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Wissenschaftliche Studie
Fall Rehm: Kein eindeutiger Vor- und Nachteil durch Prothese

Das ist Markus Rehm
Das ist Markus Rehm FOTO: dpa, jst pzi vbm nic
Der unterschenkelamputierte Weitspringer und Paralympics-Sieger Markus Rehm (Leverkusen) hat seine Hoffnung auf eine Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio (5. bis 21. August) nicht aufgegeben.

Laut einer wissenschaftlichen Studie, deren Ergebnis am Montag in Köln präsentiert wurde, zieht Rehm keinen eindeutigen Vor- und Nachteil aus seiner Prothese.

"Wir konnten Nachteile bei Athleten mit Unterschenkelamputationen beim Anlauf feststellen, die wir eindeutig der Prothese zuweisen konnten", erklärte Professor Wolfgang Potthast vom Institut für Biomechanik und Orthopädie der Deutschen Sporthochschule Köln. "Bei Bewegungstechniken haben wir aufgrund der verbesserten Sprungeffizienz aber Vorteile erkannt. Das sind völlig unterschiedliche Bewegungstechniken, die Stand jetzt nicht eindeutig gegeneinander aufzuwiegen sind."

Die Studie wurde mit drei beimamputierten und nicht-beinamputierten Weitspringern von internationalem Format durchgeführt, wie Potthast versicherte. Untersucht wurden Beschleunigung und Sprungbewegung der Probanden.

"Man konnte keinen Vorteil durch die Prothese feststellen. Das macht mich glücklich", sagte Rehm: "Nach dem Leitspruch 'Im Zweifel für den Angeklagten' könnte ich versuchen, mich einzuklagen." Er habe "das Ziel, den Olympischen und Paralympischen Sport zusammenzubringen." Daher erwarte er aber, dass "ein Schritt auf mich zu gemacht wird. Der Leichtathletik-Verband IAAF hat die gesellschaftliche Pflicht, sich Gesprächen zu öffnen."

Der 27-Jährige werde "natürlich bei den Paralympics starten". Aber er habe die Hoffnung "nicht aufgegeben, bei Olympia zu starten. Dabei geht es mir nicht um Medaillen, sondern auch darum, dem paralympischen Sport eine Bühne zu geben."

Die wissenschaftliche Untersuchung wurde zunächst für eine japanische TV-Sendung von Wissenschaftlern aus Köln, Tokio und Boulder/Colorado durchgeführt. Für die Sendung sollte vor allem geklärt werden, warum Rehm so viel weiter als andere Athleten mit vergleichbarer Behinderung springt und auch mit den besten Springern der Welt ohne Behinderung mithalten kann.

Rehm hatte 2014 die deutsche Meisterschaft der Nicht-Behinderten gewonnen. Für die Freiluft-EM war er später nicht nominiert worden. 2015 durfte er nur in getrennter Wertung starten, schaffte aber erneut den weitesten Sprung.

Im vergangenen August hatte die IAAF eine entsprechende Regeländerung beschlossen, nach der nun die Sportler selbst nachweisen müssen, durch "mechanische Hilfen" keinen Vorteil zu haben.

Ob Rehm mit der Untersuchung seine Teilnahme an Olympia überhaupt erstreiten könnte, bleibt unklar. Eine Entscheidung wird frühestens bei der nächsten Sitzung des IAAF-Council im Juni fallen.

(sid)
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