1. Bundesliga 16/17
| 16.59 Uhr

Last-Minute-Sieg
Modeste erlöst sich - und die Köln-Fans

Fotos: Kölner Modeste jubelt nach Siegtor oben ohne
Fotos: Kölner Modeste jubelt nach Siegtor oben ohne FOTO: dpa, jgu hak
Köln. Mit seinem Treffer zum Last-Minute-Sieg gegen Borussia Dortmund beendete Anthony Modeste eine elf Wochen lange Torflaute. Der Franzose erlöste sich, den 1. FC Köln und die Fans - und vertrieb ganz nebenbei die Geister seiner Vergangenheit.

Als der Knoten bei Anthony Modeste platzte, tat er dies mit dem größtmöglichen Knall. Seit elf Wochen hatte der Stürmer des 1. FC Köln nicht getroffen, die letzte Minute im letzten Spiel des Jahres lief, Borussia Dortmund war zu Gast, da richteten sich 50.000 Blicke auf den rechten Fuß des Franzosen - und plötzlich war wieder alles ganz einfach.

Ein Schuss, ein Tor, das Stadion erbebte, und die Last purzelte sichtbar von Modestes Schultern, als er sich das Trikot vom Leib riss und unter wildem Geschrei über den Rasen in Müngersdorf rannte. Der 2:1 (0:1)-Sieg der Kölner gegen den großen Favoriten in Schwarz-Gelb war vor allem für den Franzosen eine Erlösung.

"Das waren viele Emotionen. Ich kann jetzt wieder zufriedener sein, zuletzt hatte ich eine Scheißphase", sagte Modeste nach dem Spiel bloß. Er wollte nicht mehr viel sprechen, doch jeder sprach über ihn.

"Manchmal ist das Schwere doch das Einfache", sagte FC-Kapitän Matthias Lehmann angesichts der anspruchsvollen Direktabnahme nach Wochen, in denen fast gar nichts bei Modeste geklappt hatte: "Er hat ihn einfach reingehauen und wusste dann gar nicht mehr, wo er hinlaufen sollte. Und wir haben ihn alle gejagt."

Die ganze Mannschaft feierte ihren Topscorer, denn Modestes Krise hatte in den vergangenen Wochen eine besorgniserregende Eigendynamik entwickelt. Neun Treffer in den ersten neun Pflichtspielen hatte der 27-Jährige erzielt, nachdem er im Sommer von 1899 Hoffenheim an den Rhein gekommen war.

Diese Serie riss irgendwann, an sich nichts Besonderes, doch aus zwei torlosen Spielen wurden drei, vier, fünf. Und irgendwann war es das Hauptthema rund um den 1. FC Köln, der abhängig war von den Toren des Neuzugangs.

Modeste hatte ganz offensichtlich schwer an dieser Last zu tragen, die einfachsten Dinge misslangen, und erste Zweifel an ihm wurden auch in Köln laut. Denn schon für Hoffenheim hatte er vor gut zwei Jahren in den ersten Spielen fast nach Belieben getroffen und war dann doch irgendwann untergegangen - nun drohte sich die Geschichte zu wiederholen.

Dass die Selbstzweifel und die der anderen sich nun gegen Dortmund auflösten, war eine Fußball-Geschichte der Sorte "ausgerechnet". Denn erstmals seit seinem Wechsel zum FC stand Modeste am Samstag nicht in der Startelf, der Druck war einfach zu groß geworden, Trainer Peter Stöger wollte seinen Stürmer wohl schützen.

Doch vom Moment seiner Einwechslung an zeigte Modeste eine veränderte Körpersprache, war sichtlich bemüht, das Jahr positiv zu beenden und ließ seine Mannschaftskameraden wenig später jubeln. "Ich freue mich, dass er den heute reinknallt, einen besseren Zeitpunkt hätte er sich dafür nicht aussuchen können", sagte Leonardo Bittencourt.

Und für Trainer Stöger, der sich mit seinem Team über 24 Punkte in der Hinrunde freuen darf, war es ein wichtiges Signal. "Er wird ins neue Jahr starten mit dem Wissen, dass er es noch kann", sagte der Österreicher. Und das ist für den ganzen Klub eine gute Nachricht.

(ems/sid)
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