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| 20.15 Uhr

München droht Lizenzverlust
1860-Investor Ismaik weist jede Verantwortung von sich

Hintergrund: Das ist 1860-Investor Hasan Ismaik
Hintergrund: Das ist 1860-Investor Hasan Ismaik FOTO: dpa, geb nic hak
München. Nach dem Abstieg in die 3. Liga steht der TSV 1860 München ohne Führung, ohne Trainer und ohne Mannschaft da. Der Verein ist am Ende. Der Absturz in den Amateurfußball droht. Nur einer will daran keine Schuld haben: Investor Hasan Ismaik.

Ein Abstieg des TSV München von 1860, hatte der bisherige Geschäftsführer gewarnt, käme einem "Desaster epischen Ausmaßes" gleich. Nun ist es eingetreten. Nach einem Skandalspiel, das wegen der fortwährenden Randale sogenannter Anhänger der Löwen hätte abgebrochen werden müssen, ist der frühere deutsche Meister am Ende: Abstieg in die 3. Liga, keine Mannschaft, kein Trainer, keine Führung, kein Plan. Und keine Lizenz?

Die Auflösungserscheinungen hatten bereits vor dem Rückspiel der Relegation, vor dem 0:2 (0:2) gegen Jahn Regensburg begonnen. Geschäftsführer Ian Ayre, erst vor acht Wochen vom FC Liverpool gekommen, stellte schon am Dienstagvormittag seinen Posten zur Verfügung. Präsident Peter Cassalette, bisher mehr oder weniger eine Marionette von Investor Hasan Ismaik, kündigte nach dem Spiel seinen Rücktritt an.

Eben jener Ismaik hatte am Tag vor dem "Endspiel" in einer Art Brandbrief via Facebook verbal auf jeden eingedroschen, der in den vergangenen Wochen und Monaten am Absturz der einst so stolzen Löwen beteiligt war. "Ich werde 1860 nicht im Stich lassen", schrieb der Jordanier, betonte aber, er halte grundlegende Änderungen auf "allen Ebenen" für "notwendig und (die) einzige Möglichkeit", um einen Neuanfang zu schaffen - egal in welcher Liga.

Wie Ismaik diesen Neuanfang gestalten will, ist völlig unklar. Der Jordanier, der 2011 bei den Löwen eingestiegen war, ist Teil des Problems, sieht das freilich nur bedingt ein. "Alles, was ich in den vergangenen Jahren unternommen habe, um den Verein voranzutreiben, ist auf allen Ebenen gescheitert", schrieb er, er habe "sogenannten Fachleuten", also den falschen Leuten vertraut.

"Das hat nichts mit meiner Person zu tun"

Am Mittwochabend richtete er sich erneut via Facebook an die Löwen-Fans und wies jede Verantwortung von sich. "Alles, was gestern passiert ist - einschließlich der Rücktritte von Ian Ayre und Peter Cassalette, zeigt, dass in unserem Verein vieles im Argen liegt. Das hat nichts mit meiner Person zu tun, sondern dieser Verein ist momentan geprägt von skrupellosen Machtkämpfen und internen Querelen, die es nun zu beseitigen gilt", schrieb er. "Ich habe die Vereinsseite in den letzten Monaten immer wieder aufgefordert zum Wohle von 1860 zu arbeiten, um die Misswirtschaft sowie den Mangel an Professionalität und Transparenz zu beseitigen. Die Reaktion? Ich bin auf taube Ohren gestoßen."

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Posted by Ismaik1860 on Mittwoch, 31. Mai 2017

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung soll Ismaik aber schon vor dem Rückspiel über seinen Anwalt als Gegenleistung für weitere Zahlungen teils unerfüllbare Forderungen an die Verantwortlichen gestellt haben. Ayre habe sich deshalb gezwungen gesehen, noch vor dem Spiel zurückzutreten, weil 1860 selbst bei einer erfolgreichen Relegation wohl nicht mehr zu retten gewesen wäre. Angeblich sollen die Spieler zuletzt keine Gehaltszahlungen mehr bekommen haben. Der Verein bestritt dies.

Ayre ließ verlauten, Grund für seinen Rücktritt sei die Uneinigkeit zwischen den "Anteilseignern", also dem Verein sowie Investor Ismaik. Der steht nach dem ersten Abstieg der Löwen in die 3. Liga seit 1992 nun alleine da. Nur sechs Spieler haben einen Vertrag. Statt sechs Millionen Euro TV-Geld erhalten die Löwen künftig nur noch eine Million, zudem entfällt die Garantiesumme vom Vermarkter Infront in Höhe von fünf Millionen Euro.

Daraus folgt: Die Lizenz für die 3. Liga "ist nicht zu erlangen, ohne dass es zu weiteren Zahlungen von Herrn Ismaik kommt", sagte Rainer Koch, 1. Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), am Mittwoch bei "Sky Sport News HD". Bis Freitag, 15.30 Uhr, müssen die Löwen ihre Unterlagen eingereicht haben.

Am Tag nach dem Desaster erschien zunächst eine Art Hilferuf auf der Homepage der Löwen - Verfasser unklar. "Löwen, wir brauchen Euch!", steht da geschrieben, und weiter heißt es: "Mit dem Fall 3. Liga haben wir uns bereits befasst. Jetzt werden wir uns die notwendige Zeit nehmen, um diese Pläne in Ruhe durchzugehen und alle Optionen sorgfältig zu prüfen." Eine Beruhigungspille, eiligst verabreicht, aber vermutlich wirkungslos.

(areh/sid)
 
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