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Borussia Mönchengladbach
Ein Königreich für Grautöne

Einzelkritik: Kaum einer besser als Note 4
Einzelkritik: Kaum einer besser als Note 4 FOTO: Dirk Päffgen
Meinung | Mönchengladbach. Noch wandelt Borussia allzu oft zwischen den Extremen. Den FC Barcelona kann sie an den Rand einer Niederlage bringen, aber bei einem Aufsteiger wie dem SC Freiburg chancenlos sein. Trainer André Schubert muss seinem jungen Team die Zwischendinger beibringen. Von Jannik Sorgatz

Borussias Hinrunde besteht aus klar abgegrenzten Zyklen. Erst gab es vier Spiele in zwölf Tagen, dann sieben in 23, und nach der zweiten Länderspielpause der Saison stehen, beginnend mit dem Heimspiel gegen den Hamburger SV, weitere sieben Spiele in 21 Tagen an. Aber erst einmal ist Zeit zum Durchschnaufen, auch wenn Trainer André Schubert nur mit den Spielern, die nicht mit ihren Nationalmannschaften unterwegs sind, arbeiten kann.

Das bislang absolvierte Pensum erlaubt ein vernünftiges Zwischenfazit, wobei sechs Siege, ein Unentschieden und vier Niederlagen den Tenor allein von den Ergebnissen her widerspiegeln: Das Positive hat leicht die Nase vorn. Zunächst konnte Borussia die Pflichtaufgaben in den Play-offs zur Champions League und im DFB-Pokal meistern. Alles andere wäre allerdings eine herbe Enttäuschung gewesen. In der Liga hat eine der besten Heimserien der Vereinsgeschichte weiterhin Bestand. Und im Europapokal hat sich Gladbach gegen den FC Barcelona rehabilitiert und darf weiterhin zuversichtlich auf die kommenden Aufgaben blicken. Doch ausgerechnet das Spiel gegen das übergroße Barca in der Königsklasse, das aus Borussia-Sicht am wenigsten alltäglich war, hat gezeigt, dass Schuberts Mannschaft positive Eindrücke der Vorsaison zwar bestätigen kann, der berüchtigte nächste Schritt aber noch auf sich warten lässt.

Am Sonntag ließ das deutliche 0:4 auf Schalke die Borussen zunächst ratlos zurück. Keineswegs über 90 Minuten, sondern nur in den entscheidenden Momenten waren sie schlechter gewesen. Doch schon am nächsten Tag deutete Schubert an, dass er zu einer Kurskorrektur bereits ist, um das größte Problem zu beheben: die chronische Auswärtsschwäche. "Einen Tick defensiver" wolle er die Aufgaben in der Fremde künftig angehen, "mehr auf Stabilität setzen".

Borussias junges Team ist in den vergangenen Wochen für Nachlässigkeiten böse bestraft worden. "Ich traue meiner Mannschaft immer sehr viel zu", sagt Schubert und meint damit die Auswärtsspiele, in denen die Leistung ja oft stimmt, aber der Ertrag zu gering ist. Dass besonders extern viel von ihr verlangt wird, hat Borussia sich verdient. Die Erwartungshaltung beruht auf dem bereits unter Beweis gestellten Potenzial eines Teams, das an guten Tagen alles drauf hat. Doch die nächste Aufgabe wird es sein, an Allerweltstagen auch mal Allerweltsergebnisse zu erzielen. Zum Beispiel ein 0:0 oder ein 1:1 auf Schalke. Schuberts neuer Vertrag bis 2019 ist ein Vertrauensvorschuss auf dem Weg dahin.

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