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| 13.40 Uhr

Fortuna Düsseldorf
Die neue Rolle des Axel Bellinghausen

Porträt : Axel Bellinghausen: Fortuna Düsseldorfs Rückkehrer
Porträt : Axel Bellinghausen: Fortuna Düsseldorfs Rückkehrer FOTO: dpa, Jonas Güttler
Düsseldorf. Nach der aktiven Karriere plötzlich Student, Fußball-Manager oder Supermarkt-Leiter zu werden, das hätte sich Axel Bellinghausen wohl nie vorstellen wollen oder können. Die Stelle als Co-Trainer bei der Fortuna ist sein großes Glück, und das weiß er auch.  Von Jessica Balleer

Mit hochrotem Kopf steht er nach dem Training am Spielfeldrand. So kennt man den Mittelfeldspieler hier. Doch heute hat Axel Bellinghausen keine Pässe gespielt oder Trainingskilometer zurückgelegt. "Müssen wir jetzt was sagen?", fragt er sogar ungewohnt halblaut und schaut zu seinem neuen Co-Trainerkollegen. Bellinghausen lässt Thomas Kleine den Vortritt, die Fragen der Presseleute zu beantworten. Nach insgesamt zwölf Jahren bei der Fortuna sucht die Identifikationsfigur des Klubs schlechthin seine neue Rolle.

"Es war ein schönes Ende", sagt Bellinghausen (34) dann. Auch wenn die Karriere als Spieler überraschend endete. Geplant war nämlich, die Saison 17/18 als "Standby-Profi" in Fortunas Reserve ausklingen zu lassen, dann vielleicht bei der U23 eine Aufgabe zu bekommen. Nun ist er Co-Trainer der Profis. Ein Wunsch ist damit in Erfüllung gegangen: Nichts hätte Bellinghausen wohl bitterer gefunden, als verletzt aufhören zu müssen oder weggelobt zu werden. Einfach wird es für ihn nicht, weil er sich auf Sicht den Respekt einer Führungsperson erarbeiten muss. Seine neue Position ist trotzdem verhältnismäßig dankbar. 

Während Co-Coach Thomas Kleine bereits seinen Trainerschein macht, wird der ehemalige Spieler andere Qualitäten einbringen können und müssen. Wenn Kleine der Kopf des Co-Trainer-Duos ist, dann ist Bellinghausen das Herz. Sollte es schlecht laufen, wird aber kaum ein Fan den Rausschmiss dieser Vereinsikone fordern. Ihn zeichnen keine Urkunden oder Lizenzen aus. Wille, Leidenschaft, Integrität, das kann er. "Damit geht nunmal viel", sagt Bellinghausen. Das ist rar geworden im Profifußball, doch bei ihm klingt es ernst gemeint und authentisch.

Im Stakkato beackerte er den Rasen

Bellinghausen wurde 1983 in Siegburg geboren, ein Zuhause aber hat er erst in Düsseldorf gefunden. Mit großem Fußballtalent war der Linksfuß selbst in der Jugend beim TuS 05 Oberpleis oder bei Bayer 04 Leverkusen nicht gesegnet. Doch er wechselte 1998 zu Fortuna Düsseldorf und wurde vier Jahre später Profi, weil ihn Persönlichkeit und gewisse Tugenden auszeichneten, die man nicht mit dem Ball trainieren kann. Der schlacksige Pferdefreund beackerte den Rasen fortan im Stakkato-Schritt, dann rief die größere Fußballbühne. Er machte Station beim 1. FC Kaiserslautern. Spielte Bundesliga. Wurde Führungsspieler. Dann der Abstieg. 

Entscheidungen sind der Ausdruck dessen, wer wir wirklich sind: Bellinghausen verließ Lautern damals nicht. Er blieb, als es brenzlig wurde. Und wurde später mit dem Kapitänsamt dafür belohnt. Selbst beim FC Augsburg wurde er zum Fanliebling, obwohl sein Autokennzeichen "A-XL-1895" lautete. Erst 2012 folgte er seinem Herzen. Es ging zurück zur alten Liebe Fortuna, "zurück in die Heimat", sagte er. Und "Bello" begann seinem Spitznamen, den er erst beim FCA bekam, alle Ehre zu machen. Wenn er etwas mitzuteilen hatte, dann hat er das auch lautstark und fordernd getan. "Bello" war keiner, der sich hinter dem Kollektiv versteckte. Bei einer Körperlänge von 1,84 Metern und solch breiten Schultern wäre das ohnehin schwierig geworden.

Fußball in zwei Worten: laufen und kämpfen

Die Illusion, einmal Weltfußballer oder Titelsammler zu werden, hat er sich nie gemacht. Er nennt Pierre Littbarski als sein Vorbild, und das erstaunt. Anders als der Weltmeister 1990 ist Bellinghausen nie ein Ballkünstler gewesen. Er hat sich lieber die Hacken wund gelaufen, als sich nach Schlusspfiff in der Kurve für fehlenden Einsatz rechtfertigen zu müssen. Oder abends auf der Couch neben der eigenen Unzufriedenheit Platz zu nehmen. Das hat auch mit der DNA dieses Sportlers zu tun, der schon als Kind eine Definition des Fußballs lernte, die aus zwei Wörtern besteht: laufen und kämpfen. Nur: Bei seiner neuen Aufgabe wird er dieses Patentrezept kaum mehr einsetzen können.

Der Fortune steht vor einer großen Aufgabe. Zumindest das kennt er bereits vom Spielfeld. In einem Interview mit unserer Redaktion im Jahr 2005 verriet Bellinghausen, kurz nach seinem ersten Bundesliga-Spiel für Kaiserslautern, wie er sich gefühlt hattte: "Ich habe versucht, den linken vor den rechten Fuß zu setzen und dann toi, toi, toi." Dieser Pragmatismus wird dem 34-Jährigen auch jetzt helfen, diesmal in gewohnter Umgebung.

(ball)
 
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