1. Bundesliga 16/17
| 15.00 Uhr

Trainerstuhl in Hoffenheim wackelt
Hopp bat Spieler zum Krisentreffen ohne Gisdol

Porträt: Dietmar Hopp: Vom Mäzen zum Mehrheitseigner
Porträt: Dietmar Hopp: Vom Mäzen zum Mehrheitseigner FOTO: ddp
Zuzenhausen. Das Duo Gisdol/Rosen galt in Hoffenheim lange als Dauerlösung. Aber auch im Klub von Milliardär Hopp ticken die Uhren wie anderswo in der Bundesliga: keine Punkte, kein Rückhalt. Chefcoach Gisdol hat am Freitag gegen den HSV ein Endspiel.

Bei 1899 Hoffenheim scheint der mächtige Mäzen Dietmar Hopp keine große Geduld mehr mit Trainer Markus Gisdol zu haben. Der Milliardär hat einige Profis wie Nationalspieler Kevin Volland zu einem Krisentreffen in seinen Golfklub bestellt, wie Gisdol am Mittwoch bestätigte: "Die Spieler haben mich informiert, dass es so ein Gespräch gab. Ich habe es nicht gewusst, aber die Spieler haben es mir gesagt", erklärte der 46-Jährige auf der turnusgemäßen Pressekonferenz vor der Partie in der Bundesliga am Freitag (20.30 Uhr) gegen den Hamburger SV. Gisdol stand bereits in den vergangenen Tagen auf der Kippe.

Eine Aussprache zwischen ihm und Hopp wiederum gab es nicht. "Wir haben in den letzten Tagen nicht gesprochen, aber das ist nichts Außergewöhnliches", meinte der Chefcoach. Auf die Frage, ob er noch das Vertrauen der Klubführung spüre, meinte er: "Das kann ich nicht beantworten, weil Gespräche nicht stattgefunden haben." Zu dem Treffen einiger Spieler am Dienstag mit Hopp sagte er achselzuckend:
"Dietmar Hopp ist der Boss hier. Er hat jederzeit das Recht, mit jedem zu sprechen."

Porträt: Markus Gisdol: Als Amateur zum Bundesliga-Coach FOTO: dpa, dan

Hoffenheim steht nach neun Spielen mit nur einem Sieg und sechs Punkten auf dem vorletzten Tabellenplatz. Sportchef Alexander Rosen hatte gesagt, dass es kein Ultimatum an Gisdol gebe: "Ein Trainerwechsel ist nicht das Allheilmittel." Die Zukunft des Sportchefs, der zusammen mit Gisdol 2013 das Zepter bei den Kraichgauern übernommen hatte, gilt jedoch als eng verbunden mit dem Chefcoach.

Viele Fans forderten spätestens, nachdem die Hoffenheimer beim 2:2 im Derby gegen den VfB Stuttgart den Sieg aus der Hand gegeben hatten, Gisdols Rauswurf. Zumal ihm immer noch angekreidet wird, dass die Mannschaft in der vergangenen Saison leichtfertig die Europa-League-Teilnahme verspielt hat. Gisdol spricht immer wieder von "kleinen Fortschritten", die Rückschritte aber sind größer.

Auf die vielen Fragen nach seiner Zukunft reagierte Gisdol im Trainingszentrum in Zuzenhausen gelassen. "Es stockt momentan ein bisschen mehr, als wir uns das wünschen. Die Situation ist wenig erfreulich", räumte er ein. Er habe aber das Gefühl, dass die Mannschaft etwas zeigen wolle am Freitag, "deshalb bin ich guten Mutes".

Hoffenheim-Trainer Gisdol gegen BVB auf die Tribüne geschickt FOTO: dpa, ua fpt

Auch Volland bestätigte das Gespräch mit Hopp, wollte verständlicherweise aber keine Details preisgeben. "Da geht es um sportliche, nicht um irgendwelche politischen Dinge", sagte der Angreifer und erklärte: "Die Mannschaft steht vollkommen hinterm dem Trainer, ganz klar."

Hopp selbst hat sich in den vergangenen Wochen nicht zur Misere der Mannschaft geäußert - kein gutes Zeichen. Nach der 2:4-Niederlage zuletzt in Wolfsburg fand aber Mittelfeld-Routinier Eugen Polanski ungewohnt deutliche Worte: "Wir trainieren was anderes, wir sprechen was anderes an, und dann machen drei das und vier das und drei gar nichts. Das ist kein Bundesliga-Niveau."

Viel zu selten konnten die Hoffenheimer in den vergangenen Monaten das pressingbetonte Spiel Gisdols durchbringen. Nachdem kürzlich Kapitän Pirmin Schwegler eingeräumt hatte, dass den Spielern hinten raus schon mal die Puste ausgeht, überraschte nun Volland mit dem Eingeständnis: "Die Werte waren im Sommer nicht gut, sie waren sogar sehr schlecht." Offenbar macht den Profis auch die Umstellung auf einen neuen Fitnesstrainer zu schaffen.

 

(areh/dpa)
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