1. Bundesliga 16/17
| 08.24 Uhr

Mitgliederversammlung
Tönnies bleibt der Chef auf Schalke

Clemens Tönnies bleibt der Chef beim FC Schalke 04
FOTO: dpa, gki fdt
Gelsenkirchen. Der Aufsichtsratsvorsitzende wird mit überwältigender Mehrheit der 7648 stimmberechtigten Mitglieder für drei Jahre wieder ins Kontrollgremium gewählt. Sein Gegenspieler Andreas Goßmann aus Düsseldorf-Hubbelrath ist chancenlos. Von Thomas Schulze

Da sage nur einer, die Zeiten auf Schalke hätten sich nicht geändert. Die Mitgliederversammlung war wieder gut vorbereitet und bot wenig Raum für Überraschungen. Die Schlammschlacht, die in den Wochen des Wahlkampfs getobt hatte, wurde nicht fortgeführt. Stattdessen gab es nach nicht einmal zwei Stunden das erwartete Ergebnis. Clemens Tönnies, seit 22 Jahren Aufsichtsrat und seit 15 Jahren an dessen Spitze, wurde mit 5367 Stimmen für weitere drei Jahre in den Aufsichtsrat gewählt. Noch mehr Stimmen erhielt Peter Lange (5684). Die Kontrahenten Michael Stallmann (2565) und Andreas Goßmann (1680) waren chancenlos. Tönnies, der von dem Gremium wahrscheinlich wieder zum Vorsitzenden gewählt wird, kommt nun die Aufgabe zu, aufgerissene Gräben wieder zuzuschütten.

Was waren das noch für Zeiten, als Günter Siebert, genannt Oskar, mit einer flammenden Rede weit nach Mitternacht die längst bierseligen Mitglieder mit großen Versprechen auf seine Seite zog und zum Vorsitzenden gewählt wurde. Damals waren die Versammlungen unberechenbar, stimmungsvoll und überaus unterhaltsam. Heutzutage würden sich die Fernsehsender um eine Liveübertragung reißen und Traumquoten erzielen. Doch selbst beim emotionalsten aller Fußball-Bundesligisten ist die Professionalisierung so weit fortgeschritten, dass das Unternehmen mit einem Umsatz von 264,5 Millionen Euro im vergangenen Jahr in der Führung auf Kontinuität und Solidität setzt.

Das zweistündige Vorspiel mit Ehrungen - 447 der über 145.000 Mitglieder gehören dem Verein seit 25 Jahren an, 14 seit 50 Jahren - sorgte für eine Wohlfühlatmosphäre. Höhepunkt ist die Präsentation des Schweizers Breel Embolo. Der 19-Jährige kommt vom FC Basel, kostet über 20 Millionen Euro, die in drei Raten gezahlt werden, und erhält einen Fünf-Jahres-Vertrag. An dem gebürtigen Kameruner waren zahlreiche Top-Klubs aus dem In- und Ausland interessiert. "Ich freue mich auf die Herausforderung Schalke", sagte Embolo in einer Videobotschaft. Er war mit der Schweiz bei der EM im Achtelfinale im Elfmeterschießen an Polen gescheitert. "Mit Breel Embolo haben wir einen hochtalentierten Angreifer gewinnen können", sagte Sportvorstand Christian Heidel, der zum Beginn der Versammlung die Mitglieder ermahnte: "Bitte lasst uns heute kontrovers diskutieren, aber in einer Atmosphäre des Respekts."

Das wäre eigentlich gar nicht notwendig gewesen, denn die Mitglieder waren harmonisch gestimmt. Die vier Kontrahenten hatten vier Vorstellungsrunden der vergangenen Wochen intensiv genutzt, um Argumente auszutauschen. "Wenn wir mit diesem neuen Sportvorstand, mit diesem Trainer, die PS auf die Erde kriegen, dann bricht eine völlig neue Zeit an", sagte Tönnies nach der Wiederwahl mit Blick auf den neuen Manager Christian Heidel und Coach Markus Weinzierl.

Der Opposition in Axel Hefer, Andreas Horn und Thomas Wiese, die ihm Profilierungssucht und Machtmissbrauch vorgeworfen und eine schallende Ohrfeige kassiert hatte, machte Tönnies ein Friedensangebot: "Allen Kritikern möchte ich die Hand reichen, damit wir zusammenstehen und die angreifen, die in der Tabelle vor uns stehen." An diesen Worten wird sich der ansonsten wenig teamorientierte Tönnies messen lassen müssen.

Quelle: RP
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