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Leichtathletik
Britta Heidemann will wieder fechten

Fotos: Britta Heidemann trägt den Pokal zum Finale ins Stadion
Fotos: Britta Heidemann trägt den Pokal zum Finale ins Stadion FOTO: dpa, hak
Leverkusen. Bei den Europameisterschaften ist die gut vermarktete Kölnerin mal wieder als Sportlerin zu erleben. Von Stefanie Sandmeier

Es sind Auftritte, wie Britta Heidemann sie liebt. Die Fecht-Olympiasiegerin ist bekennender Fan des deutschen Fußballs. Mehrmals schon hat sie die Nationalmannschaft auf deren Reisen begleitet. "Dass der DFB beim Finale an mich als Pokal-Fee gedacht hat, hat mich wahnsinnig gefreut", sagt die 32-Jährige.

In einem goldenen Kleid betrat sie am Samstag den Rasen des Berliner Olympiastadions, und 75 000 Zuschauer sahen der Athletin des TSV Bayer Leverkusen dabei zu, wie sie strahlend die Trophäe in die Arena trug. Der Fußball ist für Heidemann Leidenschaft, aber längst auch eine von zahlreichen Nebenbeschäftigungen geworden.

Die Geschäftsfrau Britta Heidemann weiß ihre Talente zu nutzen und hat ihre Chancen ergriffen, die sich ihr nach dem Olympiasieg 2008 in Peking eröffneten. In China ist Heidemann, die chinesische Regionalwissenschaften studierte und die Sprache spricht, ein Star, in Deutschland ein gefragter Gast auf den gesellschaftlichen Bühnen. Sie hält Vorträge und Manager-Seminare. Sie hat zwei Bücher geschrieben und nimmt sich in wettkampffreien Zeiten gerne "bewusst" Auszeiten, in denen das Training mal nicht an erster Stelle steht. "Ich habe in den letzten Jahren viele Möglichkeiten erhalten, bei spannenden Events dabei zu sein. Ich habe gemerkt, dass mir das guttut", erklärt Heidemann, die der Kritik daran stets mit Top-Leistungen begegnete.

Heidemann zeichnet aus, punktgenau in den Wettkampfmodus umschalten zu können. "Die Dinge neben dem Sport haben meine Leistung noch nie negativ beeinflusst. Vielfältigkeit ist in einer mental fordernden Sportart wie Fechten wichtig, ansonsten wird mir schnell ziemlich langweilig und meine Leistungen schlechter", erklärt sie.

Zwei Mal schon haben sich die Reisen mit dem DFB als gutes Omen erwiesen. Nach der WM in Brasilien gewann sie WM-Silber. Unmittelbar nach der China-Reise wurde Heidemann Europameisterin. Nun hofft sie während der Olympia-Qualifikation auf eine starke Psyche.

Ab Freitag ist die Kölnerin bei der EM in Montreux am Start. Neben der WM im Juli in Moskau ist sie ein wichtiger Zwischenstopp auf dem Weg nach Rio. In Montreux kommt es vor allem aufs Teamergebnis an. Denn der wahrscheinlichste Weg, ein Olympia-Ticket zu bekommen, ist über die Mannschaft. Ist sie qualifiziert, darf jeder Verband drei Sportler fürs Einzel benennen - unabhängig von der Weltrangliste.

Dass sich die 32-Jährige schon eine Weile mit Achillessehnenproblemen herumplagt, soll sie nicht aufhalten. "Der Zeitpunkt ist sicher unglücklich, aber wir haben die Verletzung im Griff", sagt sie. "Manchmal kann so ein vermeintlicher Rückschlag auch dazu führen, dass man zwangsläufig etwa die Taktik umstellt und das vielleicht sogar zum Erfolg führt. Wenn ich an solch einer Geschichte verzagen würde, könnte ich Olympia eh vergessen."

Direkt nach der EM fliegt sie zu den Europa-Spielen nach Baku/Aserbaidschan. Die Spiele sind ein Versuch, ein Gegengewicht zu den Asien- oder Panamerikanischen Spielen zu positionieren. "Ich habe zugesagt, weil ich wirklich Lust habe. Ich hoffe, ein wenig olympische Luft zu schnuppern und möchte mir den letzten Drive holen, um bei der WM voll loslegen zu können", sagt Heidemann, die sich der Kritik am Austragungsort und Format nicht anschließt. "Mittlerweile wird beinahe jeder Austragungsort sportlicher Großveranstaltungen kritisiert. Teils sicher zurecht, weil die meisten Länder nicht unseren demokratischen Wertvorstellungen entsprechen. Aber hinzufahren und sich selbst ein Bild zu machen, finde ich besser, als daheim zu bleiben."

Die Spiele in Brasilien im nächsten Jahr wären Heidemanns vierte. "Es ist mein großes Ziel, noch einmal dabei zu sein und das Erlebnis Olympia aufzusaugen", sagt sie. "Ich merke, dass ich körperlich und technisch dazu in der Lage bin."

Quelle: RP
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