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Nico Schulz im Interview
"Meine Familie wird auf meiner Seite sein"

Nico Schulz: "Meine Familie wird auf meiner Seite sein"
Heute selbst in Grün, früher gegen Grün: Im Oktober 2013 (rechts) lief Nico Schulz für Hertha BSC gegen Borussia Mönchengladbach auf. Das 1:0 war der bislang letzte Sieg der Berliner. Seit Sommer 2015 trägt Schulz das Gladbach-Trikot. FOTO: imago
Mönchengladbach. Borussias Außenbahnspieler spricht über seine Rückkehr nach Berlin, das Spiel heute bei Hertha BSC und seine Situation in Gladbach.

Gerade mal 45 Pflichtspielminuten hat Nico Schulz auf seinem Einsatzkonto in dieser Saison. Das ist wenig für einen, der im Sommer 2015 recht ambitioniert nach Gladbach kam. Doch Schulz verletzte sich schwer am Kreuzband, und nun ist er dabei, anzukommen. Heute kehrt er mit Borussia zurück nach Berlin, in seine Heimatstadt. Von 2000 bis 2015 hat er für Hertha BSC gespielt, nun ist er zum ersten Mal Gegner der "alten Dame". Darüber, wie sich das anfühlt, über das Leben in der Hauptstadt und über seine Situation in Gladbach sprach der 23-Jährige mit Karsten Kellermann.

Herr Schulz, Sie als Ur-Berliner kommen zum ersten Mal als Borusse in die Hauptstadt. Beim 4:1 in der vergangenen Saison haben Sie verletzt gefehlt. Wie fühlt sich die Heimkehr an?

Porträt: Nico Schulz: Ein Berliner bei Borussia FOTO: Dirk Päffgen

Nico Schulz Es ist ja schon ein Jahr her, dass ich gewechselt bin, mittlerweile bin ich Borusse. Vielleicht wird es anfangs etwas komisch sein, auf der anderen Seite zu stehen, aber ich freue mich auf das Spiel gegen meine alten Jungs, gegen den Klub.

Gab es schon Kontakt zu den alten Kumpels? Haben die Ihnen schon klargemacht, dass es nichts zu holen gibt bei der Hertha?

Einzelkritik: Starkes Comeback von Hazard FOTO: Dirk Päffgen

Schulz (grinst) Nein, das nicht. Aber mit Marvin Plattenhardt schreibe ich generell viel, er ist mein bester Kumpel. Direkt zum Spiel haben wir uns aber noch nicht ausgetauscht.

Sie sind gebürtiger Berliner. Was würden Sie den Kollegen zeigen, wenn Sie einen Tag Zeit hätten?

Korb fliegt wegen Notbremse vom Platz FOTO: rtr, saw

Schulz Erstmal muss ich sagen, dass ein Tag gar nicht reichen würde. Es gibt so viel zu sehen in Berlin. Sicherlich muss man auf jeden Fall zum Brandenburger Tor und zum Alexanderplatz. Aber ist schwer, sich festzulegen. Berlin ist voller Leben, das macht die Stadt aus - und darum mag ich sie. Es ist immer was los, man hat nie Langeweile.

Was ist Ihr Lieblingsort in Berlin?

Schulz Der Savignyplatz. Da haben wir früher gewohnt. Es ist sehr lebendig dort, die Atmosphäre rund um den Platz gefällt mir.

Wie gefällt Ihnen die Atmosphäre im Olympiastadion? Mancher sagt, es sei etwas steril dort. Aber die Hertha-Fans können auch richtig aufdrehen, oder?

Schulz Es ist einfach etwas anderes, ob man im Olympiastadion oder in einem engen Stadion wie dem Borussia-Park oder in Dortmund spielt. Da kommt die Stimmung noch einen Tick mehr rüber. Wenn man die Berliner Ostkurve mal in einem anderen Stadion ohne Tartanbahn erleben würde, würde man merken, wie laut sie wirklich ist. Allerdings: Wenn das Olympiastadion ausverkauft ist, hat es viel Charme, ganz sicher.

Es gibt neben Hertha viele andere Fußballvereine in Berlin. Wo würden Sie Hertha einordnen? Steht Berlin hinter dem Klub?

Schulz Das glaube ich schon. Die Stadt ist aber sehr groß und es gibt so viele andere Sachen, nicht nur, was den Fußball angeht. Das ist in Gladbach sicherlich anders. Hier spielt Borussia eine große Rolle, sie ist sehr wichtig für die Stadt, das spürt man überall. Trotzdem glaube ich, dass Hertha in Berlin auf einem guten Weg ist, die Stadt noch mehr für sich zu gewinnen. Der Fußballklub Nummer eins ist sie auf jeden Fall.

War der Umzug vom prallen Berlin an den doch etwas beschaulichen Niederrhein für Sie und Ihre Familie eine Umstellung?

