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"Ein Spielplatz für Misanjo"
Studenten gründen Fußball-Liga in Afrika

"Ein Spielplatz für Misanjo"
"Ein Spielplatz für Misanjo" FOTO: privat
Köln. Viele Studierende fahren in den Semesterferien in Urlaub. Paul Rütschi und Ruben Hoffmann sind aus Köln nach Malawi geflogen, um mit ihrem Projekt "Ein Spielplatz für Misanjo" afrikanische Waisenkinder glücklich zu machen. Von Jessica Balleer

Sie wollten die Welt ein kleines bisschen besser machen. Und der Sport sollte dabei helfen. Monatelang hatten die beiden Studenten alte Fußballschuhe, Bälle, Trikots und Geldspenden gesammelt. All das für ihre Herzensangelegenheit, die ausgerechnet in einem der ärmsten Länder der Welt verortet ist. Wo die Lebenserwartung nur bei 33 Jahren liegt. Wo Hungersnot, Mangelernährung und Malaria den Alltag beherrschen. In dem kleinen Dorf Misanjo, im südostafrikanischen Malawi, haben Paul Rütschi und Ruben Hoffmann im Sommer eine Fußballliga gegründet und zwei Spielplätze für etwa 80 Waisenkinder gebaut. Während Ideen in den meisten Fällen groß beginnen und dann doch im Alltag versanden, blicken Rütschi und Hoffmann auf ein Jahr zurück, in dem sie viel Leid gesehen und ein wenig Freude geschaffen haben. Der Startschuss dazu fiel im vergangenen Herbst.

"Die Idee für das Projekt kam mir, nachdem ich im Frühjahr mit dem Rucksack durch Afrika gereist bin", sagt Paul Rütschi. Der 26-Jährige wohnt und studiert in Köln. Er wollte nach dieser Afrikareise unbedingt zurückkehren in das Land, das ihn so berührt hat - aber nicht nur als Tourist. Auf die Frage nach dem "Wie" fand er zusammen mit Freund Ruben Hoffmann eine Antwort. Das Projekt "Ein Spielplatz für Misanjo" nahm erste Formen an. Mit Hilfe einer Fußball-Liga wollten die beiden gut zehn Dörfer im ostafrikanischen Malawi näher zusammenbringen. Und Spielplätze wollten sie bauen, um die triste Welt der vielen Waisenkinder in dem armen Land etwas bunter zu gestalten. Aus der fixen Idee zu helfen, wurde ein Traum. Und dann begannen die Studenten, den Traum zur Wirklichkeit zu machen.

Als sie in Köln den Spendenaufruf starten, wird dieser deutschlandweit gehört. Ein Echo der Hilfsbereitschaft hallt durch die Sportwelt: "In der Sporthochschule Köln, den Vereinen und im Bekanntenkreis war die Spendenbereitschaft sofort riesig", sagt Ruben Hoffmann. Dabei bleibt es nicht: Selbst prominente Befürworter aus Sport und Fernsehen springen den beiden Studenten zur Seite. ARD-Sportmoderator Matthias Opdenhövel, der Fußballtrainer Christian Streich (SC Freiburg), aber auch Bundesligavereine wie der SV Darmstadt beteiligen sich an der Aktion. Zwei komplette Trikotsätze der Nationalmannschaft und Fußbälle sponsort von Frankfurt aus auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) für das Projekt. Die ehemalige Nationalspielerin und Fußballerin des Jahres 2012 Celia Sasic animiert auf ihrer Facebookseite zur Spende: "Ich hoffe, ihr unterstützt die beiden tatkräftig", sagt die Deutsche mit afrikanischen Wurzeln, die auch Integrationsbotschafterin des DFB ist.

Als Paul Rütschi und Ruben Hoffmann Ende Juli den Flug nach Malawi nehmen, hat jeder einen Koffer dabei. Ruben Hoffmann nimmt seine Kamera mit. Der ausgebildete Mediengestalter will vor Ort alles festhalten. Aber sie bringen noch weit mehr mit. 200 Kilogramm Sachspenden sind da bereits auf dem Weg nach Malawi: Das Auswärtige Amt hatte die vollgepackten Pakete mit dem Botschaftsdienst nach Afrika verschickt. Ein weiterer Helfer ist ebenfalls vor Ort. Daniel Chitsulo, ehemaliger malawischer Nationalspieler und einziger Fußballer aus dem Land, der jemals in Deutschland als Profi aktiv war (1. FC Köln, RW Essen und VfL Osnabrück), wurde Botschafter und Schirmherr von "Ein Spielplatz für Misanjo". "In meinem Land ist der Fußball die absolute Nummer eins. Die Menschen wollen Fußball, Fußball, Fußball", sagt der 31-Jährige. Seit 2000 lebt er in Deutschland. Er nutzte seine Kontakte in beiden Ländern, um die Sportstudenten zu unterstützen. "Für so ein Projekt sind die Leute in Malawi dankbar. Mir war klar, dass es erfolgreich werden würde."

Zusammen mit Paul Rütschi und Ruben Hoffmann eröffnet Chitsulo vor wenigen Wochen die "Misanjo-League". Außerdem verfolgen sie den Bau zweier Waisenhäuser und gemeinsam mit einer kleinen malawischen Firma auch zweier Spielplätze mit Minifußballfeldern. Die großen Augen von über 80 Waisenkindern verfolgen das Treiben, als die jungen Männer die Pläne mit eigenen Händen in die Tat umsetzen - und den Kindern damit ein breites Lächeln auf die Gesichter zaubern. Die erste Kindermannschaft "Ekhamanuh Super Eagles" läuft nun mit lilienblauen Trikots des SV Darmstadt auf. Team Buana kickt im grünen Deutschland-Trikot. "Und während wir hier in Köln in der Kälte sitzen, hat die Misanjo League vergangene Woche schon ihre Saison beendet", sagt Paul Rütschi stolz. Der FC Misanjo hat den ersten Titel geholt.

Damit ist das Konzept der beiden Studenten voll aufgegangen: Sieben Fußballteams und ein Fußballkomitee stehen seit Sommer für die neue Hoffnung einer Generation in Ostafrika. "Gerade kümmern wir uns um das Design und die Bestellung eines eigenen Trikotsatzes für den FC Misanjo", sagt Paul Rütschi, der mit Ruben Hoffmann so bald wie möglich in den Ort zurückkehren will, an den sie ihre Herzen verloren haben.

Quelle: RP
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