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Borussia Mönchengladbach
Mo Dahouds Mut wird nicht belohnt

Borussia Mönchengladbach: Mahmoud Dahouds Mut wird nicht belohnt
Mahmoud Dahoud hat gegen Juventus Turin eine starke Leistung abgeliefert. FOTO: ap, FO
Mönchengladbach. Mo Dahoud tat es einfach. Der Ball kam maßgerecht angeflogen und der technisch begabte Jüngling traf das Spielgerät knapp über der Grasnarbe – Dropkick heißt diese Art des Schusses im Fachjargon. Von Karsten Kellermann

Sodann beschrieb das von Borussias Mittelfeldspieler entsandte Flugobjekt eine hübsche Kurve. Man spürte in den Sekunden, während der Ball unterwegs war, förmlich die wachsende Spannung: Passt er? Passt er? Passt er? Nein, er passte nicht. Latte. Und doch war es eine wegweisende Szene dieses Abends. Denn Dahouds Schuss zeugte vom Mut, mit denen die Borussen die große Aufgabe gegen Italiens Rekordmeister angingen, auch wenn es am Ende nur ein 1:1 gab - und Borussia damit das Achtelfinale der Königsklasse nicht mehr erreichen kann.

Ibrahima Traoré hatte in der Vorschau angekündigt, dass die Borussen offensiv weit mutiger operieren würden als beim 0:0 in Turin, als zwar klasse verteidigt wurde, nach vorn aber gar nichts ging. Am Dienstag spielten die Gladbacher erstmal das, was sie unter André Schubert auszeichnet: Sie pressten die "Alte Dame" aus Turin permanent, sie ließen sie einfach nicht zur Ruhe kommen. Balleroberung ist ein wesentliches Modul im Schubertschen Fußball-Modell, und es ist das Werkzeug derer, die Pressing spielen. Turin kam mit den mutigen Borussen lange nicht zurecht.

Einzelkritik: Dahoud bester Borusse FOTO: dpa, fg hpl

Zurück zum schmächtigen Dahoud. Der Bursche ist ein Phänomen. Er hat in dieser Saison als einziger neben Oscar Wendt in allen Pflichtspielen mitgewirkt, und von Spiel zu Spiel wird er sicherer. Er ist ständig unterwegs, ist kreativ und er wagt sich in jeden Zweikampf, auch gegen noch so kompakte Gegner. Nun ja, und er hat auch den Mut zum Torschuss. Es war so etwas wie das Halali für seine Kollegen. Drei Minuten später schoss Fabian Johnson nach Raffaels Pass das 1:0, und hernach feuerte Gladbach aus allen Lebenslagen: Havard Nordtveit versuchte es zweimal aus weiter Ferne, Traoré, Granit Xhaka und Lars Stindl taten es auch, alle indes ohne die letzte Präzision.

Dennoch: Der Fernschuss ist wie das hohe Pressing ein Akt des Wagemuts. Risiko ist dabei, er paart Kraft und Ästhetik. Dahouds Schuss war der schönste Beleg für diese These, auch wenn er nicht ins Ziel fand. Doch es war die Botschaft, die zählte: Wir können diesen Turinern etwas anhaben, nicht nur kämpfend, sondern auch kickend. Dafür stand auch das 1:0 durch Johnson: Ein Turiner traf den Ball nicht, Raffael bediente den Amerikaner, der das zweite Champions-League-Tor der Borussen erzielte.

Dass ausgerechnet der jüngste Borusse - Dahoud ist 19 – mit seiner mutigen Aktion den Abend ins Rollen brachte, spricht für sich. Gegen Turin wies er nach, dass er für ganz große Aufgaben bereit ist. Und, dass er viel Mut hat. "Entweder man spielt Fußball, oder man lässt es", hat er zuletzt gesagt. Er spielt einfach. Mut allein jedoch reicht nicht immer im Fußball, es bedarf auch der nötigen Effektivität. Das war dann der Lerneffekt des Abends. Da die Präzision beim Torschuss fehlte, auch bei Dahoud, gab es nur ein 1:1 gegen Turin. Und dass, weil Paul Pogba auch weiß, dass sich Mut auszahlt. Sein Pass kurz vor der Pause war ein Highlight, und auch die Direktabnahme von Stephan Lichtsteiner, die wie Johnsons Schuss hart neben dem langen Pfosten einschlug.

Pressestimmen: "Bayern spielt in einer eigenen Welt" FOTO: qvist /Shutterstock.com/Retusche RPO

Fortan galt es, noch mutiger zu sein, dagegenzuhalten, als "Juve" aufdrehte, spielerisch und körperlich. In Überzahl (nach Rot gegen Hernanes) taten die Borussen das, mutig, aber nicht mit Übermut. Mit Dahoud mittendrin als leichtfüßiger Initiator und Taktgeber. Dreimal noch versuchte er sich auch am Torschuss, jedoch ohne Ertrag. So war es ein Abend, wie Dahouds Schuss: Er war schön anzusehen, ließ aber ein wenig unbefriedigt zurück.

Quelle: RP
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