| 08.32 Uhr

Borussia Mönchengladbach
Gladbach fehlen die Führungsspieler

Das ist Martin Stranzl
Das ist Martin Stranzl FOTO: Dieter Wiechmann
Mönchengladbach. Kapitän Stranzl wird auf dem Spielfeld schmerzlich vermisst. Die Zugänge suchen noch ihren Platz im Team. Von Stefan Klüttermann

Der mit null Punkten aus den ersten drei Spielen schlechteste Saisonstart der Vereinsgeschichte hat binnen zwei Wochen aus dem euphorischen Champions-League-Teilnehmer Borussia Mönchengladbach einen ernüchterten Krisenklub gemacht. Es ist letztlich ein Zusammenspiel verschiedener Gründe, die Borussia so hart auf dem emotionalen Boden haben aufschlagen lassen.

Der erste dieser Gründe ist die fehlende Balance im Spiel der Mönchengladbacher. Seitdem Lucien Favre bei Borussia ist, haben seine Teams immer dadurch bestochen, dass sie das Gefühl und die Fähigkeit besitzen, das eigene Spiel zwischen defensiver Absicherung und offensivem Wirken auszubalancieren.

Diese Qualität geht Gladbach aktuell ab. Das Umschaltspiel in beide Richtungen funktioniert nicht, ein adäquater Ersatz für den Umschaltspielertyp Christoph Kramer wurde nicht gefunden.

Bilder: Xhaka wettert nach Gelb-Rot gegen Werder FOTO: ap

Des Weiteren hat sich ein bislang gänzlich unerwartetes Problem eingeschlichen. Dass Borussia sich ein Kontertor fängt, galt wegen der cleveren Defensivarbeit im Kollektiv monatelang als ausgeschlossen. Nun kassierten die Gladbacher in jedem der drei Saisonspiele mindestens ein Gegentor, weil der Gegner sie in einem ungeordneten Moment erwischen konnte.

In der Offensive ist dafür eine unzureichende Chancenverwertung festzustellen. Effizienz war in der Vorsaison eines der Markenzeichen der Fohlen, denen auch mal ein Tor zum Sieg reichte. Gegen Mainz und auch in Bremen vergaben Borussias Offensivkräfte nun Großchancen, die, wenn man sie genutzt hätte, in beiden Spielen zum Sieg gereicht hätten. Das Team stünde dann mit sechs statt mit null Punkten da.

Bilder: Marvin Schulz verursacht dummen Foulelfmeter FOTO: ap

Nicht wegzudiskutieren ist freilich, dass das Verletzungspech so manche gute Idee durchkreuzt. Dass es auf dem Platz an allen Ecken und Enden knirscht, hängt auch mit dem Ausfall von Kapitän, Wortführer und Stabilisator Martin Stranzl zusammen. Er soll gegen Hamburg in die Startelf zurückkehren. André Hahn steht wieder zur Verfügung, Alvaro Dominguez und Fabian Johnson fallen dagegen weiter aus.

Von den Zugängen erzielte Lars Stindl zwar schon drei Pflichtspieltore für Borussia, sucht aber mit Favre noch nach seiner optimalen Verwendung auf dem Platz. Zehn-Millionen-Stürmer Josip Drmic spielt noch überhaupt keine Rolle. Ihm fehlt komplett die Bindung zum Spiel. Zuletzt stand er zweimal nicht mal mehr in der Startelf.

Ohne Stranzl fehlt es Borussia zudem an Führungsspielern auf dem Rasen. Yann Sommer kann als Torhüter zu wenig Einfluss nehmen, und Granit Xhaka ist zurzeit zu sehr mit der eigenen Leistung beschäftigt, um andere mitreißen zu können. Nicht wegzudiskutieren ist auch, dass die Premiere in der Königsklasse offenbar doch mehr in den Köpfen herumspukt, als es manch einer zugeben will. "Wir können uns dahinter nicht verstecken, wollen uns dahinter nicht verstecken, müssen es aber zur Seite schieben", sagt Abwehrspieler Tony Jantschke.

Das Selbstverständnis als Tabellendritter der Vorsaison ist bei manchem Borussen nun ein anderes, ein gewachsenes. Das ist menschlich, erleichtert aber offenbar nicht gerade die demütige Fokussierung auf die Basis des in der vergangenen Saison so erfolgreichen Spiels.

Damit zusammen hängt eine gestiegene Erwartungshaltung. Die Premiere in der Champions League hat das Umfeld euphorisiert und die Ansprüche steigen lassen. Der Druck nimmt so zu, viele erwarten schlichtweg eine Bestätigung der Vorsaison. Das wird kaum gelingen, doch das Backen kleiner Brötchen wird manchem Anhänger immer schwerer zu vermitteln.

Quelle: RP
 
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