| 15.40 Uhr

Trikotärmel-Vermarktung
Ärger über DFB in der 3. Liga

"bwin" sorgt für Unmut in der 3. Liga
Der Trikotärmel von Zwickau und Rostock (hier: Morris Schröter gegen Michael Gardawski) ist vom DFB vermarktet worden. FOTO: Imago
Düsseldorf. Der Deutsche Fußball-Bund hat die von ihm organisierte Profiliga vermarktet – der Wettanbieter "bwin" sorgt allerdings für Unmut. Hansa Rostock fühlt sich übergangen. DFB-Vize Peter Frymuth kann die Aufregung nicht verstehen und erfährt Unterstützung. Von Gianni Costa

Am vergangenen Freitag präsentierte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) einen neuen Hauptpartner für die 3. Liga. Der Wettanbieter "bwin" soll in den kommenden zwei Spielzeiten auf dem Trikotärmel der Drittligisten, in den Stadien, Publikationen und Online-Auftritten der Klubs erscheinen. "Wir freuen uns, mit 'bwin' einen starken Unterstützer für die Vereine gewonnen zu haben. Die Partnerschaft ist für die 3. Liga ein großer Schritt und ein starkes Signal", verkündete DFB-Vizepräsident Peter Frymuth. Man sehe sich bestätigt, dass die positive Entwicklung der 3. Liga auch unter anderem durch den Einstieg der Telekom weitergeht.

Der DFB ist ein sehr dankbares Ziel für Kritik. Ein großer Verband. Oft in seiner Intransparenz gefangen. Ihm zu unterstellen, irgendetwas von oben herab gegen die Interessen der Vereine zu machen, klingt für viele zunächst sehr nachvollziehbar. Dementsprechend groß war die öffentliche Aufmerksamkeit, als der FC Hansa Rostock scharfe Kritik an dem abgeschlossenen Deal übt. Bei Hansa stört man sich vor allem daran, dass die Klubs der 3. Liga kein Mitspracherecht bekommen hätten. Nach eigenem Bekunden droht ein Interessenskonflikt mit anderen Sponsoren. "Fünf Wochen nach dem Vertragsabschluss mit unserem Hauptsponsor ,sunmaker' wird uns mitgeteilt, dass ein anderer Wettanbieter Hauptpartner der 3. Liga wird", sagt Robert Marien, Vorstandsvorsitzender des FC Hansa. Und sein Vorstandskollege Christian Hüneburg kritisiert in einer öffentlichen Stellungnahme: "Wir begrüßen generell die Vermarktung des ligaweiten Logo-Rechtes durch die Vermarktungsabteilung des DFB. Schwierig wird es, wenn vereinseigene Rechte wie Banden, Ärmel oder Tickets im Gesamtpaket enthalten sind. Wir können uns den geforderten Nachlass von über 50 Prozent auf Werberechte des Vereins schlichtweg nicht leisten. Durch die Vermischung von Liga- und Vereinsrechten verbessert sich unsere finanzielle Situation durch diesen Deal nicht."

Frymuth kann den Unmut aus der Hansestadt nicht nachvollziehen. "Ich bin schon überrascht über diese Stellungnahme. Besonders Herr Marien war bereits seit April über die Bemühungen, für die Dritte Liga einen Partner aus dem Wettanbieterbereich zu finden, wie auch die anderen Vereine informiert. Es war seit Jahren Wunsch aus der Dritten Liga, dass es einen Hauptsponsor gibt", sagt er. "Natürlich haben wir die Klubs in diesen Gesprächen mitgenommen. Der DFB handelt im Auftrag der Vereine und streicht nicht die Einnahmen ein." Rostock steht mit seiner Darstellung ziemlich alleine da. Jörg Sitte, Vizepräsident von Ligakonkurrent Hallescher FC begrüßt den Vertragsabschluss "als Meilenstein und Aufwertung der Liga".

Niedriger sechsstelliger Betrag für jeden Klub

Frymuth will nichts über die Höhe des Deals mit "bwin" verraten und verweist auf entsprechende Absprachen zwischen den beteiligten Partnern. Wie unsere Redaktion aus Vereinskreisen erfahren hat, geht um einen niedrigen sechsstelligen Betrag für jeden der 20 Klubs, spekuliert wird mit rund 120.000 Euro für die Vermarktung des Ärmels. Das wäre ungefähr die Hälfte von der Summe, die viele durch den Trikotsponsor auf der Brust einnehmen.

Tatsächlich sei die neue Vereinbarung erst in den vergangenen Wochen beschlossen worden. Man habe vor der Entscheidung gestanden, die Laufzeit sofort oder erst in der nächsten Saison zu starten. Schließlich habe man sich dafür entschieden, den Klubs Handlungsspielraum zu ermöglichen. In der neuen Spielzeit können die Klubs in Sachen Vermarktung noch völlig frei entscheiden. "Sollte ein Verein zum Beispiel den Platz auf dem Ärmel bereits vergeben haben, dann bleibt es selbstverständlich dabei", sagt Frymuth. "Es gibt aber die Mehrheit der Klubs, die froh sind und für sie ist es ein wichtiger Einnahmefaktor. Es geht auch um die Solidarität untereinander."

Dass es damit nicht ganz soweit her ist, zeigt der Vorstoß von Hansa. In Rostock sieht man sich unter anderem dadurch gegängelt, dass der DFB in Vereinsrecht eingreifen würde. Dazu zählt man eben die Vermarktung des Trikots. Im speziellen Fall wurde wohl einem selbst akquirierten Sponsor aus dem Bereich der Wettfirmen Exklusivität in seiner Branche eingeräumt. Es ist allerdings durchaus üblich, dass Verbände die von ihnen organisierten Produkte vermarkten. Der DFB-Pokal wurde zum Beispiel bislang von Volkswagen präsentiert, obwohl viele Teilnehmer an dem nationalen Wettbewerb Verträge mit anderen Automobilkonzernen haben.

"Wir stehen mit allen Vereinen im Austausch", sagt Frymuth. "Es gab eine Arbeitsgruppe, mit Vertretern aus den Klubs, die bei allen Schritten mitgenommen wurden - dazu zählte übrigens auch Robert Marien als Vertreter von Rostock. Umso verwunderlicher sind nun die Vorwürfe an den DFB."

Quelle: RP
 
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