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Manipulationsvorwürfe im Tennis
Abgezockt auf dem Platz

Tennis Integrity Unit: die Antikorruptions-Agentur
Tennis Integrity Unit: die Antikorruptions-Agentur
Düsseldorf. Etliche zum Teil noch aktive Tennisspieler sollen in einen Manipulationsskandal verstrickt sein. Ex-Davis-Cup-Teamchef Detlev Irmler fordert Konsequenzen. Von Gianni Costa

In der Tennisszene sind alle ratlos. Ein Manipulationsskandal rückt den gerne als so sauber verkauften Sport in ein schlechtes Licht. Nach Recherchen der BBC und Buzzfeed sollen mindestens 50 zum Teil noch aktive Profis über Jahre Spiele verschoben haben. Identitäten sind bislang noch nicht bekannt, es gibt dafür aber allerlei Spekulationen. Verdächtigungen gibt es dagegen immer wieder, und zwar nicht nur gegen Profis aus Osteuropa, Südamerika und Südeuropa. Das gilt auch für deutsche Spieler. In der Szene kursieren seit längerem die Namen von Akteuren, die alle für das Davis-Cup-Team im Einsatz waren oder sind. Der Weg von einer Verdächtigung bis zur Überführung ist kompliziert - und bislang in keinem Fall gelungen.

Reaktionen zum Manipulations-Verdacht : "Es gibt keinen Platz für dieses Verhalten"

Bei den Australian Open in Melbourne hört man keine übermäßig kritischen Stimmen zu den Vorwürfen. Das mag auch daran liegen, dass erstmals in der Geschichte eines der vier Grand-Slam-Turniere von einem Wettanbieter (William Hill) finanziell unterstützt wird. Turnierdirektor Craig Tiley findet nichts Schlimmes daran. "Sie können uns sogar dabei helfen, illegale Aktivitäten besser aufzuspüren", sagt Tiley. Bislang gibt es kein Radarsystem wie beim Fußball, das automatisch Alarm schlägt, wenn es verdächtige Bewegungen auf dem Wettmarkt gibt.

Detlev Irmler war in den 1970er-Jahren Kapitän des deutschen Davis-Cup-Teams. Den 74-Jährigen überraschen die Betrugsvorwürfe keineswegs. "Das System macht die Spieler empfänglich. Das Geld ist einfach völlig falsch verteilt. Es gibt ein paar wenige, die können sehr gut vom Sport leben, der große Rest kratzt am Existenzminimum", sagt der Teammanager des Bundesligisten Rochusclubs unserer Zeitung. "Einige jenseits der Top-80 müssen ja fast schon falsch spielen, um überhaupt überleben zu können. Da sind die Organisatoren gefordert, Rahmenbedingungen zu schaffen, um den Kriminellen es zumindest nicht so einfach zu machen." Denkbar sei zum Beispiel eine festgeschriebene Mindestantrittsprämie für jeden Spieler, unabhängig davon, wie weit er im Turnier kommt.

Lukrativ ist Tennis nur für ganz wenige. Ein Doppel zum Beispiel bekommt für den Sieg bei einem zweitklassigen Challenger wie in Bangkok etwa 3000 Euro ausgezahlt - der Scheck muss durch zwei geteilt, und ein paar Rechnungen (Flug, Hotel, Massagen) müssen beglichen werden. Wer in der ersten Runde bereits ausgeschieden ist, der rutscht extrem ins Minus. Kaum einer in dieser Spielklasse verfügt über Sponsoren, durch die ein Teil der Unkosten gedeckt werden können.

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Anderen wird gerade die Unterstützung von finanzstarken Begleitern irgendwann zum Verhängnis. Vor allem Spieler aus Russland bekommen ihre Karriere von Oligarchen vorfinanziert. Die wollen indes, dass die Schulden auch beglichen werden. Wenn das nicht über sportliche Erfolge möglich ist, müssen andere Geschäftsmodelle für den Ertrag sorgen - und bislang war die Gefahr äußerst gering, dass jemand aufgeflogen ist.

Quelle: RP
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