1. Bundesliga 17/18
| 11.54 Uhr

Schmähgesänge gegen Hopp
Differenziert urteilen

Lage der Liga: Differenziert urteilen
Mit geschmacklosen Plakaten wie diesen haben die Fans des 1. FC Köln Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp beleidigt. FOTO: dpa, jg cul
Meinung | Köln. Der DFB ermittelt wegen der üblen Beleidigungen der Kölner Fans gegen Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp. Dabei ist anzuraten, erst einmal durchzuatmen und die Geschehnisse differenziert zu betrachten. Von Patrick Scherer

Entrüstet wütete Hoffenheims Sportdirektor in der Mixed Zone nach dem 1:1 seiner TSG beim 1.FC Köln. "Nicht zu fassen, was manche Schwachköpfe für einen Hass säen. Das ist eine neue Form von Hass und Ablehnung", sagte Alexander Rosen. Kölner Anhänger hatten zuvor den Hoffenheimer Mäzen Dietmar Hopp mit Schmähgesängen und einem Banner beleidigt. Die FC- Vereinsführung entschuldigte sich umgehend für ihre Fans, der Deutsche Fußball-Bund (DFB) nimmt nun Ermittlungen auf.

Dabei ist anzuraten, erst einmal durchzuatmen und die Geschehnisse differenziert zu betrachten. Das Banner, das Dietmar Hopp aufgrund der Nazi-Vergangenheit seines Vaters in die rechte Ecke rückte und seine Mutter als Prostituierte darstellte, war zweifelsohne geschmacklos. Es war ein Grenzübertritt, für den sich die Macher zu verantworten haben.

Zum mehrfach wiederholten Schmähgesang, der sicher ebenfalls den Tatbestand der Beleidigung erfüllt, gibt es eine Vorgeschichte. Im März wurde der Kölner Verein vom DFB zu einer Strafe von 34.000 Euro verurteilt. Nach einem Urteil gegen Borussia Dortmund war es erst das zweite Mal, dass "beleidigende Gesänge" der Fans als Grund herangezogen wurden - unter anderem beim Hinspiel in Sinsheim. Große Teile der Anhängerschaft sehen das als Eingriff in ihre Fankultur. Und in der Tat sollte nicht vergessen werden: Der Fußball ist zwar vom Spiel zum Geschäft geworden. Aber auch das Geschäft lebt von Emotionen. Positiven wie negativen. Jubel und Enttäuschung gehören dazu, Anfeuerung und Abneigung ebenso. Alles im Rahmen, aber eben nicht reguliert.

Der Fußballplatz ist nicht mit dem Opernsaal zu vergleichen. Der DFB muss darauf achten, dass Rassismus dort keinen Raum findet. Beim Rest sollte er Fingerspitzengefühl beweisen.

Mario Basler sagte mal: "Wenn mich in Dortmund von 55.000 Zuschauern 50.000 hassen, mir am liebsten ein Bein abhacken würden, mich mit ,Arschloch' begrüßen, dann fühle ich mich wie Arnold Schwarzenegger gegen den Rest der Welt. Das ist geil."

Quelle: RP
 
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