| 16.28 Uhr

Bayer-Angreifer hat Ladehemmung
Kevin allein vorm Tor

Bayer 04 Leverkusen: Kevin Volland trifft das Tor nicht mehr
In der 57. Minute zögerte Kevin Volland gegen Augsburg zu lange - Martin Hinteregger verhinderte den Treffer des Bayer-Angreifers. FOTO: dpa, mb sab
Leverkusen. Sein Einsatz stimmt immer, aber vor dem Tor klemmt es bei Kevin Volland. Eine Szene aus der Nullnummer in Augsburg war symptomatisch für das angeknackste Selbstvertrauen des Stürmers, auf den es in den nächsten Wochen besonders ankommt. Von Dorian Audersch

Es läuft die 57. Minute. Ein Fehler der Gäste im Mittelfeld bringt Kevin Volland in eine für Stürmer eigentlich ideale Ausgangslage: Der 25-Jährige läuft mit dem Ball am Fuß völlig frei auf das Tor von Marwin Hitz zu. Er hat alle Zeit der Welt, sich zu überlegen, wie er sein Team in Führung bringen will – wohlwissend, dass der Treffer gegen bis dahin konsequent verteidigende Augsburger das Spiel entscheiden könnte. Allerdings zögert der im Strafraum angekommene gebürtige Allgäuer und vertändelt die hochkarätige Chance. Der hinterhergeeilte Martin Hinteregger bringt ihn aus dem Tritt und Augsburg kann die Situation bereinigen.

Letzter Treffer am 12. Januar gegen die Bayern

Freilich ist es nicht fair, einen Angreifer nur an einer Szene zu beurteilen – und doch ist sie symptomatisch für die derzeitige Verfassung des Torjägers, der in der Hinrunde noch groß auftrumpfte. Mit zehn Treffern ist er nach wie vor der erfolgreichste Schütze der Werkself, obwohl ihm sein letztes Tor am 18. Spieltag gegen den FC Bayern München gelang. Das war am 12. Januar. Seitdem lassen sich seine Leistungen überwiegend mit der unter Personalern bedingt schmeichelhaften Formel "Er war stets bemüht" zusammenfassen.

Bayer - Augsburg: Einzelkritik FOTO: dpa, mb sab

Vollands Einsatz und Laufbereitschaft sind vorbildlich. Er hängt sich stets voll rein. Doch seine Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor hat er in den vergangenen Wochen eingebüßt, die mit der Geburt seiner Tochter Emilia am 18. März zumindest einen privaten Höhepunkt hatten. "Im Training macht er solche Bälle regelmäßig rein", sagte Trainer Heiko Herrlich mit Blick auf die Szene aus der 57. Minute. "Ich war trotzdem mit seiner Leistung einverstanden. Er hat immer seine Chancen und die werden in Zukunft auch wieder reingehen." Als ehemaliger Stürmer weiß der 46-Jährige, dass solche Durststrecken dazugehören.

Jetzt wäre für Volland indes genau der richtige Zeitpunkt, um seinen abhandengekommenen Torinstinkt wiederzufinden. Die entscheidende Phase der Saison hat begonnen. Am kommenden Montag steht das Topspiel bei RB Leipzig an (20.30 Uhr) – ein wegweisendes Duell im Kampf um die Champions League, in dem Bayer 04 nach der Pleite in Köln und dem torlosen Remis gegen Augsburg an Boden verloren hat. Doch Lucas Alario ist noch zwei Partien gesperrt, Joel Pohjanpalo ist am Sprunggelenk verletzt und bei Routinier Stefan Kießling reicht es nur noch für kurze Einsätze. Damit ist Volland im Moment der einzige voll belastbare nominelle Stürmer im Kader.

Baileys Hacke verhindert Brandts Treffer

Flügelflitzer Leon Bailey, der in den vergangenen Monaten immer wieder für wichtige Tore gut war, hatte zuletzt ebenfalls nicht mehr die nötige Durchschlagskraft. Das ist auch Julian Brandt aufgefallen, dessen vermeintlicher Führungstreffer gegen Augsburg per Videobeweis aberkannt wurde, weil Bailey den Schuss im Abseits stehend noch leicht mit der Hacke berührte (64.). "Ärgerlich" nannte der Nationalspieler das 0:0 gegen durchaus schlagbare Augsburger. Eine gefühlte Niederlage sei das Remis aber nicht.

"Leon ist ein super Spieler, aber er kann nicht in jedem Spiel unser Dosenöffner sein", betonte Brandt und warnte vor überzogenen Erwartungshaltungen an den erst 20-jährigen Jamaikaner. "Es sind jetzt auch mal andere Leute dran, wieder die Tore zu schießen." Damit ist wohl auch Teamkollege Volland gemeint. "Grundsätzlich müssen wir einfach immer so spielen, wie jetzt gegen Augsburg – nur, dass wir das Tor treffen." Bayer brauche derzeit zu viele Chancen, um zum Erfolg zu kommen. "Das liegt nur an uns – und nicht an der Spielweise der Gegner."

 
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