung gezeigt."

(sid)
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