1. Bundesliga 16/17
| 12.17 Uhr

Nationalspieler hat sich verzockt
Gündogan und der BVB werden zur Zweckgemeinschaft

Porträt: Das ist Ilkay Gündogan
Porträt: Das ist Ilkay Gündogan FOTO: afp
Dortmund. Ilkay Gündogan hatte den Wechsel zu einem europäischen Top-Klub im Visier. Doch nun scheint der Nationalspieler sogar seinen Vertrag bei Borussia Dortmund verlängern zu wollen.

Es ist sicherlich keine "Echte Liebe". Dem wechselwilligen Ilkay Gündogan dürfte der Klub-Slogan ziemlich egal sein, sollte er aller Pläne und Prognosen zum Trotz auch in der nächsten Saison bei Borussia Dortmund spielen. Und alles spricht dafür, dass das Pokal-Finale am 30. Mai nicht sein letzter Auftritt in schwarz und gelb war. Nach dem ernüchternden Versuch, den nächsten Karriereschritt bei einem europäischen Spitzenklub zu absolvieren, ist nunmehr sogar eine Verlängerung von Gündogans Vertrag über 2016 hinaus nicht mehr ausgeschlossen.

Das sei "ganz klar eine Option", bestätigte Ilhan Gündogan, Onkel und Spielerberater des Mittelfeldstrategen, der Süddeutschen Zeitung. Klub-Boss Hans-Joachim Watzke, der noch im April nach Gündogans Ablehnung einer BVB-Offerte fast trotzig einen Verbleib ausschloss, um zumindest noch eine stolze zweistellige Ablösesumme zu kassieren, sieht inzwischen eine "gewisse Wahrscheinlichkeit", dass der Nationalspieler den Borussen erhalten bleibt.

Schon in einem Interview mit dem SID Anfang Mai hatte Gündogan einen Verbleib bis Sommer nächsten Jahres nicht ausgeschlossen. "Dass ich meinen Vertrag nicht verlängere, heißt nicht zwangsläufig, dass ich im Sommer weg bin", ließ er wissen. Doch Angebote anderer Klubs blieben seither aus.

Gündogan und die Borussia – das bliebe eine Zweckgemeinschaft. Ein Imageschaden bei den BVB-Fans könnte ausgeschlossen werden. Ohnehin hat der 24-Jährige nie schwülstige Treuebekenntnisse formuliert, stets mit offenen Karten gespielt. Doch nun scheint er sich verzockt zu haben. Nichts wurde aus dem Wechsel zum Rekordmeister Bayern München, weil man sich nicht einig wurde, nichts aus seinem Traum FC Barcelona.

Fotos: Gündogans Handspiel im Strafraum wird nicht geahndet FOTO: afp, ej

Nach Informationen der SZ hat Gündogan aus seinem Urlaub in Asien inzwischen Kontakt mit dem neuen BVB-Trainer Thomas Tuchel aufgenommen. Unter dem Nachfolger von Jürgen Klopp erhofft sich Gündogan einen weiteren Schritt zu alter Weltklasseform, die ihn zu einem Objekt der Begierde machte, bevor ihn eine Rückenverletzung für 14 Monate aus dem Verkehr zog. Seit seinem Liga-Comeback im Oktober vergangenen Jahres kämpft sich Gündogan Prozent für Prozent an einstiges Niveau heran. Erreicht hat er es längst noch nicht.

Immerhin ermöglichte Dortmund dem gebürtigen Gelsenkirchener mit türkischen Wurzeln durch eine Vertragsverlängerung während der Verletzungspause um ein Jahr das Comeback. Doch der Plan seines Beraters, die Folgezeit als Werbetour für den großen Coup zu nutzten, ging bislang nicht auf.

Seit vier Jahren spielt Gündogan nunmehr für den BVB. 2011 war er für eine Ablösesumme von vier Millionen Euro vom 1. FC Nürnberg zum BVB gewechselt. Unter Klopp reifte er zum Nationalspieler, holte 2012 mit Dortmund das Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal. Ein Jahr später stand er mit den Borussen im deutschen "Wembley"-Endspiel der Champions League, verlor jedoch 1:2 gegen Bayern München. Gündogan erzielte per Strafstoß den einzigen Dortmunder Treffer.

Bis zu diesem Zeitpunkt schon hatte der exzellente Techniker seinen Marktwert erheblich gesteigert. Nicht zuletzt zur Freude des Zweitligisten VfL Bochum. Denn der kassiert als Ausbildungsklub bei einem Transfer ins Ausland fünf Prozent der Ablösesumme. Doch auf diesen Geldregen scheint der Dortmunder Revier-Nachbar nunmehr noch ein wenig warten müssen.

(sid)
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