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Party nach Gold am Reck
Hambüchen lässt es im Deutschen Haus krachen

Hambüchen bekommt endlich seine Goldmedaille
Hambüchen bekommt endlich seine Goldmedaille FOTO: dpa, ss
Rio de Janeiro. Nach seinem Goldenen Abschied von den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro hat Fabian Hambüchen eine wilde Party im Deutschen Haus angekündigt. Der Sportstudent aus Köln genoss den Moment seines größten Sieges in vollen Zügen. Von Stefan Klüttermann

Fabian Hambüchen nahm die Goldmedaille, die man ihm soeben um den Hals gehängt hatte, fest in die Hände und guckte sie lange an. Als wolle er zu dem Stück Edelmetall sagen: Wir zwei Hübschen, wir wollten uns doch schon so lange mal kennenlernen! Doch er und das olympische Gold hatten es sich bis zur allerletzten Möglichkeit aufgespart, zueinander zu finden.

Das machte dann auch beide sprachlos. "Ich kann noch nicht wirklich in Worte fassen, was da heute passiert ist", sagte Hambüchen nur wenige Momente, nachdem seine mehr als 16-jährige Karriere mit der wertvollsten seiner 27 internationalen Medaillen ihr bestmögliches Ende gefunden hatte. Gleichzeitig kündigte er eine wilde Party im Deutschen Haus im Olympischen Dorf an. "Da findet ihr morgen nur noch einen Haufen Schutt", scherzte der 28-Jährige.

Nach Bronze in Peking 2008 und Silber in London 2012 nun also Gold in Rio 2016 – die Geschichte, die den 28-Jährigen seit vier Jahren medial begleitet hatte, er hatte sie nun tatsächlich wahr gemacht und bei seinen letzten Olympische Spielen erstmals der Nationalhyme lauschen dürfen. Nur für ihn gespielt. "Ich habe vor allem gedacht, dass ich keinen Texthänger haben darf", sagte der Wetzlarer hinterher, als er gefragt wurde, woran er während der Siegerehrung gedacht habe. "Du weißt in diesem Moment eigentlich gar nicht, woran du denken sollst."

Hambüchen leidet mit niederländischem Konkurrenten

Hambüchen wusste aber ganz sicher, dass er es letztlich auch dem Sturz seines engsten Konkurrenten und Freundes Epke Zonderland zu "verdanken" hatte, dass sein Sieg relativ früh relativ ungefährdet war. Von Freude über das Missgeschick des Holländers war freilich beim Deutschen trotzdem nichts zu spüren. "Ich bin der letzte, der sich darüber freuen würde. Ich fand es total schade für ihn, vor allem war der Absturz auch nicht ganz ungefährlich. Ich hatte selbst so einen bei der EM vor zwei Jahren in Sofia. Wir beide haben hier in Rio viel Zeit miteinander verbracht, haben uns quasi täglich hier gesehen, noch am Tag vor dem Finale zusammen zu Mittag gegessen", erzählte Hambüchen. Epke selbst hatte kurz zuvor in fairster Sportlermanier kundgetan: "Klar tut es weh, dass mein Olympiatraum geplatzt ist, aber ich freue mich für Fabian. Er hat es verdient, dort ganz oben zu stehen."

Doch auch von dort ganz oben kam Hambüchen nicht in Versuchung, das mit seinem Karriereende doch nochmal zu überdenken. "Klar, in so einem Moment denkst du, du könntest noch zwölf Jahre weiterturnen, aber ich habe auch nicht vergessen, wie schmerzvoll die vergangenen Monate gewesen sind. Und ich werde auch morgen früh nicht schmerzfrei aufwachen", sagte er. Seine Schulter war nochmal rechtzeitig fit geworden für Rio, aber heil ist sie deswegen nicht. Das betonte auch Trainer und Vater Wolfgang Hambüchen. "Die Strategie war: lieber ein bisschen mehr auf Sicherheit turnen und dafür sauber. Und das ist aufgegangen", sagte er.

Bevor die beiden indes wussten, dass ihre Taktik zu Gold reichen würde, mussten Vater und Sohn nach der eigenen Übung noch sieben Turner abwarten. Keine leichte Disziplin für das Nervenkostüm. "Da zu stehen und warten zu müssen, das ist brutal. Aber es war schön zu sehen, dass die Kampfrichter eine Linie bei der Bewertung durchgezogen haben", sagte Hambüchen junior.

Es war eine Linie, die Hambüchen zum Sieg und so zum Rendezvous mit der Goldmedaille führte. Das Edelmetall und Hambüchen waren dann auch nur ganz kurz mal zu dritt, als sich die Wehmut dazwischen drängelte. "Ja, so ein bisschen Wehmut war da. Aber jetzt ist die Zeit gekommen, im normalen Leben weiterzukommen", sagte Hambüchen, der Sportstudent aus Köln.

Es wird ein normales Leben sein, da ist er sich sicher. Ein normales Leben mit Olympiasieg eben.

(klü)
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