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Borussia Mönchengladbach
"Jannik hat einen gesunden Ehrgeiz"

Vestergaard ist der dritte Neuzugang 2016/17
Vestergaard ist der dritte Neuzugang 2016/17 FOTO: Dirk Päffgen
Mönchengladbach. Hannes Schroers, der Großvater des neuen dänischen Borussen-Verteidigers, ist Krefelder. Er sagt, warum Jannik Vestergaard zu Gladbach passt, warum er beidfüßig ist, warum er nur selten Gelb sieht und warum er das Zeug zum Führungsspieler hat.

Herr Schroers, Sie sind der Opa von Jannik Vestergaard. Also müssten Sie ihn gut kennen: Passt der neue Verteidiger, der von Werder Bremen nach Gladbach kommt, zu Borussia?

Schroers Meiner Meinung nach müsste Jannik ins Gladbacher Team passen. Borussia hat ihn, so viel weiß ich, sehr intensiv angeschaut und das seit längerem. Wenn ich etwas bei Borussia zu sagen hätte, hätte ich ihn auch geholt. Er ist ein großer Spieler, aber auch technisch sehr gut. Er kann von hinten raus die langen Aufbaupässe spielen und im Bedarfsfall auch mit nach vorn gehen - schließlich war Jannik früher Stürmer und weiß daher, wo das Tor steht. Er hat in der letzten Saison ja auch zweimal gegen Gladbach getroffen. Was ich sehr wichtig finde: Er ist zwar erst 23, aber er strahlt schon eine gewisse Ruhe aus.

Die Verträge der Borussia-Spieler FOTO: Dirk Päffgen

Ist er generell ein ruhiger Typ?

Schroers Das ist er eigentlich. Jannik gehört nicht zu den Fußballprofis, die immer auf die Pauke hauen müssen. Aber er ist von meiner Tochter und meinem Schwiegersohn so erzogen worden, dass er seine Meinung sagt. Und er kann auch impulsiv sein, das muss ich sagen. Was Jannik überhaupt nicht ertragen kann, ist Ungerechtigkeit. Er selbst versucht auf dem Platz immer fair zu bleiben, ohne dabei aber zurückzuziehen. Ich finde, er geht gut und hart in die Zweikämpfe, so wie es für einen Verteidiger nötig ist. Aber er bleibt immer im Rahmen und kriegt nur selten Gelb.

In Hoffenheim und Bremen war er einer der Publikumslieblinge. Wird er das in Gladbach auch?

Schroers (lacht) Ich bin natürlich nicht ganz objektiv in solchen Fragen. Aber ich denke, Jannik ist ein Spieler, der einen guten Draht zu den Fans hat. Weil er immer alles gibt, so etwas kommt an bei den Zuschauern. Er hat einen gesunden Ehrgeiz, das liegt in der Familie.

Wie der Fußball.

Schroers Stimmt. Ich habe für Bayer Uerdingen, Fortuna Düsseldorf und die U23 von West Ham United gespielt. Mein Cousin war Torhüter in Pirmasens. Mein Sohn war Jugend-Nationalspieler, aber leider sehr oft verletzt. Und mein Enkel Mika spielt in Borussias U15. Er war in der vergangenen Saison Torschützenkönig.

Jannik Vestergaard hat erzählt, dass er früher regelmäßig zu Besuch am Niederrhein war. Hat er auch die rheinische Ader für den Karneval oder anderes Brauchtum?

Schroers Nein, das hat er nicht. Ich würde mal sagen: Er ist kein Feierbiest. Er will lieber dafür sorgen, dass die Borussen-Fans etwas zu feiern haben. Dass er weniger mit dem Brauchtum am Hut hat, liegt aber in seinen Genen. Unsere Familie ist eher sportlich-musikalisch. Janniks Mutter ist Cellistin im Symphonieorchester. Aber auch davon hat Jannik weniger abbekommen. Er war immer der Fußballer. Das hat er auch durchgezogen. Als er mir damals sagte, dass er mit 17 die Schule verlassen will, um Profi zu werden, war ich skeptisch. Er hat mir aber gesagt: Opi, ich träume seit ich vier Jahre alt bin davon, einmal für Dänemark aufzulaufen. Das will ich schaffen. Er hat sein Hobby zum Beruf gemacht und er hat es toll hingekriegt. Früher, wenn er bei uns zu Besuch war, haben wir öfter zusammen auf dem Platz in Gellep gekickt. Wir haben immer darauf geachtet, dass er nicht nur mit rechts, sondern auch mit links schießt. Heute ist er links ebenso stark wie rechts. In Sachen links ist er aber auch etwas familiär vorbelastet. Ich war als Spieler mit dem linken Fuß stärker, mein Sohn auch - und meine Tochter ist Linkshänderin.

Wieso ist Jannik Verstergaard nicht schon früher am Niederrhein gelandet, zum Beispiel bei Fortuna Düsseldorf, Ihrem Ex-Verein?

Schroers Das war natürlich etwas, worüber wir öfter mal gesprochen haben. Und wir haben auch darüber philosophiert, dass es toll wäre, wenn er für Schalke, den BVB, Köln oder Gladbach spielen würde. Einfach, weil er dann um die Ecke wäre. Auf Schalke war er früher auch mal mit seinem Vater und fand die Stimmung dort im Stadion toll. Ich denke, darum hat er sich auch für die Bundesliga entschieden: Es ist einfach eine tolle Stimmung hier beim Fußball, das hat mir Jannik mal gesagt.

Erst mal wurde es aber Hoffenheim.

Schroers Damals war auch der VfB Stuttgart an Jannik interessiert. Er ist dann aber mit seinen Eltern in Hoffenheim gewesen und war vom Trainer Ralf Rangnick sehr beeindruckt. Darum hat er sich für 1899 entschieden - und ich denke, er hat den richtigen Weg gewählt. Wir sind jetzt aber alle sehr froh über seinen Wechsel nach Gladbach. Wir haben zuletzt eine Familienfeier gehabt, da war er mit seiner Freundin Pernille da. Natürlich war sein Wechsel nach Gladbach ein großes Thema.

Hat dabei auch eine Rolle gespielt, dass in Andreas Christensen einer seiner Kumpels aus dem dänischen Team in Gladbach ist?

Schroers Das ist sicherlich ein wichtiger Punkt gewesen. Vor allem aber war es natürlich die Perspektive bei Borussia. Und, dass Jannik das Gefühl hat, dass es gut passt mit ihm und dem Klub.

Borussia hofft, dass er ein Führungsspieler werden kann. Was sagt der Opa?

Schroers Man sollte nicht gleich zu viel erwarten, er muss ja erst mal ankommen im neuen Klub. Aber ich traue Jannik zu, ein Führungsspieler zu werden. Er ist einer, der gut bei anderen Menschen ankommt und daher natürlich auch in einer Mannschaft. Er weiß seine Meinung zu sagen und hat klare Standpunkte.

KARSTEN KELLERMANN SPRACH MIT HANNES SCHROERS (79)

Quelle: RP
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