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Olympia-Stützpunkt Potsdam
Die Gold-Schmiede der Nation

In diesen Sportarten holte Deutschland Medaillen
In diesen Sportarten holte Deutschland Medaillen FOTO: ap, DC
Potsdam. Leistungssportler aus dem ganzen Land zieht es zum Olympiastützpunkt nach Potsdam. Neben dem Sport geht es auch um Bildung. Von Markus Plüm

Hochmoderne Sportstätten, kurze Wege, malerische Kulisse. Der Olympiastützpunkt in Potsdam hat vieles von dem, was es braucht, um aus Sportlern Spitzenathleten zu machen. Hier wurden und werden Olympiasieger geformt, seit Barcelona 1992 schon 48. Aus anderen Bundesländern schaut man neidisch nach Brandenburg: "Wir haben in Essen einen sehr guten Stützpunkt für die Spitze. Wenn ich aber sehe, was in Potsdam geht, das ist schon besser", sagte jüngst Ruder-Olympiasieger Max Hoff, der selbst in Essen trainiert.

Gegründet 1991 ist der Potsdamer Stützpunkt auf dem Areal des ehemaligen Luftschiffhafens beheimatet, idyllisch direkt am Templiner See gelegen. Seit 2009 wurden rund 54 Millionen Euro in die Sanierung und den Neubau von Sportstätten investiert. Insgesamt zehn Sportarten werden hier betreut, darunter auch die goldträchtigen Wassersportarten Kanu und Rudern. 30 brandenburgische Olympia-Teilnehmer waren in Rio mit vier Goldmedaillen für knapp ein Viertel der deutschen Gold-Ausbeute verantwortlich. Das Erfolgsgeheimnis der Potsdamer Gold-Schmiede ist dabei aber eigentlich gar nicht so geheim.

"Hier hat man alles, was man braucht, um erfolgreich zu sein, an einem Ort", sagt Marvin Dogue. Der 20-Jährige ist eines der hoffnungsvollsten deutschen Nachwuchstalente im Modernen Fünfkampf. 2015 wurde er Staffel-Weltmeister bei den Senioren - mit Weltrekord im Schießen. Wie sein älterer Bruder Patrick, der bei den Olympischen Spielen in Rio Sechster wurde, hat er sich mit Leib und Seele der komplexen Sportart verschrieben.

Marvin Dogue trainiert nicht nur am Olympiastützpunkt. Er lebt auch dort. Denn bis diesen Sommer besuchte er die Potsdamer "Eliteschule des Sports", wohnte im angeschlossenen Internat. "Das hat mir vieles erleichtert, ich konnte mich voll auf den Sport konzentrieren", sagt der Nachwuchsathlet. Profitiert hat er dabei auch vom schulischen Konzept, das hinter dem gesamten Verbundsystem steckt. Sport steht für die insgesamt 1300 Eliteschüler klar im Mittelpunkt. "Es handelt es sich um eine sportbetonte Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe", erläutert Wilfried Lausch, der Leiter des OSP Brandenburg.

Das Pensum der Nachwuchsathleten: Neben dem "normalen" Unterricht stehen drei Schulstunden allgemeiner Sportunterricht und vier Stunden sportartspezifische Trainingselemente pro Woche auf dem Stundenplan. Hinzu kommt das tägliche Training, für das der Unterricht unterbrochen wird - morgens zwei Stunden, nachmittags drei Stunden, vor Wettkämpfen auch noch Frühtraining. Die Jugendlichen werden von Trainer-Lehrern betreut, die sowohl die pädagogische als auch sportliche Qualifikation mitbringen.

Dass schulische Leistungen für Athleten bei diesem Pensum aber auch schon einmal auf der Strecke bleiben können, erscheint logisch. In Potsdam gibt es daher eine Sonderlösung: "Wir bieten Athleten, die Aussicht auf eine Karriere im Spitzensport haben, das sogenannte additive Abitur an", erklärt Beate Pezold, Laufbahnberaterin am Olympiastützpunkt. "Diese Schüler bekommen die Möglichkeit, ihr Abitur erst nach 14 Schuljahren abzulegen und gleichzeitig die einzelnen Prüfungen auf mehrere Jahre zu verteilen." In den Genuss dieser Sonderlösung kam übrigens auch Marvin Dogue.

Dieses Fördersystem kann laut Experten als einer der Hauptgründe betrachtet werden, warum gerade aus dem Osten so viele erfolgreiche Olympia-Teilnehmer kommen. "In dieser Systematik sind die Schulen in Brandenburg meines Wissens einzigartig", sagt Carmen Borggrefe vom Institut für Bewegungs- und Sportwissenschaft an der Universität Stuttgart. Allerdings lasse sich ein derartiges System in anderen Bundesländern aufgrund verschiedener Schulsysteme auch nicht realisieren.

Glaubt man aber Max Hoff, müsste dies passieren, um den Sportstandort NRW zu retten: "Das Gymnasium in zwölf Jahren ist mit Spitzensport nicht zu vereinbaren. Die Schüler sind viel zu sehr mit dem Lernen beschäftigt. Es bleibt nicht genügend Zeit für das Training." Diese Einschätzung teilt Frank-Michael Rall vom Landessportbund NRW allerdings nicht. "Das Schulsystem in NRW behindert keine Spitzensportleistungen. Natürlich müssen die Schüler hier einen engeren Zeitplan erfüllen, aber da ist dann auch ihr Idealismus gefordert."

Die Gold-Schmiede der Nation bleibt daher wohl auch weiterhin in Potsdam beheimatet.

Quelle: RP
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