1. Bundesliga 16/17
| 19.23 Uhr

Bald wieder Bayern-Präsident
Hoeneß kommt als starker Mann zurück

Hoeneß sieht Bayern-Sieg gegen Galatasaray
Hoeneß sieht Bayern-Sieg gegen Galatasaray FOTO: dpa, kno
München/Düsseldorf. "Das war's noch nicht", sagte Uli Hoeneß, als er sich vor zwei Jahren beim FC Bayern zurückzog und seine Haftstrafe antrat. Im Herbst könnte wieder alles so werden, wie es vor Hoeneß' Verurteilung als Steuerhinterzieher war. Von Robert Peters

Es ist ein kühler Freitag Anfang Mai 2014. Auch im sogenannten Audi-Dome, in dem die Basketballer von Bayern München ihre Heimspiele austragen, fröstelt es so manchen. Denn ein Hauch von Götterdämmerung liegt über der außerordentlichen Hauptversammlung des Vereins Bayern München.

Es ist die Abschiedsvorstellung von Uli Hoeneß. Der frühere Manager und Präsident hat vor sieben Wochen seine Ämter im Klub niedergelegt, weil er eine Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung verbüßen muss. Er gesteht einen "Riesenfehler", ehe die Versammlung Karl Hopfner zu seinem Nachfolger wählt. Und er erhält großen Beifall und "Uli-Uli"-Sprechchöre, als er zum Abschied in den Saal ruft: "Ich werde für alles geradestehen. Und wenn ich zurück bin, werde ich mich nicht zur Ruhe setzen. Das war's noch nicht."

Mit 64 Jahren immer noch bei 100 Prozent

Seit Montag ist er wieder zurück. Die ursprünglich auf dreieinhalb Jahre festgesetzte Strafe ist nach einem Beschluss des Landgerichts Augsburg nach der Hälfte verbüßt. Und Hoeneß ist entschlossen, sich mit 64 Jahren und voller Kraft wieder seinem Lebenswerk zu widmen. Er hat den FC Bayern als Manager zum führenden Fußballunternehmen in Deutschland und den Klub zu einem der größten und profitabelsten in der Welt gemacht. Nun will er ihn wieder als Präsident führen. Das hat er gestern angekündigt.

Im November wird er sich erneut zur Wahl stellen. Sein langjähriger Mitstreiter Karl Hopfner hat den Weg dafür freigemacht. Er hatte schon vor zwei Jahren bei der Amtsübernahme voller Ergebenheit erklärt: "Lieber Uli, du hast eine tolle Familie, aber auch eine Familie hier im Klub, die zu dir steht. Für die bevorstehende schwierige Zeit wünschen wir dir Kraft. Du kannst danach selbst entscheiden, was du machst." Eine etwaige Kampfkandidatur gegen seinen Freund Hoeneß hat Hopfner auch in den nächsten Jahren ausdrücklich ausgeschlossen.

Hopfner bleibt sich treu. Er werde bei der Mitgliederversammlung im Herbst nicht antreten. Darauf habe er sich mit Hoeneß "bei sehr angenehmen Gesprächen einvernehmlich" verständigt, teilt der Verein offiziell mit.

Hoeneß wird sich natürlich nicht mit der Rolle des repräsentierenden Präsidenten zufrieden geben. Er will ebenso wie vor seiner Haftstrafe zugleich mit dem Amt des Vereinsvorsitzenden wieder den Part des Aufsichtsrats-Chefs im Konzern Bayern München übernehmen. Die Zustimmung der Mitglieder zu diesem Plan gilt als sicher. Hoeneß kommt als starker Mann zurück.

Uli Hoeneß und der FC Bayern brauchen sich

Das ist nicht unbedingt eine Sensation. Große Figuren im Klub hatten sich in jüngerer Vergangenheit dafür stark gemacht. Franz Beckenbauer, der Ehrenpräsident, sagte seinem Lieblingsblatt "Bild": "Der FC Bayern braucht Uli Hoeneß – und Uli Hoeneß den FC Bayern. Auch in einem funktionierenden Verein sollte man nicht auf die Erfahrung von Uli verzichten. Er ist immer mit Herzblut bei der Sache."

Das bezweifeln nicht mal seine Gegner, von denen es selbst im Verein paar geben soll. Karl-Heinz Rummenigge, der andere starke Mann im Klub, klingt zumindest ein bisschen distanziert, wenn er sagt: "Alles in allem hat der FC Bayern die Zeit ohne Uli gut bewältigt." Rummenigge hatte den zwischenzeitlichen Abschied des Patrons als Chance betrachtet, den Klub von Hoeneß zu emanzipieren.

Diese Aussicht wiederum hat jenen gefallen, die im FC Bayern in erster Linie ein gut funktionierendes Sport-Unternehmen sehen wollen. Andere argwöhnten, dass aus der von Hopfner in seiner Antrittsrede vor gut zwei Jahren beschworenen Münchner Vereinsfamilie nun ganz schnell eine kühl organisierte Firma werden könnte.

Das wäre zumindest nicht im Sinne des Erfinders. Und als Erfinder des FC Bayern München sieht sich Hoeneß. Er hat jedes Recht dazu. Als er Manager wurde, war der heutige Abo-Meister in einer schweren wirtschaftlichen Krise. Hoeneß hat den Aufschwung maßgeblich bewirkt, und er steht für eine Klubkultur, in der sich Mitarbeiter und Fußballer aufgehoben fühlen. Es ist kein Wunder, dass Franck Ribéry die bevorstehende Rückkehr des Patrons besonders lautstark bejubelt. "Uli ist das Herz des Vereins", sagt der Franzose. Er erinnert sich sicher, wie er viele Abende auf der Couch im Wohnzimmer der Familie Hoeneß am Tegernsee zugebracht hat, als ihm der für einen eher angenehmen Umgang nicht gerade berüchtigte Trainer Louis van Gaal das Leben schwermachte. Hoeneß kümmerte sich um den äußerlich manchmal so ruppigen, innerlich aber hauchzarten Franzosen.

Und der ist nicht der Einzige, dem sich der einstige und bald wieder amtierende Präsident voller Hingabe widmete. Es gibt keinen ehemaligen oder langjährigen Bayern-Spieler, der nicht die menschlichen Qualitäten des Funktionärs Hoeneß preist. Das mag vielen Fußball-Geschäftsleuten ein wenig wie aus der Zeit gefallen vorkommen. Und das ist es wohl auch. Hoeneß' Führungsstil ist altmodisch und für seine Mitmenschen dann nicht einfach, wenn sie ihn nicht als oberste Instanz anerkennen wollen. Noch sind solche Menschen beim FC Bayern in der Minderzahl. Ob das Rummenigge gefällt, ist nicht heraus.

(jaso/pet)
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