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Bayer Leverkusen
"Wir haben keine Trainerkrise"

Schmidt schon wieder auf die Tribüne geschickt
Schmidt schon wieder auf die Tribüne geschickt FOTO: dpa, a hpl
Leverkusen. Bei der Werkself liegt derzeit einiges im Argen, trotzdem erhält Roger Schmidt von Geschäftsführer Michael Schade und Sportchef Rudi Völler Rückendeckung. Dennoch: Um sich des stetig wachsenden Drucks zu entledigen, brauchen Trainer und Team Siege. Von Dorian Audersch

Die Schlappe im DFB-Pokal hallt bis heute nach. Bayer 04 verliert im Elfmeterschießen gegen die Sportfreunde Lotte - eine Blamage. Auch für Michael Schade bleibt das unerklärlich: "Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass eine qualitativ so gut aufgestellte Mannschaft gegen einen Drittligisten eine Führung - noch dazu in Überzahl - nicht verteidigen kann", sagt der Geschäftsführer von Bayer 04.

Zumal Lotte augenscheinlich mit den Kräften am Ende gewesen sei. "Das war eine desolate Vorstellung. Wir haben uns vor der Saison ambitionierte Ziele gesetzt. Jetzt muss man nüchtern feststellen: Eines der Ziele haben wir bereits verfehlt."

Das klingt sachlich, aber unter dem Bayer-Kreuz rumort es. Belege dafür gibt es reichlich. Es waren vor allem die Worte von Stefan Kießling, die aufhorchen ließen. Es sei die schwierigste Situation, seit er im Verein ist, sagte der Routinier. Das ist eine bemerkenswerte Aussage für jemanden, der seit rund zehn Jahren das Trikot der Werkself trägt. Er war dabei, als Michael Skibbe entlassen wurde, Bruno Labbadia den Verein in die Krise coachte und Robin Dutt scheiterte. Ein halbes Dutzend Trainerwechsel hat der 32-Jährige hinter sich. Auch Roger Schmidt wirkt inzwischen angezählt - und das liegt nicht nur an seinem unwirschen Verhalten an der Seitenlinie.

Schade gibt dem 49-Jährigen dennoch Rückendeckung: "Wir haben keine Trainer-, sondern eine Ergebniskrise", betont er. "Wir wollen den eingeschlagenen Weg mit Roger Schmidt fortsetzen. Wir sind von seiner Arbeit mit der Mannschaft nach wie vor überzeugt." Natürlich habe der Trainer auch Fehler gemacht. "Das haben wir intensiv besprochen. Nun geht es darum, eine Trendwende zu schaffen und mit positiven Ergebnissen auf den Erfolgsweg zurückzufinden."

Die Botschaft ist klar: Platz elf in der Bundesliga und das Aus in Runde zwei des DFB-Pokals sind aller Treueschwüre zum Trotz zu wenig. Auch in der Champions League ist die Lage nach drei Remis in der Gruppe schwierig. Mit dem Getöse um seinen (wiederholten) Wutausbruch hat der Coach der Werkself weiteres Öl ins Feuer gegossen. "Wir haben im Moment eine schlechte Außenwirkung", sagt Schade. "Die Kommentare sind teilweise aber auch überzogen. Es liegt an uns, das durch Leistung zu korrigieren." Nichts sei im Fußball so überzeugend, wie gute Ergebnisse. Das habe der furiose Endspurt in der vergangenen Saison bewiesen.

Ein Blick in die sozialen Netzwerke mag nicht repräsentativ sein, aber er hilft, ein Gefühl für die derzeitige Stimmung im Umfeld zu erhalten. Die Kommentare der Fans werden schärfer. "Roger raus!" ist häufiger unter Artikeln über die Werkself zu lesen, vor allem bei Facebook. Aber es gibt auch einige, die sich für Schmidt und seinen Stil aussprechen. Der Trainer polarisiert.

Nun richtet sich der Fokus auf die kommenden Aufgaben. "Wolfsburg und Tottenham sind zwei sehr wichtige Spiele, die maßgeblich darüber entscheiden, welche Saisonziele wir erreichen können. Da gibt es kein Vertun", betont Schade und nimmt damit Mannschaft und Trainer in die Pflicht. Als Frist für Schmidt will er das aber nicht verstanden wissen, betont er: "Wir wissen, was wir an unserem Trainer haben."

Rudi Völler stößt ins gleiche Horn. "Er bleibt unser Trainer, selbst wenn wir in Wolfsburg verlieren", ließ der Sportchef verlauten.

Auf der Bank wird Schmidt das Spiel gegen den VfL nicht erleben. Er ist noch gesperrt. Morgen (15.30 Uhr) treffen sich in der Volkswagen-Arena zwei akut kriselnde Klubs, die mit großen Ambitionen in die Saison gestartet waren und ihren Ansprüchen weit hinterher hinken. Wer dieses Spiel verliert, braucht sich mit dem oberen Tabellendrittel mittelfristig nicht mehr beschäftigen.

"Wir können in drei Wettbewerben einen großen Schritt nach vorne machen", sagte Schmidt vor dem DFB-Pokalspiel mit Blick auf Lotte, Wolfsburg und Tottenham. Allerdings ist sein Team schon beim ersten Schritt böse gestolpert. Einmal mehr steht eine Woche der Wahrheit an. Zuletzt war das Ende September der Fall. Nach Siegen in Mainz und gegen Dortmund sowie dem 1:1 in Monaco schien die Wende zum Guten geschafft. Gerade der 2:0-Erfolg gegen den BVB zeigte, wozu Mannschaft und Trainer in der Lage sind. Danach ging es allerdings erneut bergab - bis zum jüngsten Tiefpunkt in Lotte. "Für beide Vereine ist das morgen ein extrem wichtiges Spiel", weiß auch Schade. "Das gibt der Partie eine besondere Brisanz."

Quelle: RP
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