Schulz Nein, nicht unbedingt. Wir haben zwar in Berlin mitten in der Stadt gewohnt und leben jetzt etwas ländlicher. Da aber meine Familie mit da ist, ist es eigentlich egal, wo wir wohnen. Und man lernt ja auch schnell neue Leute kennen. Wir fühlen uns wohl, das ist entscheidend.

Auch in Berlin gibt es einen Wohlfühl-Faktor: Hertha ist zum zweiten Mal in Folge oben dabei. Aus der Ferne betrachtet, kommt das etwas überraschend. Erklären Sie das bitte mal.

Schulz Hertha arbeitet als Team gut zusammen und es zeigt sich, dass sich harte Arbeit irgendwann auszahlt. Trainer Pal Dardai macht einen guten Job und die Mannschaft war schon immer gut besetzt. Jetzt fügen sich die Dinge auf dem Feld gut zusammen.

Wie funktioniert das Pal-System?

Schulz Es ist ja kein großes Geheimnis, dass Hertha defensiv gut steht, aber inzwischen immer mehr versucht, auch das Spiel zu machen. Es ist einfach sehr unangenehm, gegen Berlin zu spielen.

Borussia tat sich in der vergangenen Saison nicht so schwer, es gab ein 4:1 und ein 5:0. Auch jetzt, so lauten die offiziellen Aussagen, soll etwas mitgebracht werden aus der Hauptstadt.

Schulz Es steht ja außer Frage, dass wir jedes Spiel gewinnen wollen, also auch das in Berlin.

Angesichts der Situation wäre das sogar fast nötig, um den Anschluss zu halten.

Schulz Natürlich wäre es toll, wenn wir drei Punkte holen könnten. Wir wissen, dass das Spiel sehr wichtig ist, gerade weil wir der Spitzengruppe ein bisschen hinterherhängen. Aber wir haben gerade aus der vergangenen Saison gelernt, dass eine Saison sehr lang ist, darum ist viel möglich. Die Welt würde nicht untergehen, wenn wir in Berlin nur einen Punkt holen würden. Wir wissen, welche Qualität wir haben und dass wir immer in der Lage sind, einen Lauf zu starten.

Sie sagten eben, Sie seien jetzt Borusse. Aber Sie haben noch nicht viel gespielt. Sicher, Sie waren lange verletzt, aber man hat doch das Gefühl, dass Nico Schulz jetzt mal dran wäre mit einem Startelf-Einsatz. In Berlin wäre es der perfekte Zeitpunkt.

Schulz Ich will auf jeden Fall gern mal wieder von Beginn an spielen. Aber das entscheidet der Trainer. Ich bin jedenfalls bereit. Ich gebe im Training mein Bestes, um mich anzubieten. Natürlich ist es bei Hertha ein besonderes Spiel für mich. Aber wann ich spiele, ist mir eigentlich egal. Hauptsache, ich stehe wieder mehr auf dem Platz.

Was bringen Sie ins Spiel ein?

Schulz Mit meiner Dynamik und meiner Schnelligkeit über die Außen kann ich dem Team helfen. Durch die vielen Spiele ist der eine oder andere sicher auch etwas müder, da könnte ich Frische reinbringen.

Sind Sie mit ihrem Zug zum Tor mehr Außenstürmer als Außenverteidiger?

Schulz Ich würde sagen, es ist eine gute Mischung. In einer Viererkette kann ich auch den Part links hinten spielen, wenn es eine Dreierkette ist, spiele ich eben ein bisschen offensiver auf der linken Außenbahn. Das Spiel der Borussia mag ich, es gibt den Außenspielern viele Möglichkeiten, das ist interessant. Ich will jetzt einfach gesund bleiben, der Rest kommt von allein. Die Qualität habe ich.

Die beste Geschichte am Freitag wäre: Nico Schulz hat seinen ersten Startelf-Einsatz und schießt Borussia zum Sieg bei der Hertha.

Schulz Grundsätzlich ist es mir egal, wer unsere Tore macht, und auch, gegen welchen Gegner ist treffe, aber es wäre natürlich klasse, wenn es so kommt.

Würden Sie über ein Tor gegen Ihren Heimatverein jubeln?

Schulz Ich würde nicht exzessiv jubeln, aber warum sollte ich es ganz sein lassen? Ich spiele jetzt für Gladbach und wenn man ein Tor macht, ist das ein Anlass zur Freude.

Was ist mit der Familie? Hält Sie Ihnen und Borussia oder der Hertha die Daumen?

Schulz Ich denke schon, dass meine Familie auf meiner Seite sein wird. Es sind zwar alle Berliner und damit auch Hertha-Fans, aber wenn ich spiele, ist das etwas anderes.

Quelle: RP
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