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Borussia Mönchengladbach
"Das ist ein Spiel, das man vielleicht einmal in zehn Jahren hat"

Elvedi verzieht aus kürzester Distanz kläglich
Elvedi verzieht aus kürzester Distanz kläglich FOTO: dpa, mjh jhe
Mönchengladbach. Nico Elvedi hätte es richten können. Der junge Verteidiger aus der Schweiz stand kurz vor dem Ende des Bundesligaspiels zwischen Borussia und dem Hamburger SV plötzlich völlig frei vor dem hanseatischen Tor – doch er schoss den Ball nicht hinein, sondern vorbei. Von Karsten Kellermann

Hätte er den Ball verwandelt, wäre er der Mann des Tages gewesen, als umsichtiger Verteidiger und dann auch Torschütze. Doch es blieb beim Konjunktiv und beim 0:0. Nach zehn Heimsiegen in Folge endete damit eine imposante Serie der Borussen.

"Eigentlich muss ich den Ball nur unter dem Torwart durchspielen, leider ging er vorbei", sagte Elvedi. "Es ist schade, wir hatten sehr viele Topchancen, sogar zwei Elfmeter, dann kriegt der Gegner noch eine Rote Karte, eigentlich dürfen wir so ein Spiel nicht unentschieden spielen. Aber vielleicht hat uns heute ein bisschen die Überzeugung vor dem Tor gefehlt." Die Zahlen sind eindeutig: 22:5 Torschüsse, 76 Prozent Ballbesitz, ein Pfostentreffer, zwei verschossene Elfmeter – was fehlte, war nur das Tor. Wäre es gefallen, hätte jeder von einem hochverdienten Sieg gesprochen. "Klarere Torchancen als Elfmeter kannst du im Spiel nicht kriegen. Davon hatten wir zwei, die haben wir nicht gemacht. Wir haben nichts an Chancen für den HSV zugelassen, haben das Spiel dominiert und fünf, sechs hochkarätige Chancen. Trotzdem stehen wir nur mit einem Punkt da. Aber das ist immer noch besser als kein Punkt", sagte Sportdirektor Max Eberl.

Dass die Borussen die durch den Platzverweis von Kleber (25. Minute) nicht zum Sieg nutzen konnte, wollte Eberl nicht überbewerten. "An was hat es gelegen, dass wir heute kein Tor geschossen haben? Wir müssen daraus kein großes Aufhebens machen, und wenn du eins machst, gewinnst du das Spiel. Denn der HSV hat nach vorn nichts gemacht, das lag auch unserer Defensive, die sehr gut verteidigt hat. Am Ende haben wir das Tor nicht gemacht, daran lag es, dass wir nicht gewonnen haben", sagte Eberl nach dem Heimspiel mit den zweitmeisten Torabschlüssen seit dem Amtsantritt von Trainer André Schubert.

Hahn fühlte sich sicher

André Hahn und Lars Stindl verschossen die Elfmeter vor und nach der Pause, Hahn scheiterte an Torwart René Adler, Stindl schoss den Ball unter die Querlatte, von dort sprang er ins Spiel zurück. Zwei verschossene Elfmeter in einem Bundesligaspiel, das passierte Gladbach zuletzt 1984 beim 3:3 gegen Karlsruhe. Hahn, der sich bei einem Zusammenstoß mit Adler eine Platzwunde über der Lippe zuzog, die in der Halbzeit mit drei Stichen genäht wurde (aus Zeitgründen ohne Betäubung), sprach von einem "sehr unglücklichen Tag". "Ich habe mich sehr sicher gefühlt, schieße auch im Training viele Elfmeter. Ich wollte meine Chance nutzen, ich habe ihn nicht so gut geschossen, sonst wäre er drin gewesen", sagte Hahn.

"Das ist ein Spiel, das man vielleicht einmal in zehn Jahren hat. Wir haben es gleich in die Hand genommen. Es war nicht leicht, weil der HSV sehr tief stand. Deshalb hatten wir in der ersten Hälfte wenige klare Torchancen. Danach war es besser. Selbst Nico Elvedi, der ansonsten ein großartiges Spiel gemacht hat, hatte in der Nachspielzeit noch die große Möglichkeit. Dazu kam neben den Elfmetern Oscar Wendts Pfostenschuss. Jetzt werden wir uns möglichst schnell sammeln und uns auf Celtic Glasgow vorbereiten", fasste André Schubert den Nachmittag im Borussia-Park zusammen.

Eberl warnt vor zu hohen Ansprüchen

Dass es zwischenzeitlich deutlich hörbare Pfiffe gab, war nicht zu überhören. Eberl indes warnte vor zu hohen Ansprüchen. "Dass der 1. FC Köln jetzt vor Gladbach steht, kann passieren. Jeder, der jetzt murrt und fragt: Was ist hier los im Borussia-Park? Es ist eben auch mal mühsam, und gegen den HSV war es eine mühsame Aufgabe, die wir mit Bravour gelöst haben, bei der wir uns aber nicht belohnt haben", sagte Eberl.

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